Israel: Drei Tote bei Angriff auf Homosexuellen-Zentrum
zuletzt aktualisiert: 02.08.2009 - 08:26Tel Aviv (RPO). Bei einem Angriff auf ein Homosexuellen-Zentrum in Tel Aviv sind am Samstagabend drei Menschen getötet und mindestens zehn weitere verletzt worden. Wie die israelischen Rettungsdienste mitteilten, starben ein junger Mann und eine junge Frau sofort, ein drittes Opfer erlag im Krankenhaus seinen Verletzungen. Der maskierte, ganz in schwarz gekleidete Täter konnte unerkannt fliehen.
Der Täter feuerte mit einer Schnellfeuerwaffe in eine vor dem Treffpunkt stehende Menschengruppe. Einer der Verletzten schwebte in der Nacht zum Sonntag in Lebensgefahr. Nach Angaben von Augenzeugen versuchte der Angreifer, auch noch eine nahegelegene Schwulenbar anzugreifen. Wachposten verwehrten ihm jedoch den Zutritt. Das Motiv des Täters sei noch unklar, sagte der Polizeichef von Tel Aviv, Schahar Ajalon. Es habe keine Drohungen gegen das Homosexuellen-Zentrum gegeben. Er rief zu erhöhter Wachsamkeit auf. Der Minister für Innere Sicherheit, Jizchak Aharonowitsch, vermutetete Homosexuellenfeindlichkeit hinter dem Angriff. Die Polizei werde alles tun, um den Täter festzunehmen, sagte er im Militärrundfunk.
Mitglieder der Homosexuellen-Vereinigung, die den Treffpunkt unterhält, gingen von einem gezielten Angriff auf ihre Gemeinschaft aus. "Angesichts der Anstiftung zum Hass gegen die homosexuelle Gemeinschaft ist es nicht überraschend, dass so ein Verbrechen begangen werden kann", sagte der Präsident von Tel Avivs Homosexuellen-Vereinigung, Mai Pelem, unter Verweis auf feindliche Äußerungen in religiösen Kreisen. In der Vergangenheit sei der Eingang des Zentrums mit Hakenkreuzen beschmiert worden. Der Treffpunkt liegt an der Ecke Nachmani- und Ahad-Haam-Straße im Zentrum von Tel Aviv. Im Gegensatz zu Jerusalem ist die Stadt am Mittelmeer für ihre gesellschaftliche Offenheit bekannt.
Sollte der Täter tatsächlich aus Homosexuellen-Feindlichkeit gehandelt haben, wäre es der schwerste Angriff auf die Schwulen- und Lesbengemeinschaft in Israel. 2005 hatte ein ultraorthodoxer Jude drei Teilnehmer einer Homosexuellenparade erstochen. Er wurde zu zwölf Jahren Haft verurteilt.
Tausende Menschen bei Trauermarsch
Der Abgeordnete Nitzan Horowitz, der sich offen zu seiner Homosexualität bekennt, sprach von einem Hassverbrechen und dem bislang schwersten Anschlag auf die Schwulenszene in Israel. Er verurteilte die Tat als Angriff auf unschuldige Jugendliche. "Wir stehen alle unter Schock", sagte er.
Tel Aviv ist für seine liberale Haltung gegenüber Homosexuellen bekannt. Bürgermeister Ron Huldai versicherte, die Stadt werde pluralistisch bleiben. Im konservativeren Jerusalem kommt es öfter zu Auseinandersetzungen zwischen Schwulenaktivisten und Ultraorthodoxen.
Die ultraorthodoxe Schas-Partei verurteilte die Bluttat von Tel Aviv. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu versicherte, der Täter werde zur Rechenschaft gezogen. Auch Oppositionsführerin Zipi Livni zeigte sich schockiert und rief zu einem Abbau gesellschaftlicher Vorurteile auf.
Mit dem Ruf nach Toleranz und im Gedenken an die Opfer kamen noch in der Nacht zum Sonntag tausende Menschen in Tel Aviv zu einem spontanen Trauermarsch zusammen.
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