Flugzeugunglück in Sibirien: Ein deutscher Passagier wahrscheinlich tot
zuletzt aktualisiert: 10.07.2006 - 16:19Irkutsk/Berlin (rpo). Nach dem Flugzeugunglück in Sibirien sind die Hoffnungen auf das Überleben eines der deutschen Passagiere geschwunden. Ein Sprecher des Auswärtigen Amts sagte am Montag in Berlin, einer drei Reisenden aus Baden-Württemberg werde weiter vermisst.
Damit gehört der Deutsche zu noch vier Vermissten, von denen die russischen Behörden annehmen, dass sie von der Explosion des Flugzeugs zerfetzt wurden. Der Absturz der Maschine ist der schwerste von vier schweren Zwischenfällen, von denen russische Flugzeuge binnen 36 Stunden betroffen waren.
Jüngsten Angaben zufolge kamen bei dem Unglück mindestens 124 Menschen ums Leben, weniger als die zunächst angenommen 140 Menschen. Viele Überlebende hätten aber den Ort des Unglücks verlassen, ohne mit irgendeiner offiziellen Stelle Kontakt aufzunehmen, hieß es zur Begründung von Seiten der Behörden. 52 Menschen wurden mit Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert, darunter auch beiden anderen Passagiere aus Baden-Württemberg. Der Mann und die Frau befänden sich im Krankenhaus in Irkutsk, sagte der Sprecher des Auswärtigen Amts. Ihr Gesundheitszustand sei laut russischen Behörden stabil.
Insgesamt seien drei Deutsche an Bord der Maschine gewesen. Frühere Angaben, wonach sechs Deutsche in dem Flugzeug gesessen hatten, hätten sich nicht bestätigt. Drei weitere Passagiere seien Moldau-Deutsche, hätten deutsche Namen und seien von den russischen Behörden zunächst falsch zugeordnet worden. Allerdings ist weiter unklar, inwiefern die auf der Passagierliste aufgeführten Personen tatsächlich an Bord der Maschine waren. Bereits drei Opfer wurden geborgen, die nicht auf der Liste aufgeführt worden waren.
Auch die Unglücksursache war zunächst weiter unklar. Der Flugschreiber wurde am Montag für weitere Untersuchungen nach Moskau gesandt. Eine Kommission unter der Leitung von Verkehrsminister Igor Lewitin kam am Montag zusammen. Russische Medien nannten als mögliche Ursachen unterdessen sowohl einen technischen Defekt als auch einen Pilotenfehler. Der aus Moskau kommende Airbus A310 der Fluggesellschaft S7 war am Sonntag bei der Landung auf dem Flughafen Irkutsk über die Rollbahn hinausgeschossen und gegen eine Betonmauer und dann gegen einen Garagenkomplex geprallt. Zahlreiche Passagiere konnten sich mit Hilfe der Stewardessen noch durch die Notausgänge retten, bevor die Maschine explodierte.
Am Montag musste ein Flugzeug mit hochrangigen russischen Offizieren an Bord auf der Halbinsel Krim notlanden. Wie russische Nachrichtenagenturen berichteten, fing ein Triebwerk der Tupolew Tu-154 Feuer, als die Maschine aufsetzte. Ebenfalls am Montagvormittag musste ein Charter-Flieger auf dem Weg vom türkischen Badeort Antalia nach Moskau in Simerfopol notlanden. Wenig später musste eine Maschine auf dem Weg vom ostrussischen Wladiwostok nach Jekaterinenburg in Irkutsk notlanden. Damit gab es vier schwere Zwischenfälle mit russischen Flugzeugen innerhalb von nur 36 Stunden.
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