kalaydo.de Anzeigen stellen auto immobilien kleinanzeigen tiere ferienwohnungen inserieren
  RP Providing |  RP Shop |  PremiumCard |  RP Reise
         
  Newsletter |  RSS |  Mobil |  Apps
Abo & Service | Anzeigen | ePaper | Schulprojekte  
 
       
 
  Gast
Kommentare ()

Erdrutsch in Mexiko: "Die Welle war wie ein Mini-Tsunami"

zuletzt aktualisiert: 06.11.2007 - 12:52

Villahermosa/Mexiko (RPO). In den Katastrophengebieten im Süden Mexikos haben zwei Schlammlawinen ein Dorf unter sich begraben. Für 16 Verschüttete in San Juan Grijalva im Bundesstaat Chiapas bestehe kaum noch Hoffnung, nachdem ein Erdhügel am Ufer des Flusses Grijalva abgerutscht sei, sagte Gouverneur Juan Sabines am Montag (Ortszeit). "Dieser Ort ist praktisch verschwunden", erklärte er, die Welle sei wie ein "Mini-Tsunami" gewesen.

Dutzende Häuser seien von einer 50 Meter hohen Flutwelle weggerissen worden. Nach tagelangem Dauerregen entspannte sich die Lage in den Überschwemmungsgebieten in Chiapas und im Nachbarstaat Tabasco. Um Plünderungen zu verhindern, sperrten die Behörden das Zentrum der überschwemmten Tabasco-Hauptstadt Villahermosa weitgehend ab.

Auch die Kirche und die Schule von San Juan Grijalva seien zerstört worden, sagte der Gouverneur. Durch die Schlammmassen waren zudem acht Nachbardörfer von der Außenwelt abgeschnitten. Behördenvertretern zufolge ist der Erdboden in der Region vor allem durch Wasser aus einem überlaufenden Staubecken bis in die Tiefe durchweicht. Chiapas ist nicht ganz so stark wie der Nachbarstaat Tabasco von den verheerenden Überschwemmungen betroffen, aber auch in diesem ärmsten Bundesstaat Mexikos verloren mindestens 200.000 Menschen ihr Obdach.

"Es war ein Getöse, wie wenn ein Hubschrauber über die Köpfe hinwegfliegt", berichtet ein Überlebender, der 21-jährige Domingo Sanchez. "Wir wussten nicht, was vor sich geht. Wir rannten nach draußen, und dann taten sich Risse in der Erde auf. Wir rannten den Hügel hinauf, aber die Erde kam auf uns herunter."

Sanchez, seine Mutter, seine Frau und ein Cousin erreichten die Kuppe des Hügels gerade noch rechtzeitig. Beim Blick ins Tal sahen sie, dass ein Erdrutsch das Haus seiner Großeltern unter sich begraben hatte. Er befürchtet, dass mindestens neun Verwandte bei der Katastrophe ums Leben kamen.

Sein Cousin David Sanchez sprach von zwei unterschiedlichen Wellen. Die erste habe seine Mutter 200 Meter mit sich gerissen, bevor er sie retten konnte. "Die Welle hatte eine unwiderstehliche Gewalt", erinnert er sich.

Eine zweite Welle, die möglicherweise von einer kurzen Aufstauung stammte, wälzte sich kurz darauf das Tal hinunter. "Sie riss alles mit: Bäume, Häuser, alles", berichtete der 22-Jährige. Er geht davon aus, dass mindestens 40 Nachbarn bei dem Unglück ihr Leben verloren.

Der nach heftigen Regenfällen über die Ufer getretene Grijalva-Fluss ist auch für die katastrophale Lage in Tabasco verantwortlich, wo rund eine Million Menschen obdachlos wurden. Am stärksten betroffen ist das Gebiet um die Hauptstadt Villahermosa. Große Teile der Stadt standen weiter unter Wasser.

Aus Angst vor Plünderern weigerten sich Hunderte Einwohner, ihre mancherorts bis zu zwei Meter unter Wasser stehenden Häuser zu verlassen. Am Wochenende nahm die Polizei Medienberichten zufolge mehr als 50 Verdächtige fest, die teils in Booten zu ihren Beutezügen aufgebrochen waren.

Nach Behördenschätzungen warteten noch rund 20.000 Einwohner Villahermosas in ihren Häusern auf Hilfe. Viele Flutopfer kletterten auf Dächer und hielten Schilder hoch, auf denen sie um Lebensmittel und Wasser baten. "Wir haben so viele in Sicherheit gebracht, wie wir konnten, aber manche widersetzen sich und wir versuchen sie zu überzeugen", sagte ein Koordinator der Evakuierungen in Villahermosa. In einigen Stadtvierteln kam die Trinkwasserversorgung wieder in Gang. Auch einige Schulen durften wieder öffnen.

US-Präsident George W. Bush bot seinem mexikanischen Kollegen Felipe Calderón Hilfe bei der Bewältigung der Flutkatastrophe an. Bush habe Calderón in einem Gespräch sein tiefstes Mitgefühl ausgesprochen und sein Interesse zum Ausdruck gebracht, die Betroffenen bei der Deckung der dringendsten Bedürfnisse und beim Wiederaufbau zu unterstützen, sagte ein Sprecher.

Zuvor hatten andere Staaten Finanzhilfen zugesagt, auch Deutschland kündigte am Montag eine Soforthilfe von 250.000 Euro an. Calderón sagte angesichts der Notlage seine Teilnahme am XVII. Iberoamerikanischen Gipfel in Santiago de Chile ab Donnerstag ab.

Die Überschwemmung im Bundesstaat Tabasco, der ungefähr so groß ist wie Belgien, ist eine der schlimmsten in der Geschichte Mexikos: Zeitweise standen 80 Prozent der Fläche unter Wasser, 850 Städte wurden überflutet, hunderttausende Menschen verloren ihr Obdach. Bislang wurde von den Behörden ein Todesopfer bestätigt. Regionalzeitungen berichteten dagegen von vier Toten.

Quelle: ap

 
weitere Artikel
 
Links zu diesem Artikel
 

 
Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung:

       
Anzeige:

Aktuell bei RP Online
Vier Menschen verbrennen bei Flugzeugabsturz

Rheinstetten

Vier Tote bei Flugzeugabsturz

Beim Absturz eines Kleinflugzeugs am Flugplatz Rheinstetten nahe Karlsruhe sind am Mittwoch ... mehr 

28-Jähriger sprang in den Rhein

Vermisster Rheinschwimmer in Köln geborgen

Ein 28 Jahre alter Mann ist bei einem Strandfest in der Nähe von Bonn in den Rhein gesprungen und ertrunken. Erst vier Tage später wurde sei ... mehr 

mehr Panorama
Aus der Region

28-Jähriger sprang in den Rhein

Vermisster Rheinschwimmer in Köln geborgen

Nach Amokalarm in Memmingen

Polizei findet 37 Waffen im Elternhaus

Sommerwetter hat ein Ende

Es wird deutlich kühler

Videos

Video

Grefrather Eisbahn wird zur Filmkulisse

Die Schlittschuhläufer laufen eine Runde nach der anderen. Auf der Außenbahn des Grefrather Eisstadions ist dieses Mal alles etwas anders . ... mehr 

Video

Italien: Frau lebend aus Trümmern gezogen

Das Beben in Norditalien war am Dienstagabend schon 12 Stunden her, da gab es eines dieser kleinen Wunder, auf die die Menschen in den ... mehr 

Wie-entdeckt-man-ob-ein-Kind-missbraucht-wird_1_53217.jpg

33 Pädophile festgenommen

Weltweiter Schlag gegen Kinderschänder geglückt

Ermittlungen gegen einen pädophilen Mann in den Niederlanden haben zur Festnahme von weltweit 33 mutmaßlichen Kinderschändern geführt, darunter auch einer in Deutschland. mehr

 
 

Afghanin verliert nach Angriff Baby

Mann wollte schwangerer Ehefrau Zunge abschneiden

 

Höchstes britisches Gericht

Assange darf ausgeliefert werden

 

Papst äußert sich erstmals zu "Vatileaks"

"Habe Vertrauen in meine engsten Mitarbeiter"

 
Top-Services