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Airbus Turbine dapd 2010
  Foto: dapd, dapd
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A380 muss notlanden: "Ein Knall wie von einer Schrotflinte"

zuletzt aktualisiert: 04.11.2010 - 16:15

Sydney (RPO). Nach der Notlandung eines A380 der australischen Airline Qantas in Singapur sind die Ursachen für die Triebwerkprobleme weiterhin unklar. Inzwischen melden sich immer mehr Passagiere zu Wort. Übereinstimmend berichten sie von einem Knall, Feuer und Rauch an einem der Triebwerke. Die sechs Airbus-Maschinen der Fluggesellschaft bleiben derzeit auf dem Boden. Dagegen setzen die Lufthansa und die drei übrigen Airlines, die den A380 benutzen, ihren Betrieb fort.

Ein lauter Knall, dann stürzten Teile eines Triebwerks in die Tiefe - so schildern die Passagiere den Zwischenfall an Bord des A380 der Qantas Airways. Eine Explosion habe den hinteren Teil des Triebwerksgehäuses abgerissen, berichtet der Passagier Tyler Wooster im australischen Fernsehen. "Ich habe nur diesen massiven Knall gehört, wie eine Schrotflinte, die abgefeuert wird".

Ein Teil des Triebwerksgehäuses habe sich abgeschält, darunter sei Hartschaum zum Vorschein gekommen, abgerissene Drähte hätten herausgeragt. Der Zwischenfall ereignete sich kurz nach dem Start des Riesen-Airbus in Singapur, wo die Maschine zuvor einen planmäßigen Zwischenstopp eingelegt hatte auf ihrem Weg von London nach Sydney. Nach Angaben der australischen Behörden wurde keiner der 459 Menschen an Bord verletzt.

Info

Pannen beim A380

Wegen technischer Probleme bei der Fertigung wurde die erste Maschine im Oktober 2007 erst mit 18 Monaten Verspätung an Singapore Airlines ausgeliefert. Im September 2009 musste ein A380 von Singapore Airlines wegen einer Motorpanne auf dem Weg nach Paris umkehren. Air France musste zwei Monate später eine Maschine wegen Problemen mit der Navigationselektronik ebenfalls zum Startflughafen in New York zurückleiten. Kurz vor Weihnachten blieb ein A380 dann in New York wegen einer Panne im Treibstoffsystem am Boden.

Der aktuelle Zwischenfall ist einer der schwersten, seit der A380 als weltgrößtes Passagierflugzeug vor drei Jahren seinen Liniendienst aufnahm. Bis zur Klärung des Vorfalls hat Qantas seiner Flotte von sechs Riesen-Airbus ein Startverbot erteilt. Die Fluggesellschaft will diesen Monat ihren 90. Geburtstag feiern.

"Dies war ein ernstzunehmendes Versagen eines Triebwerkes. Wir unterschätzen die Bedeutung dieser Angelegenheit nicht. Die A380-Flotte am Boden zu lassen, ist für uns keine Kleinigkeit", erklärte Qantas-Chef Alan Joyce Nach seinen Worten hätte die Maschine aber auch mit nur zwei Triebwerken fliegen können. Die australische Behörden leiteten eine Untersuchung ein.

Im Laufe des Tages meldeten sich immer mehr Passagiere in den Medien zu Wort. "Ich habe über der Tragfläche gesessen, wo das Triebwerk Nummer 2 ist", sagte der Passagier Ulf Waschbusch. Auch der frühere Flugingenieur Neil Shephard befand sich an Bord. "Vier oder fünf Minuten nach dem Abheben war ein lauter Knall zu hören. Der Pilot sagte, es gebe ein technisches Problem mit dem Flugzeug. Dann mussten wir eine Stunde lang am Himmel kreisen, bis der Treibstoff abgelassen war", berichtete er der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Notlandung sei ein wenig wackelig gewesen. "Das Ausmaß des Problems erkannten wir erst, als wir draußen waren und ein 15 bis 20 Zentimeter großes Loch auf der Tragfläche sahen. Der Pilot hat seinen Job gut gemacht, es hätte schlimmer ausgehen können".

Der Airbus kreiste vor der Notlandung über Singapur, um Treibstoff zu verbrennen. Die Maschine war fast eine Stunde in der Luft. Nach der Landung umringten Rettungswagen und Feuerwehrautos den A380, es waren jedoch keine Zeichen von Feuer oder Rauch zu sehen. Eine Stunde später durften die Passagiere das Flugzeug verlassen. Die Fluggäste sollten über Nacht in Singapur bleiben, erklärte Qantas. Ein anderes Flugzeug solle sie am Freitagmorgen abholen.

Nach dem Knall seien Erschütterungen in der Kabine zu spüren gewesen, sagte der Passagier Christopher Lee dem australischen Rundfunksender ABC. "Einige der Fluggäste alarmierten dann das Kabinenpersonal, dass es eine Explosion gegeben hatte und Rauch zu sehen war".

Weltweit sind derzeit 37 Maschinen des größten Passagierflugzeugs der Welt bei fünf Fluggesellschaften im Einsatz. Neben Qantas sind das Lufthansa, Singpore Airlines, Emirates und Air-France KLM. Lufthansa und Air France-KLM erklärten, das Flugzeug werde weiter normal genutzt. Emirates verwies darauf, dass ihre Maschinen mit einem anderen Triebwerk ausgerüstet seien als die von Qantas. Bei der Lufthansa hingegen kommen nach Firmenangaben dieselben Triebwerke zum Einsatz wie bei den A380-Fliegern von Qantas.

Die Australier benutzen Triebwerke von Rolls-Royce vom Typ Trent 900. Das betroffene Flugzeug wurde 2008 hergestellt. Qantas hatte schon einmal in diesem Jahr Probleme mit dem Riesen-Flugzeug: Zwei Reifen waren bei einer Landung in Sydney geborsten. Im September 2009 musste eine Maschine zudem ihre Reise abbrechen und nach Paris zurückkehren

Der A380 ist seit 2005 im Passagiergeschäft im Einsatz. Bislang hat es keinen tödlichen Zwischenfall mit ihm gegeben. Der Airbus-Mutterkonzern EADS wurde indes vor der Einführung von technischen Schwierigkeiten und massiven Verzögerungen geplagt. Qantas hatte schon einmal in diesem Jahr Pech mit dem Riesen-Flugzeug: zwei Reifen waren bei einer Landung in Sydney geborsten. Im September 2009 musste eine Maschine zudem ihre Reise abbrechen und nach Paris zurückkehren.

Die EADS-Aktien sanken in Paris mehr als drei Prozent auf 18,40 Euro.

Quelle: RTR/csi

 
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