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Ohne jede Reue
Doris Payne - "Golden Girl" der Juwelendiebe schlägt wieder zu

Doris Payne: "Golden Girl" der Juwelendiebe schlägt wieder zu
Diese 85-Jährige ist weltbekannt für ihre Juwelendiebe. FOTO: dpa, esl bjw
Atlanta. Teure Ringe oder Armreifen sucht man an den Fingern und Handgelenken von Doris Payne vergeblich. Kein Pelz, keine auffälligen Mode-Accessoires, nur ein paar Ohrringe und schlichte, aber stilvolle Kleidung. Auf den ersten Blick sticht kaum etwas an der schlanken, groß gewachsenen 85-Jährigen heraus - und genau das scheint ihr Trick zu sein. Nun schlug die weltweit berüchtigte Frau - das "Golden Girl" der Juwelendiebe - wieder zu.

20 Pseudonyme, fünf Sozialversicherungsnummern und neun Geburtsdaten soll die Afroamerikanerin bei ihren Aktionen in Juweliergeschäften rund um den Globus genutzt haben. Los Angeles, Miami, New York, London, Paris, Monaco, Tokio: Von Diebstahl zu Diebstahl hangelte Payne sich mit spitzen Fingern durch, oftmals unbemerkt. Eine ihrer letzten Beuten soll laut Polizei in South Carolina einen Wert von 33 000 Dollar (27 100 Euro) betragen, in Monte Carlo ließ sie Medienberichten zufolge einen Diamanten von 10,5 Karat mitgehen. Nun wurde sie in einem Luxuskaufhaus in Atlanta geschnappt.

Liebenswürdig, fast unschuldig wirkt die aus armen Verhältnissen in West Virginia stammende Tochter eines Bergarbeiters und einer Schneiderin, wenn man sie in Interview-Mitschnitten und TV-Beiträgen beobachtet. Doch hinter der Fassade einer freundlichen, stilsicheren Dame versteckt sich ein ausgebuffter Langfinger. Geschätzte Summe ihrer Diebstähle über die vergangenen sechs Jahrzehnte: zwei Millionen Dollar. "Sie ist ein Profi", sagt ein Nachrichtensprecher des Senders CBS in Atlanta.

Bei ihren notorischen Einsätzen geht Payne offenbar immer gleich vor. Selbstbewusst und gut gekleidet betritt sie Luxus-Schmuckgeschäfte - je edler, desto besser. Dann beginnt sie den "Einkauf" und lässt sich verschiedene Dinge vom Verkäufer zeigen. Diese könne sie mit ihrer charmanten Art dazu bringen, "zu vergessen", verriet sie dem "Orange County Register" im April. Mit blitzschnellen Fingern steckt sie die Ware ein. Sie verlässt das Geschäft, setzt sich in ein Taxi und verschwindet über alle Berge mit sündhaft teurer Beute.

Ob ihr die Taten leidtun? "Die Rolle werde ich nicht spielen", sagte Payne 2012 während einem ihrer mehrfachen Gefängnisaufenthalte. Auch diesmal will sie sich nicht direkt zum Vorwurf äußern, Ohrringe des Designers Christian Dior im Wert von 690 Dollar (etwa 625 Euro) gestohlen zu haben. Im braunen Mantel gehüllt geht sie unter dem Regenschirm ihres Anwalts durch den nächtlichen Regen, über ihren Kopf hat sie ein graues Tuch geknotet. Auf die Frage eines CBS-Reporters sagt ihr bärtiger Anwalt mit Rastalocken nur, dass ihre Berühmtheit die Sicht der Staatsanwaltschaft häufig beeinflusst habe.

Der Ruf eilt der alten Dame so weit voraus, dass ihr illegales Lebenswerk 2013 sogar in einem Dokumentarfilm verewigt wurde. "Es hat nie einen Tag gegeben, an dem ich stehlen wollte und nicht bekam, was ich wollte", verrät sie in "The Life and Crimes of Doris Payne" (Das Leben und die Verbrechen von Doris Payne). Selbst ihre Freundin muss eingestehen: "Wenn sie etwas sieht, das sie haben will, wird sie es bekommen. Und ich, Du oder Jesus werden sie nicht davon abhalten."

Bald zwei Meter sollen ihre Akten bei der Bundespolizei FBI mittlerweile füllen. Und auch mit 85 Jahren ist von Reue keine Spur, wie sie im Dokumentarfilm deutlich macht. Mehrfach hat sie Taten zwar zugegeben, was auch Regisseur Matthew Pond verblüffte. Doch vor allem ein Satz von ihr bleibt hängen: "Ich bereue nichts daran, Schmuck zu stehlen. Ich bereue es, geschnappt worden zu sein."

(dpa)
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