| 18.04 Uhr

Kleinkind unter Opfern
Bluttat im Wohnwagen: Mehrfachmord gibt Rätsel auf

Drei Tote bei Schießerei in Frankreich - Kleinkind unter den Opfern
Die Polizei sperrte die Straßen ab und sicherte den Tatort. FOTO: afp, AG/mm
Amiens. Ein Mehrfachmord in einer Wohnwagensiedlung schockiert Frankreich: Bei der Schießerei sterben vier Menschen, darunter ein Gendarm. Das Motiv gibt Rätsel auf - doch der Angreifer war betrunken.

Einen Tag nach einer Bluttat mit vier Toten in einer nordfranzösischen Wohnwagensiedlung haben Ermittler und Anwohner über das Motiv des Schützen gerätselt. Ein 73-Jähriger hatte am Dienstag im Ort Roye südöstlich von Amiens ein Kleinkind, dessen 19-jährige Mutter sowie den Großvater erschossen und ein weiteres Kind schwer verletzt. Beim anschließenden Schusswechsel mit der Gendarmerie traf er zwei Polizisten, einer von ihnen erlag seinen Verletzungen. Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve verurteilte das Verbrechen als inakzeptabel und abstoßend.

Der Mann selbst macht von seinem Schweigerecht Gebrauch, wie Staatsanwalt Bernard Farret am Mittwoch sagte. Er habe 2,28 Gramm Alkohol pro Liter im Blut gehabt. Vor einem Jahr musste die Polizei einmal bei einem Streit zwischen dem 73-Jährigen und der Familie einschreiten, die er nun angriff - ein Verfahren wurde damals aber nicht eröffnet. Es sehe so aus, als ob es sich um eine gewöhnliche Gewalttat handele, sagte Cazeneuve dem Sender France Inter.

Die Tat spielte sich in einem Lager sogenannter "Fahrender" ab - unter diesen Begriff fallen im französischen Recht beispielsweise Roma-Familien, wenn sie in Wohnwagen leben, aber auch Angehörige anderer Volksgruppen. Der Mann lebte dort ebenfalls in einem Caravan, auch wenn er nach Angaben Farrets nicht selbst im engeren Sinne zu der Gemeinschaft gehörte.

Er habe sich dem Wohnwagen der Familie genähert und dort das Feuer mit einem Jagdgewehr eröffnet. Insgesamt gab er rund 30 Schüsse ab. Als die Gendarmerie eintraf, schoss der Angreifer auch auf die Beamten. Die Gendarmen erwiderten das Feuer und setzten den Mann außer Gefecht. "Das ist meine ganze Familie, die er da getötet hat", klagte eine Angehörige dem Sender France Bleu Picardie. "Wir kennen ihn, wir kennen ihn sogar sehr gut. Wir wissen nicht, warum er das getan hat. Ein Anfall geistiger Umnachtung, der Alkohol?"

Cazeneuve hatte sich noch am Dienstag ins Krankenhaus von Amiens begeben, wo die Verletzten behandelt wurden. "Das ist eine echte Tragödie für diese Familie", sagte er dort. "Ich habe eine gebrochene Familie gesehen, zusammengesackt und unter Schock." Das dreijährige Kind ist nach wie vor im Krankenhaus, der zweite Gendarm konnte es bereits verlassen. Der angeschossene Angreifer wurde am Mittwochmorgen in Polizeigewahrsam genommen.

Nach der Tat hatten Medien von einer angespannten Stimmung vor Ort berichtet, zahlreiche Polizisten waren im Einsatz. In der Nacht beruhigte sich die Lage nach Angaben der Regionalzeitung "Courrier picard" aber.

(dpa)
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