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Terrornacht von Paris
So erlebte die Schwester von EM-Star Griezmann den Anschlag im Bataclan

Entsetzen vor dem Bataclan
Entsetzen vor dem Bataclan FOTO: ap, BC
Paris. Im November 2015 überlebte die Schwester von Frankreichs EM-Star Antoine Griezmann das Attentat im Konzertsaal Bataclan. Jetzt hat sie erstmals ausführlich darüber gesprochen, wie sie die Terrornacht erlebte.

Freitagabend, 21 Uhr, am 13. November 2015. Maude Griezmann schaut noch einmal auf ihr Handy. Ihr Bruder Antoine läuft gerade mit dem französischen Nationalteam zum Testspiel gegen Deutschland im Stade de France in St. Denis auf. Dann packt sie ihr Handy weg. Sie hat gerade den Konzertsaal Bataclan in Paris betreten. Sie will sich auf die Musik der Band "Eagles of Death Metal" konzentrieren, erinnert sich die junge Frau an den Beginn des Abends.

50 Minuten später lag sie vor der Bühne und presste ihr Gesicht gegen den Boden, erzählt sie jetzt der "New York Times". Es habe geknallt, ihr Freund und sie hätten das wie viele zuerst für einen Teil des Konzerts gehalten. Dann stürmten Terroristen mit Waffen den Saal, und sie hätten sich auf den Boden geschmissen. "Wenn du dich bewegt hast, wurdest du erschossen. Eine Person neben mir hat sich bewegt, und sie haben sie erschossen", sagt Griezmann. An die Menschen um sie herum kann sie sich nicht erinnern. Sie habe nur zum Boden geschaut, um nicht mitzubekommen, was passiert.

Die einzige Bewegung, die sie die nächsten 90 Minuten immer wieder macht: Sie drückt die Hand der Frau, die neben ihr liegt. Die andere Hand der Frau hält Griezmanns Freund. Sie gibt das Signal an ihn weiter, er drückt zurück. "Es war der einzige Weg, wie wir uns sagen konnten, dass wir noch leben", sagt die 28-Jährige.

Tatort Paris – die blutige Spur des Terrors FOTO: afp, le

Sie schaffen es aus dem Bataclan. Rennen zum Platz der Republik. Sie ruft ihre Mutter an. Dass sich Selbstmörder am Stadion in die Luft gesprengt haben und auch in Cafés und Restaurants geschossen wurde, weiß sie da noch nicht. Das Handy war ja bis dahin in der Tasche. Ihr Bruder hingegen wusste schnell nach dem Fußballspiel, dass seine Schwester im Bataclan in Lebensgefahr war.

Am heutigen Donnerstag wird Frankreich erneut gegen Deutschland spielen - zum ersten Mal seit den Anschlägen von Paris, seit der Nacht, in der ihr Bruder in jenem Stadion spielte, das ebenfalls zum Anschlagsort werden sollte. "Es ist ein wichtiges Spiel für Antoine, für das Team, für die Fans", sagt Maud Griezmann der "New York Times". "Aber es ist auch nichts anderes als das. Ich verbinde den Fußball nicht mit dem, was passiert ist. Ich versuche, nicht über das Ganze nachzudenken."

Mit ihrem Bruder Antoine habe sie nur einmal länger über die Anschläge gesprochen. Dann hätten sie entschieden, dass es besser ist, nach vorne zu schauen. Inzwischen helfe sie ihm mit seiner Öffentlichkeitsarbeit. Sie und ihr drei Jahre jüngerer Bruder hätten schon immer eine sehr enge Beziehung gehabt, sagt die 28-Jährige.

Antoine Griezmann spielte am 13. November in Paris gegen Deutschland. Seine Schwester überlebte an dem Abend den Anschlag im Bataclan. FOTO: dpa, ss nic

Früher war sie auf dem Garagenhof sein Torwart, berichtet Maude Griezmann. Donnerstagabend wird sie mit der Familie in Marseille im Stadion sein und Antoine anfeuern. Und auch am Sonntag – sollte Frankreich das Finale im Stade de France in Paris spielen.

(rent)
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