Schweinegrippe in NRW: Entwarnung in zwei Fällen nach Schnelltests
VON TIM NOCKEN - zuletzt aktualisiert: 27.04.2009 - 21:32Düsseldorf (RPO). Die Schweinegrippe-Verdachtsfälle in Bielefeld haben sich offenbar doch nicht bestätigt. Durch einen Schnelltest habe der Verdacht auf Schweinegrippen bei zwei der drei Patienten aber inzwischen weitgehend ausgeräumt werden können, berichtete der Sprecher des Krankenhauses Axel Dittmar. "Es ist fast ausgeschlossen, dass es sich um die Mexiko-Grippe handelt."
Zwei Bielefelder, ein Mann und eine Frau, bleiben aber dennoch auf einer Isolierstation im Krankenhaus. Sie leiden unter typischen Grippe-Symptomen. Doch ihr Zustand sei nicht bedrohlich, sagte der Sprecher. Beide seien Anfang 20. In Mexiko starben bereits 149 Menschen an den Folgen der Krankheit. Experten sehen Deutschland gut gerüstet und warnen vor Panikmache.
Unklarheit über Verdachtsfälle
Nach Mexiko und den USA ist jetzt auch Europa von der Schweinegrippe betroffen. Die "Neue Westfälische" hatte mit Verweis auf das Gesundheitsamt Bielefeld von drei Verdachtsfällen in Bielefeld berichtet. Demnach soll auch der dritte Patient mit Grippesymptomen von einer Mexiko-Reise zurückgekehrt. Es ist jedoch unklar, was es mit dem angeblichen dritten Verdachtsfall auf sich hat. Im Klinikum Bielefeld war kein weiterer Fall bekannt. Auch im Evangelischen Krankenhaus Bielefeld, wo angeblich ein Verdachtsfall bestehen sollte, gab es tatsächlich nach Auskunft einer Krankenhaussprecherin keinen solchen Fall.
Auch in der Schweiz und in Frankreich haben die Gesundheitsbehörden einen Verdachtsfall gemeldet. In Spanien ist der Schweinegrippeerreger vom Typ H1N1 bereits nachgewiesen worden.
Einer der Bielefelder Patienten sei mit einer fieberhaften Erkältung gerade von einer Mexiko-Reise zurückgekehrt. Dabei sei er auch in Mexiko-Stadt gewesen, berichtete Dittmar. Nach seiner Rückkehr habe er sich nicht sonderlich gut gefühlt und offenbar auch seine Schwester angesteckt. Die Geschwister seien daraufhin am Montagvormittag ins Krankenhaus gekommen. Ein Schnelltest habe jedoch ergeben, dass sich nicht um den in Mexiko auftretenden Influenza-Typ A handele.
Keine Gefahr für die Bevölkerung
Experten sehen unterdessen keine Gefahr für die deutschen Bürger. "Nach unserem derzeitigen Wissensstand ist der Erreger nicht gefährlicher als ein herkömmliches Grippevirus", sagte Kirsten Bradt vom Landesinstitut für Gesundheit und Arbeit unserer Redaktion. Die Ansteckungsgefahr sei genauso groß wie bei einer herkömmlichen Influenza.
Einen Impfstoff gibt es bislang nicht
Die Grippe ist sehr ansteckend, wenn man sich in der Nähe eines Infizierten aufhält", so die Seuchenexpertin. Genau wie bei jeder Grippe werde die Krankheit durch Tröpfchen etwa durch Niesen übertragen. Aktuell lasse sich das Virus zwar diagnostizieren, aber eine Impfung sei bislang noch nicht möglich. "Ein Impfstoff, wie man ihn von der saisonalen Influenza kennt, ist bislang für das Schweinegrippevirus noch nicht entwickelt worden", so Bradt.
Alarmpläne auf allen Ebenen
Deutschland sei auf eine Pandemie jedoch gut vorbereitet, unterstreicht die Expertin. Vom Bund bis auf die lokale Ebene hinab gebe es Alarmpläne, die jederzeit aktiviert werden könnten. Sollten die ersten Fälle von Schweinegrippe in Deutschland auftreten, bestehe für die Ärzte eine so genannte Meldepflicht. "Grippe ist in Deutschland grundsätzlich meldepflichtig", so Bradt.
Allerdings müsse im Normalfall nur der Labornachweis gemeldet werden und Ärzte würden in der Regel bei normalen Grippesymptomen keine Laboruntersuchungen vornehmen lassen. Für den Verdacht auf Schweinegrippe gilt jedoch eine erweiterte Meldepflicht, die auch schon den Verdacht auf eine Erkrankung an Schweingrippe einschließt.
Patienten werden nicht isoliert
Müssen Schweinegrippe-Patienten damit rechnen, isoliert zu werden und in Quarantäne gesteckt zu werden? Nach Aussage der Expertin ist die Behandlung von Fall zu Fall unterschiedlich. Bei einer fortgeschrittenen Erkrankung werde man den Patienten im Krankenhaus behandeln.
Eine Isolierung gebe es nicht, allerdings werde man den Patienten nach Möglichkeit in einem Einzelzimmer unterbringen. Weniger Kranke könnten auch von einem Hausarzt behandelt werden. "Angehörige werden in diesem Fall auf den richtigen Umgang mit der Krankheit vorbereitet", so Bradt.
Schutz durch Aufklärung
An asiatischen Flughäfen eingesetzte Scanner, die die Körpertemperatur eines ankommenden Passagieres überprüfen, gibt es weder am Flughafen Frankfurt noch an den Airports München und Düsseldorf. "Das wäre unverhältnismäßig und würde nur Panik schüren", sagt die Expertin. In Deutschland setze man dagegen auf Aufklärung. So würden Flugreisende aus Risikogebieten – vor allem also aus Mexiko – mit Handzetteln über Symptome der Schweinegrippe und Verhaltensweisen informiert. Auch seien die Airlines sensibilisiert worden, an Bord auf mögliche Symptome zu achten.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum