| 12.02 Uhr
Umwelt-Katastrophe im Golf von Mexiko
Eine riesige Glocke soll das Öl schlucken
Eine riesige Saugglocke soll das Öl stoppen
Eine riesige Saugglocke soll das Öl stoppen FOTO: AFP
Düsseldorf (RPO). Pro Sekunde sprudeln rund acht Liter Öl ins Meer. Alle Versuche des Ölkonzerns BP, die drei Lecks in 1500 Metern Tiefe zu stopfen, sind fehlgeschlagen. Der Einsatz der ferngesteuerten U-Boote sei wie eine "Operation am offenen Herzen im Dunkeln", sagt US-BP-Chef Lamar McKay. Nun soll eine riesige Absaugglocke die Wende bringen. Neue Hoffnung weckt die Wettervorhersage.

Das Meer wird laut aktueller Prognosen in den nächsten Tagen nicht mehr so stürmisch sein. Der hohe Wellengang hatte viele Versuche der vergangenen Tage scheitern lassen. Bei ruhiger See hoffen die Helfer, nun wieder Öl auf offenem Meer abfackeln oder besser eindämmen zu können. Der Ölteppich hat mittlerweile eine Größe von 200 mal 110 Kilometern, hieß es.

Eine 65-Tonnen-Konstruktion

In der Nacht zum Dienstag kündigte BP an, neue Materialien zum Katastrophenort bringen zu wollen. Eine riesige Kuppel soll über eins der drei Bohrlöcher gestülpt werden und so den Öl-Austritt zumindest reduzieren. Sie ist aus Stahl und Beton gemacht, hat eine Höhe von zwölf Metern und wiegt 65 Tonnen. Seit Tagen haben Arbeiter von BP daran gehämmert, geschnitten und geschweißt. Auf den ersten Blick sieht die Glocke aus wie ein verunglückter Wehrturm aus eilig zusammen gekarrtem Altmetall.

Auf der Spitze befindet sich eine pyramidenartige Kuppel, an deren Spitze ein Rohrstutzen. In dem Hohlraum soll das Öl aufgefangen und schließlich abgepumpt werden. Bis es so weit ist, wird es noch Tage dauern. "Wir hoffen, dass das gesamte System innerhalb einer Woche funktioniert", sagte Suttles.

BP erhofft sich von der Aktion zumindest ein wenig Zeitaufschub. Alle anderen Ansätze haben sich als Fehlschlag erwiesen. BP wirkte zunehmend hilflos. Tauchroboter schafften es wegen der schlechten Sicht nicht, das 450 Tonnen schwere Notfallsystem "Blowout-Preventer" zu aktivieren. Auch die als Alternative gehandelten Entlastungsbohrungen haben gravierende Nachteile. Experten zufolge würde es zwei bis drei Monate dauern, bis das Leck mit Zement gestopft werden könnte.

Ein Abenteuer

Nun setzt BP auf die letzte verbleibende Option. Ein Schiffskran soll die aus Stahl und Beton gefertigte Saugglocke zum Unglücksort bringen und auf den Meeresboden herunterlassen. Weitere Kuppeln sollen folgen.

Für das Unternehmen kommt die Rettungsaktion einem Abenteuer gleich. Noch nie hat es einen derartigen versuch gegeben. Der Druck der Wassermassen in 1500 Meter Tiefe ist gewaltig. Ob das waghalsige Unternehmen gelingt, ist ungewiss. Suttles räumte ein, dass es eine "technische Herausforderung" sei, die gigantische Konstruktion abzusenken. Bis die Glocke richtig platziert werden kann, kann es Wochen dauern.

US-Senat droht mit Regress

Zuvor hatte das Unternehmen angekündigt, den Betroffenen im Golf von Mexiko Entschädigungen zu zahlen. Der Energieriese erkenne seine Verantwortung an und werde für die Reinigungsarbeiten aufkommen. Experten schätzen den Schaden auf bis zu 14 Milliarden Dollar, die Hälfte davon für die Reinigung verschmutzter Küsten und Meeresregionen. Hinzu kommen die Ausfälle in der Fischerei und im Tourismus. Kaum zu berechnen sind die drohenden Schäden in Flora und Fauna.

Weitere Kosten könnten von rechtlicher Seite drohen. Der US-Senat bereitet der Senat in Washington unterdessen ein neues Gesetz vor, das die Haftung von Konzernen für die wirtschaftlichen Folgeschäden von Ölverschmutzungen im Meer kräftig erhöhen soll.

BP-Aktien im Sinkflug

Die Furcht vor den immensen Kosten hat Investoren am Dienstag weiter ihre BP-Aktien verkaufen lassen. Die Titel fielen am ersten Handelstag der Woche in London um bis zu 5,3 Prozent auf 545 Pence. Bereits in den vergangenen beiden Wochen waren die Aktien um rund 13 Prozent abgerutscht.

Auf der Bohrinsel "Deepwater Horizon" war es am 20. April zu einer Explosion gekommen, bei der elf Arbeiter ums Leben kamen. Zwei Tage später sank die Plattform, seither strömen täglich rund hunderttausende Liter Öl in den Golf von Mexiko. Ungünstige Winde treiben den entstandenen riesigen Ölteppich auf die Küste zu, wo ein einzigartiges Ökosystem und die Fischerei bedroht sind.

Von der Ölpest vor der Küste der USA sind jetzt verstärkt die Strände Floridas bedroht. Der Wind habe sich mehr in nordöstliche Richtung gedreht, teilten Meteorologen am Montag mit.

Quelle: RTR/AFP
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