Der Wirbelsturm "Nargis" hat in Birma viele Überlebende traumatisiert zurückgelassen. Doch angesichts der enormen Probleme bei der Versorgung der Hilfsbedürftigen mit Grundnahrungsmitteln, Wasser und Medikamenten, bleiben die vielen psychischen Wunden zunächst weitgehend unbehandelt.
Internationale Hilfsorganisationen sprachen dagegen von schrecklichen Zuständen im Irrawaddy-Delta, der von "Nargis" vor 20 Tagen verwüsteten Reiskammer Birmas.
"In mehr als 30 Jahren humanitärer Hilfe ist das bei weitem - bei weitem - der größte Fall von Bedürftigkeit, den wir bisher erlebt haben", sagte der Präsident der amerikanischen Organisation Refugees International, Lionel Rosenblatt.
Auf die Frage, ob die Vereinbarung mit der Junta ein Durchbruch sei, antwortete Ban nach dem Treffen: "Das denke ich."
Der Wirbelsturm "Nargis" hat nach offiziellen Angaben am 2. und 3. Mai 78.000 Menschen in den Tod gerissen. 56.000 werden vermisst. Nach Angaben des Roten Kreuzes treiben auch 20 Tage nach der Katastrophe noch Leichen in Flüssen und Seen im Irrawaddy-Delta.
Sue Wardell vom britischen Entwicklungsministerium berichtet von Menschen, die durch den Verlust ihrer Familie völlig die Orientierung verloren haben. Während einer Fahrt durch das stark betroffene Irawadi-Delta habe sie eine Frau getroffen, die 25 Familienmitglieder durch den Zyklon verlor. "Sie war emotional vollständig abwesend. Sie konnte kaum sprechen."
In einer zum Flüchtlingslager umfunktionierten Schule fand Wardell eine ganze Gruppe von Menschen, die keinen Laut von sich gaben.
Nach dem Verlust von Angehörigen oder ihrem Heim, leiden viele Katastrophenopfer unter so genannten posttraumatischen Stresssyndromen. Um ihren Alpträumen und Angstanfällen zu entfliehen, greifen nach Expertenangaben viele Menschen in einem nächsten Schritt zu Alkohol oder Drogen. Ihr Leiden ist vergleichbar mit dem von Soldaten, die aus dem Krieg heimkehren.
Deshalb zählt psychologische Unterstützung mittlerweile zu den festen Bestandtteilen von Katastrophenhilfe.
Doch derzeit konzentrieren sich auch die internationalen Hilfsorganisationen noch auf die grundlegenden Bedürfnisse der Wirbelstrum-Überlebenden. "Im Moment liegt der Schwerpunkt auf dem Überleben. Psychosoziale Programme sind komplizierter. Das braucht Zeit", sagt Julie Niebuhr von Ärzte ohne Grenzen
Ein Beispiel für psychologische Hilfe in Birma sind die 37 Kinderzentren der Hilfsorganisation World Vision. Dort werden Kinder mit Liedern und Spielen beschäftigt, damit ihre Eltern Zeit haben, mit dem aus den Fugen geratenen Leben fertig zu werden.
Die Militärregierung in Birma gibt nach Worten von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon ihre Blockadehaltung auf und erlaubt ausländischen Helfern drei Wochen nach der Katastrophe die Einreise, um den Überlebenden der Sturmkatastrophe zur Hilfe zu kommen.