Erdbeben in Haiti: Düsseldorfer Mediziner helfen
zuletzt aktualisiert: 18.01.2010 - 21:20Düsseldorf (RP). Britta Merten friert. Kalter Wind bläst über das Rollfeld des Düsseldorfer Flughafens. Doch nicht nur die Kälte lässt die 32-Jährige immer wieder nervös in Richtung des Airbusses schauen, der sie in die Dominikanische Republik bringen soll. Auch die Ungeduld.
Sie will endlich los, sagt die junge Chirurgin. Sie muss. "Sonst fängt man an, sich zuviele Gedanken darüber zu machen, was einen erwartet." Britta Merten hat sich als Helferin für Haiti gemeldet. Mit zwei Dutzend Ärzten, Sanitätern und Koordinatoren der Hilfsorganisationen "Ein Herz für Kinder", "Humedica", "Kindernothilfe" und "World Vision" war die Mönchengladbacherin gestern Nachmittag nach Puerta Plata geflogen.
Von dort aus wurde die Gruppe, zu der auch RP-Politikredakteur Helmut Michelis gehört, ins mindestens sechs Autostunden entfernte Port-au-Prince gebracht. Im Gepäck: die ersten 30 von insgesamt 100 Tonnen Hilfsgütern, die in dieser Woche von Düsseldorf aus ins Krisengebiet gebracht werden sollen – u.a. 600 Kilo Hochprotein- und Babynahrung, 90 Wasseraufbereitungsfilter, 30.000 Flaschen Infusionslösung, Schmerzmittel, OP-Bestecke, Sägen für Amputationen, Nägel und Schrauben für die notdürftige Behandlung von Knochenbrüchen, wie "Humedica"-Geschäftsführer Wolfgang Groß erklärt.
100 Tonnen medizinisches Gerät
"Wir haben seit Freitag Mitarbeiter auf Haiti, sie geben uns genau durch, was benötigt wird." Die Ärzte und Sanitäter, die nun auf die Insel folgen, werden in einem der wenigen noch funktionsfähigen Krankenhäusern eingesetzt. Dass sie möglicherweise in diesem Krankenhaus arbeiten wird, ist alles, was Britta Merten vorab über ihren Einsatz in Haiti weiß. "Vielleicht gibt es Schichten, vielleicht legen wir uns aber auch nur zum Schlafen hin", sagt sie.
Bisher war sie einmal mit "Humedica" im Ausland, hat in Äthiopien mit Straßenkindern gearbeitet. "Armut, die wenigstens noch eine Art Struktur hatte", sagt sie über diesen Einsatz. In keiner Weise vergleichbar mit dem, was sie in den nächsten Tagen erwartet: Leichen, auf die kein noch so harter Krankenhausdienst vorbereitet und einen Ausnahmezustand, den selbst amerikanisches Militär nur bedingt kontrollieren kann.
"Natürlich hat man Angst", meint die junge Ärztin. Seit Freitag weiß sie, dass sie tatsächlich fliegen wird. Jede Menge Zeit, sich Gedanken zu machen. "Aber seit ich heute morgen zum Flughafen kam und meine Kollegen gesehen habe, sage ich mir: Zwei Wochen halte ich durch. Ich schaff' das!"
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