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Entscheidung im Oberhaus
Englands Gesetze werden nicht mehr auf Kalbshaut gedruckt

Englands Gesetze werden nicht mehr auf Pergament gedruckt
Eine Urkunde auf Pergament mit Siegeln. FOTO: Armin Fischer
London. Die Briten drucken ihre Gesetzestexte seit Jahrhunderten traditionell auf speziellem Pergament. Aus Kostengründen will das Oberhaus nun damit Schluss machen – und erntet Empörung. Von Ludwig Krause

Hierzulande dürfte sich für viele erst einmal die Frage stellen: "Was? Die Briten drucken ihre Gesetze immer noch auf Pergament?" Dem ist aber tatsächlich so. Das Drucken der Texte auf Vellum, feinem Pergament aus Kalbshaut, hat in Großbritannien seit jeher Tradition. Alle Gesetzestexte und viele historische Dokumente sind so veröffentlicht worden, inklusive der "Magna Carta" von 1215 oder dem "Doomsday Book" von 1086.

Damit soll nun Schluss sein. Wie der "Daily Telegraph" berichtet, will das Oberhaus aus Kostengründen ab April auf simples Papier drucken. Die Empörung ließ nicht lange auf sich warten: England verliere einen wichtigen Teil seiner Tradition, meinen die Kritiker.

"Wir würden die Magna Carta nicht haben, wir würden das Doomsday Book nicht haben und wir würden einige der historischsten Dokumente nicht haben, wenn sie nicht auf Vellum gedruckt worden wären", sagte der konservative Politiker James Gray. "Vellum hält 5000 Jahre, Archivpapier nur 200", sagte er. 

"Wenn Geschichte egal ist, warum versuchen wir dann, dieses Haus zu retten?", meinte auch Labour-Politikerin Sharon Hodgson. Das ebenfalls traditionsreiche House of Parliament muss nämlich dringend saniert werden.

Die Begründung für den Schritt des Oberhauses ist übrigens nicht etwa der Tierschutz. Man wolle einfach Geld sparen. Mit 80.000 Pfund weniger Druckkosten könne man jährlich rechnen. "Außerdem hat unser Archivpapier eine Lebensdauer von 500 Jahren."

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