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Belgien
Weitere Panne im Atomkraftwerk Doel

Doel: Weitere Panne in einem belgischen Atomkraftwerk
Der Reaktor 1 des Kernkraftwerks Doel wurde erneut heruntergefahren. Doel liegt nördlich von Antwerpen, 170 Kilometer entfernt von der deutsch-belgischen Grenze. FOTO: dpa, jw jak kde
Doel/Aachen. Die Pannenserie in den belgischen Atomkraftwerken Doel und Tihange reißt nicht ab. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag wurde der Reaktor 1 des Kernkraftwerks Doel notabgeschaltet. Im ältesten belgischen AKW kam es mehrfach zu Zwischenfällen.  Von Franziska Hein

Der belgische Atommeiler Doel 1 musste in der Nacht zu Donnerstag um 2.36 Uhr erneut heruntergefahren werden. Das berichten die Aachener Zeitung und der WDR unter Berufung auf den belgischen Betreiber des Atomkraftwerks, Electrabel. Am Freitag teilte eine Sprecherin des Unternehmens nun mit, dass der Reaktor wieder in Betrieb genommen wurde. Grund für die Störung seien Probleme mit der Elektronik gewesen. Die belgische Zeitung "De Standaard" berichtet unter Berufung auf die belgische Atomaufsichtsbehörde FANC, dass vorher eine Kühlwasserpumpe ausgefallen sei. Grund dafür sei offenbar ein Mangel an Schmieröl.  

Reaktor sollte 2015 dauerhaft abgeschaltet werden 

Doel 1 ist seit 1974 in Betrieb und der älteste Reaktor in Belgien. 2015 brannte ein Transformator im abgeschalteten Reaktor 1. Nach 40 Jahren Betriebszeit sollte er vergangenes Jahr eigentlich dauerhaft abgeschaltet werden. Die belgische Regierung genehmigte aber eine Laufzeitverlängerung von zehn Jahren, sodass der Meiler im Dezember wieder ans Netz ging.

Auch die anderen Blöcke des Atomkraftwerks Doel sind störanfällig. 2015 stellte die Nuklearaufsicht FANC fest, dass es noch mehr Risse im Reaktordruckbehälter 3 gibt, als ursprünglich angenommen. Mehr als 13.000 Haarrisse wurden dort festgestellt. Dieser Reaktor ist weiterhin am Netz. Auch im belgischen Akw Tihange gibt es mehrere Tausend Haarrisse im Reaktor 2. 

Bundesregierung greift nicht aktiv ein 

Die deutsche Bundesregierung hinterfragt zwar die Betriebserlaubnis für die 40-jahre alten Kernreaktoren, die Intervention hat sich bisher aber auf einen Fragenkatalog beschränkt. Das Bundesministerium für Umwelt und Reaktorsicherheit hatte im Januar eine Liste mit 15 Fragen an die FANC geschickt. Die Antworten liegen vor, man warte aber auf die Auswertung, sagte eine Ministeriumssprecherin auf Anfrage unserer Redaktion. 

Wegen technischer Mängel schon einmal vom Netz

Die Städteregion Aachen hat mittlerweile gegen das Betreiben des Reaktor 2 in Tihange geklagt. Tihange 2 und Doel 3 mussten 2012 und 2013 bereits wegen Haarrissen im Druckbehälter abgeschaltet werden. 2014 gestattete die FANC, die Reaktoren wieder in Betrieb zu nehmen. So kam es kurz vor Weihnachten 2015 direkt nach dem Wiederhochfahren zu einer sagenhaften Pannenserie: 

Erst kam es in Tihange 1 zu einer automatischen Schnellabschaltung wegen eines Brands, dann musste Doel 3 vom Netz, weil eine Heißwasserleitung leckte. Das Hochfahren des Reaktors wurde verschoben, weil ein Schalter klemmte. Tihange 1 ging unterdessen wieder ans Netz, musste aber keine acht Wochen später erneut heruntergefahren werden, weil es Probleme mit einer Pumpe gab. 

Im Februar berichtete der WDR außerdem darüber, dass in den beiden maroden Reaktoren Doel 3 und Tihange 2 das Kühlwasser vorgeheizt werden muss, weil man fürchtet, das kalte Wasser könne im Störfall die Reaktorbehälter beschädigen. 

(heif)
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