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Unicef-Report 2014
Die Welt quält ihre Kinder

Fotos: Was Kinder am Tag der Kinderrechte erleben
Fotos: Was Kinder am Tag der Kinderrechte erleben FOTO: afp, FN/tbr
Vor 25 Jahren verabschiedeten die Vereinten Nationen die Kinderrechtskonvention. Zum Jubiläum zieht Unicef Bilanz - und kommt zu einem bitteren Ergebnis. Millionen Kinder werden noch immer gehalten wie Sklaven, Missbrauch und Gewalt zählen zu ihrem Alltag. Ausgerechnet dort, wo sie sich am sichersten fühlen, sind die Risiken am größten.

In ihrem Jahresbericht fasst die Kinderschutzorganisation Unicef die Ergebnisse von 25 Jahren Kinderrechtskonvention zusammen. Die Bilanz darf man mit Fug und Recht als Schandfleck für die Welt bezeichnen, auch wenn sich die Lage der Kinder in einzelnen Bereichen deutlich verbessert hat. Fast alle Staaten haben sich zum Schutz der Kinderrechte verpflichtet. Und dennoch leiden Millionen unverändert.

Regierungen, Wirtschaft und Zivilgesellschaft müssten "mehr tun, um die Rechte eines jeden Kindes auf Überleben, Entwicklung, Schutz und Beteiligung auch für benachteiligte Kinder zu garantieren", forderte das UN-Kinderhilfswerk am Mittwoch anlässlich der Vorstellung des Unicef-Berichts 2014 zur weltweiten Lage der Kinderrechte (PDF).

Fatale Prognosen

Zwar ging laut Unicef die Zahl der Kinder, die an vermeidbaren Krankheiten sterben, von 12,6 Millionen im Jahr 1989 auf zuletzt 6,6 Millionen zurück. Doch werde bis heute ein Fünftel aller Kinder nicht durch Gesundheitsprogramme erreicht. Kindersterblichkeit sei dort am größten, wo Armut oder Konflikte herrschten. 

Die Flüchtlingskinder des Irak FOTO: ap

Unter diesen Voraussetzungen werde die Welt ihre selbst gesteckten Ziele erst mit 13 Jahren Verzögerung erreichen, rechnet Unicef vor. Eigentlich sehen die Milleniumsziele vor, die Kindersterblichkeit von unter Fünfjährigen um zwei Drittel zu senken. Bleiben die Rahmenbedingungen aber so wie zuletzt, drohen zwischen 2015 und 2028 weitere 35 Millionen Kinder an vermeidbaren Krankheiten zu sterben. "Diese Aussicht ist inakzeptabel", stellt Unicef klar.

Noch nicht einmal sieben - und zwangsverheiratet

Das UN-Kinderhilfswerk kritisierte zudem, dass nur fünf Prozent der Kinder in Ländern leben, in denen Gewalt gegen Minderjährige verboten ist. Als weitere Bereiche, in denen Kindern ihre Rechte vorenthalten werden, nannte Unicef Zwangsheiraten und Kinderarbeit.

Mehr als 30 Prozent der Mädchen unter 18 Jahren seien von frühen und erzwungenen Eheschließungen betroffen - jedes Jahr seien es 13,5 Millionen Mädchen, einige seien noch nicht einmal sieben Jahre alt.

Menschenrechte einfach erklärt FOTO: AFP

Ausbeutung und Sklaverei

168 Millionen Jungen und Mädchen arbeiteten darüber hinaus unter ausbeuterischen Bedingungen - fast die Hälfte von ihnen sei im Grundschulalter. Der Anteil der Minderjährigen, die Opfer von Menschenhandel würden, ist laut Unicef von 2007 bis 2010 um 27 Prozent gestiegen.

Ähnlich die Lage im Bereich die Kinderschutz. Es gibt Anzeichen für Verbesserungen. Aber auf niedrigem Niveau. Die UN-Sonderbeauftragte zu Gewalt gegen Kinder, Marta Santos Pais, bemängelte, Fortschritte gingen jedoch zu langsam voran. "Das Risiko von Gewalt ist weiter hoch, auch und gerade dort, wo Kinder eigentlich am sichersten aufgehoben sein sollten - in der Schule, zu Hause, in Heimen oder in Jugendstrafanstalten."

Für die meisten Todesfälle braucht es keinen Krieg

Laut Unicef zeigen 300 Millionen Kinder unter fünf Jahren problematisches Beziehungsverhalten und Aggressivität, weil sie in ihrem Umfeld Gewalt ausgesetzt sind.

Dem Bericht zufolge ereignen sich 90 Prozent der gewaltsamen Todesfälle von Kindern und Jugendlichen in nicht-kriegerischen Situationen. Unter den Mordopfern seien besonders häufig Jungen, etwa durch Kontakte zu Drogendealern oder Banden und durch Beteiligung an gewalttätigen Aktionen.

Gewalt und Missbrauch

Laut Weltgesundheitsorganisation WHO werden in Europa mindestens 18 Millionen Kinder sexuell missbraucht, 44 Millionen körperlich misshandelt, 55 Millionen seelische Gewalt zugefügt. Mehr als 850 Kinder unter 15 Jahren sterben hier jedes Jahr an den Folgen von Kindesmisshandlung.

Unicef will endlich Änderungen sehen

Die UN-Sonderbeauftragte forderte, den Schutz von Kindern vor Gewalt als zentralen Bestandteil der internationalen Entwicklungsagenda nach 2015 aufzunehmen. 

Schwere Kinderrechtsverletzungen wie Kinderarbeit, sexuelle Ausbeutung und Diskriminierung dürften nicht hingenommen werden. "Das Wohlergehen von Kindern muss endlich zum Maßstab für sozialen Fortschritt und die Zukunftsfähigkeit eines Landes gemacht werden", fordert Unicef. Mit der Unterzeichnung der Kinderrechtskonvention hätten sich dazu praktisch alle Staaten verpflichtet. 

(DEU)
 
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