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Mexikanischer Drogenboss
Kritik an Sean Penn nach "El Chapo"-Verhaftung

Einsatzkräfte stürmen "El Chapos" Haus
Mexiko-Stadt. Vor zwei Tagen ist Drogenboss Joaquìn "El Chapo" Guzmán gefasst worden, nun haben die mexikanischen Behörden das Auslieferungsverfahren offiziell eingeleitet. Sean Penn, der während Guzmáns Flucht ein Interview mit ihm führte, erntet derweil Kritik.

Mitarbeiter von Interpol Mexiko stellten am Sonntag im Hochsicherheitsgefängnis El Altiplano zwei Haftbefehle mit dem Ziel der Auslieferung an die USA zu, wie die Generalstaatsanwaltschaft mitteilte. Damit hat der Prozess formell begonnen.

In den Vereinigten Staaten liegen mehrere Haftbefehle gegen "El Chapo" vor. Die US-Behörden werfen dem Chef des Sinaloa-Kartells unter anderem Mord, Drogenhandel, Bildung einer kriminellen Vereinigung und Geldwäsche vor. Die Antidrogenbehörde DEA hatte ein Kopfgeld von bis zu fünf Millionen US-Dollar (4,6 Millionen Euro) auf Guzmán ausgesetzt.

Bis Guzmán tatsächlich in den Händen der US-Justiz sei, könnte ein Jahr oder mehr vergehen, sagte der Leiter des Auslieferungsbüros Manuel Merino am Montag dem Sender Radio Fórmula. In einigen Fällen in der Vergangenheit seien wegen rechtlicher Hürden sogar bis zu sechs Jahre verstrichen. Guzmáns Verteidiger tun alles, um die von den USA beantragte Auslieferung auch in diesem Fall zu verzögern, und reichten bereits sechs Einsprüche ein. Bis Mittwoch haben sie Zeit, weitere Argumente gegen die Auslieferung vorzubringen, die sie dann binnen 20 Tagen mit Beweisen untermauern müssen. "Unser Land muss die nationale Souveränität respektieren, die Souveränität ihrer Institutionen der Rechtsprechung", sagte Guzmáns Verteidiger Juan Pablo Badillo.

Durch diesen Tunnel entkam "El Chapo" FOTO: ap

Sechs Monate nach seinem spektakulären Gefängnisausbruch war "El Chapo" am Freitag festgenommen worden. Marineinfanteristen hatten sich in der westmexikanischen Stadt Los Mochis eine heftige Schießerei mit seinen Leibwächtern geliefert und den mächtigsten Drogenhändler der Welt schließlich gefasst.

Guzmáns Verteidiger reichten bereits sechs Einsprüche gegen seine Überstellung ein. Bis Mittwoch haben sie Zeit, ihre Argumente gegen die Auslieferung vorzubringen. Ein Gericht trifft daraufhin eine Entscheidung und leitet den Vorgang an das mexikanische Außenministerium weiter. Wenn das Außenamt die Auslieferung einleitet, kann "El Chapo" noch einmal einstweiligen Rechtsschutz gegen die Überstellung beantragen. Lehnt ein Gericht den Antrag ab, ist der Weg für die Auslieferung frei.

Hollywoodstar Sean Penn gerät derweil verstärkt unter Druck nach seinem Geheimtreffen mit dem mächtigen Drogenboss. Der Chef des Sinaloa-Kartells hatte während seiner Flucht Penn ein Interview gegeben, das am Samstagabend (Ortszeit) vom Magazin "Rolling Stone" online veröffentlicht wurde.

Womöglich wurde seine Eitelkeit dem 58-jährigen Guzmán ("El Chapo" deutsch: der Kurze) zum Verhängnis. Generalstaatsanwältin Arely Gómez betonte nach der Festnahme, man sei ihm auf die Spur gekommen, nachdem er "Schauspielerinnen und Produzenten" kontaktiert hatte, um einen Film über sein Leben drehen zu lassen. "Ich habe einen glaubwürdigen Hinweis erhalten, dass die (US-Antidrogenbehörde) DEA von unserer Reise nach Mexiko wusste", schreibt auch Penn in dem Bericht.

Das Interview löste eine Kontroverse aus. Mehrere mexikanische Parlamentarier forderten die Regierung von Präsident Enrique Peña Nieto auf, von den USA die Herausgabe der von Penn erhaltenenen Video- und Tonbandaufzeichnungen mit den Aussagen Guzmáns zu beantragen, berichtete die Zeitung "Milenio". Es sei notwendig, zu erfahren, was genau der Drogenboss Penn und der mexikanischen Schauspielerin Kate del Castillo gesagt habe. Del Castillo hatte den Kontakt für das Interview hergestellt.

Die beiden Schauspieler seien auch Ziel von Ermittlungen der mexikanischen Generalstaatsanwaltschaft, sagte am Sonntag ein Mitarbeiter dieser Behörde. Es sei noch unklar, ob sie mit dem Treffen nicht gegen das Gesetz verstoßen hätten, erklärte der Funktionär. Die Generalstaatsanwältin Gómez hatte bereits am Freitag, vor der Veröffentlichung des Berichts, angekündigt, dass die von den Behörden entdeckte Kontaktaufnahme von "El Chapo" mit "Schauspielerinnen und Produzenten" Objekt zusätzlicher Ermittlungen sei.

(felt/das/dpa/ap)
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