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Erdbeben auf Ischia
Retter bergen weiteres Kind aus Trümmern

Erdbeben auf Ischia: Verschüttetes Baby aus Trümmern gerettet
Rom. Nach dem Erdbeben auf der Insel Ischia haben Feuerwehrleute ein sieben Monate altes Baby gerettet. Seine beiden Brüder erreichten sie Stunden später. Zwei Frauen starben dagegen.

Fast 14 Stunden nach dem Erdbeben auf der italienischen Insel Ischia hat die Feuerwehr ein weiteres verschüttetes Kind aus den Trümmern geborgen. Mattias sei gerettet, twitterte die Feuerwehr am Dienstag. Die Einsatzkräfte hätten auch dessen Bruder Ciro erreicht und würden ihn gerade herausziehen. Das jüngste Kind der Familie, ein sieben Monate altes Baby, war schon in der Nacht geborgen worden.

Fotos: Mindestens zwei Tote durch Erdbeben auf Ischia FOTO: dpa, DRN pat

Geologen kritisierten, dass ein relativ schwaches Beben so viel Schaden anrichten konnte. "Es ist nicht normal, dass ein Erdbeben der Stärke 4 Häuser einstürzen lässt und zu Evakuierungen von Krankenhäuser führt", sagte Egidio Grasso, Chef der regionalen Vereinigung von Geologen. Andere kritisierten die schlechte Bauweise der Häuser. 

Nachbeben befürchtet

Am Montag gegen 21 Uhr hatte die Erde zu beben begonnen. Der Erdstoß lag nach Angaben der Erdbebenwarte INGV in einer Tiefe von fünf Kilometern. Geologen erklärten, dass das vergleichsweise schwache Beben vermutlich auch wegen der geringen Tiefe so großen Schaden anrichten konnte. 39 Menschen wurden verletzt. Das Auswärtige Amt in Berlin warnte vor Nachbeben und Gefahren aufgrund herabstürzender Gebäudeteile.

"Es war eine schreckliche Nacht, man kann das mit Worten nicht beschreiben", sagte der Vater der verschütteten Kinder nach Angaben der Nachrichtenagentur Ansa. Die Familie wurde in der besonders betroffenen Gemeinde Casamicciola verschüttet. Offenbar hatten die Kinder Schutz unter einem Bett gefunden. Die Mutter, wieder schwanger, habe vor Glück geschrien, als das Baby gerettet wurde, berichtete Ansa.

Panik unter Bewohnern und Touristen

Das Beben richtete in manchen Orten schwere Schäden an, besonders in Casamicciola und Lacco Ameno. Häuser stürzten ein, Putz fiel von den Wänden. Ein Krankenhaus wurde evakuiert. "Es hat alles angefangen zu wackeln, alles ist heruntergefallen (...). Häuser sind eingestürzt. Es gibt Vermisste, ein Chaos", erzählte eine Augenzeugin laut Ansa. "Es ist das Schlimmste, was mir je passiert ist."

Touristen und Bewohner seien in Panik nach draußen gelaufen, berichteten italienische Medien. Auch sollen mancherorts der Strom ausgefallen und Hotels geräumt worden sein. Bewohner erzählten, sie würden die Nacht im Freien verbringen. Für sie wurde auf der Insel ein Fußballstadion geöffnet. Andere Teile der Insel waren von dem Beben wenig betroffen.

Beliebte Urlaubsinsel

Die Behörden stellten Fähren bereit, um verschreckte Urlauber von der Insel zu bringen. Mehr als 1000 Menschen kamen laut Zivilschutz am Morgen in Pozzuoli an der Küste an. Die Insel vulkanischen Ursprungs hat rund 62.000 Einwohner und ist vor allem im Sommer sehr beliebt bei Urlaubern. Bundeskanzlerin Angela Merkel macht dort regelmäßig Osterurlaub. 

Die Insel liegt in der Nähe der Phlegräischen Felder, die zu den weltweit wenigen Dutzend sogenannten Supervulkanen zählen. Im Jahr 1883 kamen bei einem Beben auf Ischia rund 2300 Menschen ums Leben. Italien wird immer wieder von teils verheerenden Erdbeben heimgesucht. Vor fast genau einem Jahr, am 24. August, erschütterte ein schweres Beben die mittelitalienische Region um die Stadt Amatrice. 299 Menschen starben.

(juju/wer/dpa/ap)
 
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