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Drei Tote in Brasilien
Militär besetzt größte Favela in Rio

Ausnahmezustand in der größten Favela in Rio
Ausnahmezustand in der größten Favela in Rio FOTO: dpa, zeus flm
Rio de Janeiro. Schwer bewaffnete Soldaten mitten in Rio de Janeiro, die größte Favela im Ausnahmezustand. Rund ein Jahr nach den Olympischen Spielen gerät die Sicherheitslage in der Metropole zunehmend außer Kontrolle.

In der größten Favela von Rio de Janeiro ist die Gewalt zwischen Drogenbanden und den Sicherheitskräften eskaliert. Die Behörden schickten 950 Soldaten in das Armenviertel Rocinha mit geschätzt mehr als 70.000 Einwohnern, nachdem der Gouverneur des Bundesstaates Rio de Janeiro, Luiz Fernando Pezao, rasche Unterstützung angefordert hatte.

Auch in anderen Favelas kam es zu Schießereien. Nach Angaben des Portals "O Globo" wurden am Wochenende dabei mindestens drei Menschen getötet, es kam zu neun Festnahmen, zudem wurden Gewehre und Munition sichergestellt.

"Hier sind alle in Angst"

Es kam zu Kriegsartigen Szenen. "Hier sind alle in Angst", berichtete ein Bewohner. Immer wieder waren Gewehrsalven zu hören, verängstigte Menschen suchten Schutz. Brasiliens Verteidigungsminister Raul Jungmann sagte, auch zehn Panzerwagen seien in Rocinha im Einsatz, schwer bewaffnete Soldaten patrouillierten auf den Straßen. Es kam zu Razzien, um Schusswaffen sicherzustellen. Wie der für die Operation zuständige General Mauro Sinot mitteilte, werde das Militär bis auf unbestimmte Zeit dort bleiben, um die Ordnung wiederherzustellen.

Ein großes Polizeiaufgebot schützte auch eine nahe gelegene Metrostation, damit tausende Musikfans zu "Rock in Rio" fahren konnten. Das Festival findet im Stadtteil Barra im früheren Olympiapark statt, die Metrolinie dorthin hält auch in Rocinha.

Auch in Favelas im Norden der Stadt kam es zu Feuergefechten. Nachdem viele Armenviertel in den vergangenen Jahren erfolgreich mit den sogenannten UPP-Polizeieinheiten (Unidade de Polícia Pacificadora) befriedet werden konnten, gerät die Lage zunehmend außer Kontrolle.

Seit Olympischen Spielen drastisch verschlechtert

Seit den Olympischen Spielen vor einem Jahr hat sich die Lage dramatisch verschlechtert. Bereits im Juli waren tausende Soldaten entsandt worden, um in der 6,5-Millionen-Metropole die Machtzunahme von Drogenbanden zu bekämpfen. Im ersten Halbjahr wurden im Bundesstaat Rio de Janeiro schon 2723 Menschen getötet - 10,2 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Tourismuszahlen sind eingebrochen, die Auslastung der Hotels lag der Tourismusbehörde zufolge zuletzt bei unter 50 Prozent. Sorgen bereitet auch die Alltagskriminalität.

Rio de Janeiro kämpft mit Finanzproblemen, was zu Sparmaßnahmen auch bei der Polizei und zur Reduzierung von Unterstützungsmaßnahmen in den Armenvierteln (Favelas) führte. Viele der Favelas sind rechtsfreie Räume - kriminelle Banden steuern von hier den Drogen- und Waffenhandel und finanzieren sich darüber. Den größten Einfluss hat das "Comando Vermelho", das "Rote Kommando".

(veke/dpa)
 
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