Spuren seien nicht richtig verfolgt worden: Dutroux-Prozess: Vater klagt Richter und Verteidiger an
zuletzt aktualisiert: 06.06.2004 - 12:39Berlin (rpo). Im Prozess gegen den mutmaßlichen Kinderschänder Marc Dutroux hat jetzt der Vater der getöteten Julie das Wort ergriffen - und per Interview Verteidiger und Richter scharf kritisiert.
Der Untersuchungsrichter Jacques Langlois habe viele Fragen nicht richtig gehandhabt und zu viele Spuren nicht richtig verfolgt, sagte Jean-Denis Lejeune der "Welt am Sonntag". Der Vorsitzende Richter Stéphane Goux sei außerdem nicht weit genug gegangen: "Er hat Angeklagte und Zeugen nicht ausreichend miteinander konfrontiert."
Während der 14 Prozesswochen hat laut "Welt am Sonntag" nicht das Ehepaar Dutroux Vater Lejeune wütend gemacht, sondern die Verteidiger. Er bezeichnete die Rechtsanwälte Xavier Attout und Olivier Sluzny als "unanständig", weil sie keinen Respekt vor den Opfern und dem Schmerz von Vätern, Müttern und Geschwistern gezeigt hätten. Nur Dutroux' Starverteidiger Xavier Magnée habe sich anständig benommen. Als "schmerzhaftesten Moment des Prozesses" empfand Jean-Denis Lejeune nach Angaben der Zeitung den Ortstermin im Keller von Marc Dutroux' Haus, wo seine Tochter Julie vor ihrem Tod eingesperrt und gequält worden sei.
Der Prozess vor dem Schwurgericht in der südbelgischen Stadt Arlon war in der vergangenen Woche mit den Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung in die letzte Phase eingetreten. In der beginnenden Woche haben die Prozessbeteiligten einschließlich der Angeklagten Gelegenheit, zu den Plädoyers Stellung zu nehmen. Anschließend treten die Geschworenen zu ihren Beratungen zusammen.
Ungeklärt geblieben ist nach dem Plädoyer Magnées vor allem, ob hinter den Taten von Dutroux ein Pädophilen-Netzwerk stand oder nicht. Der Staranwalt hatte den Ermittlern ähnlich wie jetzt Lejeune in diesem Zusammenhang schwere Versäumnisse vorgeworfen. Wann das Urteil gesprochen wird, stand am Sonntag noch nicht fest. Dutroux, seiner Exfrau Michelle Martin, seinem Komplizen Michel Lelièvre und dem Geschäftsmann Michel Nihoul werden Entführung, Vergewaltigung, Kindesmissbrauch und Mord an vier Mädchen zur Last gelegt.
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