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Verteidigung des Hauptangeklagten zweifelt Beweise an: Dutroux will drei Stunden reden

zuletzt aktualisiert: 09.06.2004 - 19:06

Arlon (rpo). Drei Monate nach Beginn des Prozesses gegen den mutmaßlichen belgischen Mädchenmörder Marc Dutroux hält der Hauptangeklagte am Donnerstag sein Schlusswort. Opfer und Prozessbeteiligte will der Kinderschänder offenbar auf eine harte Probe stellen - und drei Stunden sprechen.

Dutroux wird als erster der vier Angeklagten vor dem Schwurgericht in Arlon sprechen, wie der Vorsitzende Richter Stéphane Goux nach Abschluss der Plädoyers am Mittwoch mitteilte.

Dutroux' Verteidiger Ronny Boudewijn zweifelte in seinem Schlusswort die Beweislage gegen seinen Mandanten an. Weder die Mordvorwürfe gegen Dutroux seien bewiesen noch die Anklage wegen der Entführung von vier der insgesamt sechs verschleppten Mädchen. "Mein Mandant hat Ihre Tochter nicht umgebracht", sagte Boudewijn an den Vater der zu Tode gekommenen An, Paul Marchal, gewandt.

"Es gibt einen Mangel an Beweisen", stellte Boudewijn fest. In seinem anderthalbstündigen Schlusswort zog der Anwalt besonders die mitunter widersprüchlichen Aussagen von Dutroux' mitangeklagter Exfrau Michelle Martin in Zweifel. Vor Gericht hat Martin ausgesagt, Dutroux habe am 24. Juni 1995 die damals achtjährigen Julie und Melissa und in der Nacht vom 22. auf den 23. August die damals 17 Jahre alte An und deren 19-jährige Freundin Eefje entführt.

Zudem ist Dutroux nach Martins Aussage verantwortlich für den Tod von An und Eefje sowie seinem damaligen Komplizen Bernard Weinstein. Dutroux weist dies zurück. "Marc Dutroux hat zwei Dinge immer bestritten: die Entführung von Julie und Melissa und die Ermordung von An und Eefje", sagte Boudewijn.

Nach der Festnahme Dutroux' am 13. August 1996 wurden die Leichen der vier toten Mädchen auf Grundstücken des Hauptangeklagten ausgegraben. Julie und Melissa kamen offenbar zu Tode, während Dutroux eine dreimonatige Haftstrafe absaß. Martins Anwälte wiesen die Aussagen zurück und stellten ihre Mandantin erneut als Opfer Dutroux' dar.

Dutroux hat nach Gerichtsangaben angekündigt, er wolle sich drei Stunden lang am Stück zu seinem Fall äußern. Die Jury wird sich voraussichtlich am kommenden Montag zurückziehen, um über Schuld oder Unschuld der Angeklagten zu entscheiden. Dazu müssen die zwölf Frauen und Männer rund 260 Anklagepunkte einzeln beraten. Ein Urteil in dem seit 1. März laufenden Prozess wird Mitte oder Ende nächster Woche erwartet. Dutroux droht eine lebenslange Freiheitsstrafe.

Er muss sich wegen Entführung, Freiheitsberaubung und Vergewaltigung von sechs Mädchen verantworten, von denen vier zu Tode kamen. Angeklagt ist er auch des dreifachen Mordes. Zugegeben hat er, seine überlebenden Opfer Sabine und Laetitia entführt und sexuell misshandelt zu haben. Martin und Komplize Michel Lelièvre müssen sich wegen der Entführungen verantworten. Der zweifelhafte Brüsseler Geschäftsmann Michel Nihoul ist der Beteiligung an einer Entführung angeklagt. Zudem gilt er als möglicher Mittelsmann zwischen der Dutroux-Bande und einem Pädophilen-Netzwerk.

Die Staatsanwaltschaft hat gefordert, alle vier Angeklagten schuldig zu sprechen. Den Antrag von Dutroux' Hauptverteidiger Xavier Magnée, die Beweisaufnahme wegen noch offener Fragen vor allem über die Rolle der Polizei in dem Fall fortzusetzen, lehnte das Gericht ab.


 
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