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Erdbeben in Nepal
Schweres Nachbeben - Behörden sprechen von 2500 Toten

Fotos: Viele Tote bei Erdbeben in Nepal
Fotos: Viele Tote bei Erdbeben in Nepal FOTO: dpa, ns bjw
Kathmandu. Ein verheerendes Erdbeben in Zentralasien hat nach Behördenangaben mindestens 2500 Menschen das Leben gekostet. Nepals Hauptstadt Kathmandu wurde besonders hart getroffen. Die Lage ist noch immer unübersichtlich.

Schwere Nachbeben haben die Katastrophengebiete in Nepal am Sonntag erneut erschüttert und für weitere Panik gesorgt. In der Hauptstadt Kathmandu rannten die Menschen nach einem Beben der Stärke 6,7schreiend ins Freie. Die internationale Hilfe - auch aus Deutschland - lief dessen ungeachtet an. Viele Dörfer in der Nähe des Epizentrums waren durch Erdrutsche abgeschnitten und noch nicht erreicht, so dass die Behörden mit noch mehr Toten rechnen.

Die Opferzahl stieg mittlerweile auf mehr als 2500. Nepalesische Behörden hatten die Zahlen am Sonntagnachmittag der Nachrichtenagentur AFP genannt. "Die Zahl der Toten steht bisher bei 2450. Ungefähr 6000 Menschen wurden bei dem Erdbeben verletzt", sagte Laxmi Dhakal vom nepalesischen Innenministerium am Sonntagabend (Ortszeit) der Deutschen Presse-Agentur.

Fotos: Erdbeben zerstört Weltkulturerbe FOTO: dpa, bjw

Das vorangegangene Erdbeben am Samstag war mit einer Stärke von 7,8 das schlimmste in Nepal seit mehr als 80 Jahren. Das Epizentrum lag 80 Kilometer nordwestlich von Kathmandu in einer Tiefe von elf Kilometern. Es folgten mehr als zwei Dutzend Nachbeben. Die Beben ließen riesige Spalten in Straßen und Hauswänden aufklaffen. Zahlreiche Gebäude und historische Tempel stürzten ein.

Hilfe aus dem Ausland

Nachdem der schwer beschädigte Flughafen von Kathmandu am Sonntag wieder eröffnet wurde, kamen die ersten Maschinen mit Hilfslieferungen an. Indiens Luftwaffe brachte 43 Tonnen an Hilfsgütern - darunter Zelte und Lebensmittel - und fast 200 Einsatzkräfte ins Katastrophengebiet. Die international tätige Hilfsorganisation Search and Rescue Germany teilte mit, ein Team von 52 Helfern, unter ihnen Ärzte und Rettungsexperten, sowie einige Hundestaffeln zu schicken. Auch China, Pakistan, die Vereinigten Arabischen Emirate, Frankreich und die USA schickten Hilfe.

Fotos: Erdbeben in Asien: Mount-Everest-Basislager verschüttet FOTO: afp, ras/fk

Besonders betroffen von der Naturkatastrophe war Kathmandu - in der Stadt leben rund 700 000 Menschen. Allein dort wurden 721 Opfer gezählt, wie die Polizei mitteilte. Auch im dicht besiedelten Tal von Kathmandu mit 2,5 Millionen Bewohnern wurden angesichts der schlechten Bauqualität der Häuser weitere Opfer befürchtet. Insgesamt wurden bis Sonntag allein in Nepal 2169 getötete Menschen gemeldet. Die Zahl der Verletzten liege bei 5000. In Nordindien waren mindestens 61 Tote zu beklagen. Opfer meldeten auch Bangladesch, Tibet und Pakistan.

Menschen campieren im Freien

52 ISAR-Helfer fliegen nach Nepal FOTO: dpa, rwe lof

Der Vorsitzende der nepalesischen Hilfstruppe, Sanjay Karki, sagte, alle freien Plätze in Kathmandu seien voller Menschen, die dort campierten. "Wenn die Nachbeben kommen, kann man sich die Angst nicht vorstellen. Man kann Frauen und Kinder weinen hören."

Retter warnten, dass die Situation in der Nähe des Epizentrums im Bezirk Gorkha noch schlimmer sein könnte. Die Straßen dorthin waren durch Erdrutsche blockiert. Die Hilfsorganisation World Vision teilte mit, Bergdörfer seien komplett unvorbereitet auf Zerstörungen dieses Ausmaßes. Einige Dörfer seien aus Steinen errichtet worden. Mitarbeiter Matt Darvas sagte, er habe gehört, einige Ortschaften seien komplett von herabgestürzten Felsen begraben worden.

Bei Tagesanbruch begannen die Retter am Sonntag, nach Überlebenden zu suchen. In den meisten Gegenden gab es weder Strom noch Wasser. Die Vereinten Nationen teilten mit, die Krankenhäuser im Tal von Kathmandu seien überfüllt. Der Nothilfe-Nachschub gehe zur Neige, es gebe auch keinen Platz mehr, um die Leichen zu lagern. Mittlerweile sollen Flughafen, Regierungsgebäude und Krankenhäuser wieder Strom bekommen.

Am Mount Everest löste das Erdbeben eine Lawine aus, die mindestens 17 Bergsteiger in den Tod riss. 61 wurden verletzt, wie Ang Tshering vom nepalesischen Bergsportverband sagte. Eine unbekannte Zahl von Gipfelstürmern werde vermisst.

Unter den eingestürzten Gebäuden in Kathmandu war auch der Dharahara-Turm in der Altstadt, der um 1800 gebaut wurde und zum Unesco-Weltkulturerbe gehört. Auch das Kathmandu-Tal wird als Weltkulturerbe geführt. Die Direktorin der Unesco, Irina Bokova, kündigte Hilfe beim Wiederaufbau der historischen Monumente an.

Schlimmstes Erdbeben seit 1934

Das bislang schlimmste Erdbeben hatte Nepal 1934 erlebt. Damals wurde eine Stärke von 8,0 gemessen. Die Städte Kathmandu, Bhaktapur und Patan wurden stark zerstört.

(AFP)
 
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