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Zeugin war drei Monate in der Gewalt ihres mutmaßlichen Entführers: Dutroux-Prozess: "Warum hat er mich nicht umgebracht?"

zuletzt aktualisiert: 19.04.2004 - 17:35

Arlon (rpo). Im Prozess gegen den mutmaßlichen belgischen Mädchenmörder Marc Dutroux hat am Montag die Anhörung der beiden überlebenden Opfer begonnen. Als erste Zeugin hat die 20-jährige Sabine Dardenne vor dem Schwurgericht ausgesagt, die offenbar von Dutroux entführt und vergewaltigt wurde.

Acht Jahre nach der qualvollen Gefangenschaft im Haus des mutmaßlichen belgischen Mädchenmörders Marc Dutroux hat die heute 20 Jahre alte Sabine Dardenne gegen ihren Peiniger ausgesagt. In der einstündigen Vernehmung vor dem Schwurgericht in Arlon schilderte Dardenne am Montag, wie sie von Dutroux entführt, vergewaltigt und rund 80 Tage in einem Kellerverlies eingesperrt wurde. Danach wandte sich Dardenne an Dutroux und verlangte Klarheit darüber, warum sie nicht wie vier andere Mädchen umgebracht wurde.

"Er hat immer gesagt, ich habe einen Charakter wie ein Schwein. Warum hat er mich dann nicht umgebracht?" fragte Dardenne, ihren Blick auf Dutroux gerichtet. Ihr Anwalt Jean-Philippe Rivière sagte: "Das ist eine Frage, die sie sich all die Jahre gestellt hat ... Während ihrer Gefangenschaft stand sie ständig unter Todesangst." Der 47-jährige Dutroux antwortete: "Es kam für mich nie in Frage, sie umzubringen." Er gab aber zu, Dardenne vergewaltigt zu haben. "Dafür trage ich die volle Verantwortung, Punkt."

Dutroux' Anwalt Xavier Magnée verzichtete auf Fragen an Dardenne, erklärte aber: "Wir haben den größten Respekt für Sie und auch, obwohl viel zu spät, das größte Mitleid." Auch Dutroux' mitangeklagte Exfrau Michelle Martin, mit der der Hauptangeklagte zwei Kinder hat, wandte sich an Dardenne: "Ich bedaure das unendlich." Dardenne entgegnete: "Sie als Mutter einer Familie wussten, wo ich war. Ich kann ihre Entschuldigung nicht annehmen."

Entführung und Vergewaltigung von sechs Mädchen

Dutroux muss sich wegen Entführung und Vergewaltigung von sechs Mädchen verantworten, von denen vier qualvoll starben. Sabine Dardenne war am 28. Mai 1996 im Alter von zwölf Jahren von Dutroux auf dem Weg zur Schule in Kain verschleppt worden. Nach der Festnahme Dutroux' wurde sie am 15. August 1996 aus dem Kellerverlies zusammen mit der ebenfalls entführten, damals 14-jährigen Laetitia Delhez befreit. Delhez sagt am (morgigen) Dienstag aus. Dutroux hat zugegeben, beide Mädchen entführt und vergewaltigt zu haben. Die übrigen Anklagepunkte, darunter auch Mord, bestreitet er.

Dardenne schilderte in der Befragung des Vorsitzenden Richters Stéphane Goux, wie sie von Dutroux in ein weißes Wohnmobil gezerrt, betäubt und in das Haus in Marcinelle bei Charleroi gebracht wurde. "Ich dachte, ich würde sterben." Zunächst sei sie in einem Zimmer für mehrere Tage, angeleint und mit einer Kette um den Hals, festgehalten worden. Dutroux habe ihr von einem "bösen Chef" erzählt, der sie töten wolle. Er selbst stellte sich als ihr Beschützer dar.

Schließlich habe Dutroux sie in ein präpariertes Kellerverlies gebracht, um sie "besser zu beschützen. Ich dachte, er sei mein Freund." Dutroux habe ihr erzählt, dass der "böse Chef" mehrere Millionen belgische Francs Lösegeld verlange, ihre Eltern das aber nicht zahlen wollten.

Schwächeanfall der Eltern

In einem selbst angefertigten Kalender versah das Mädchen die Daten der Vergewaltigungen mit einem Sternchen. Vor Gericht sagte Dardenne aus, sie habe mit Dutroux davor Softpornos im Fernsehen anschauen müssen. Nachdem sie ihren Peiniger befriedigt hatte, durfte Sabine Fernsehsendungen nach eigener Wahl schauen. "Aber er hat immer darauf geachtet, dass ich keine Nachrichten sehe." Auf Dutroux' Anregung hin begann sie, Briefe an ihre Eltern zu schreiben. Dutroux aber schickte die Briefe nicht ab, sondern las sie selbst, um das Seelenleben seines Opfers besser zu kennen.

Nach Dardennes Aussagen erlitten zwei Elternteile der Opfer einen Schwächeanfall und mussten in ein Krankenhaus gebracht werden. Am Nachmittag hatte sich ihr Zustand nach Angaben ihrer Anwalt wieder stabilisiert.


 
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