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Japan Beben Welle ap 2011
  Foto: Kyodo News, AP
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Naturkatastrophe: Erdbeben und Tsunami verwüsten Japan – Angst vor Atom-GAU

zuletzt aktualisiert: 12.03.2011 - 06:43

Tokio (RP/RPO). Auch mehr als 17 Stunden nach dem stärksten Erdbeben in der Geschichte Japans sind die Folgen der Katastrophe noch nicht absehbar. Bisher gehen Behörden von über 1400 Toten aus. Die meisten Menschen starben wohl nach einer riesigen Flutwelle, die ganze Landstriche überflutete. In mehreren Ländern Südamerikas ließen die Regierungen Küstengebiete aus Angst vor einem Tsunami evakuieren. Im Atomkraftwerk Fukushima kämpfen Experten nach dem Ausfall der Kühlanlage gegen eine drohende Kernschmelze.

Die Radioaktivität im Inneren des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi ist drastisch angestiegen. Im Innern sei das Tausendfache des Normalwerts erreicht, im Umkreis würden erhöhte Werte gemessen, teilten die Behörden am Samstag (Ortszeit) mit.  Die Regierung rief den Notstand aus, der am Samstag auf eine zweite Atomanlage ausgeweitet wurde.

Experten sprechen von der Möglichkeit einer drohenden Kernschmelze mit unabsehbaren Folgen. Japanische Ingenieure wollten in der Nacht gezielt leicht radioaktiven Dampf abgelassen. Die im Wasserdampf enthaltene Radioaktivität werde aber die Umwelt oder die menschliche Gesundheit nicht beeinträchtigen, betonten japanische Behörden.

Kernphysiker von Greenpeace halten dieses Vorgehen für den richtigen Weg. Ob die Gefahr einer Kernschmelze damit gebannt wird, steht noch nicht fest.

Tausende Einwohner im Umkreis des Atomkraftwerks wurden in Sicherheit gebracht. Die Evakuierungen wurden wegen der gestiegenen Radioaktivität am Samstag auf einen Radius von zehn Kilometern rund um die Anlage ausgeweitet. 

Ministerpräsident Naoto Kan rief die Anwohner auf, ihre Häuser zu verlassen und sich in Sicherheit zu bringen. Bundesumweltminister Norbert Röttgen sieht auch im Fall einer Atomkatastrophe keine Gefahr für Deutschland. 

Stärkstes Erdbeben seit 1200 Jahren

Das Erdbeben in Japan war mit einer Stärke von 8,9 auf der Richter-Skala nach Einschätzung von Experten das stärkste seit 1200 Jahren und das fünftstärkste, das weltweit je gemessen worden ist. Es löste einen zehn Meter hohen Tsunami aus, der Autos, Boote, Häuser, Bauernhöfe und Felder mit sich riss.

Nach ersten Schätzungen wurden mehr als 1000 Menschen getötet. Zahlreiche Gebäude und eine Raffinerie gingen in Flammen auf.

Es folgten mehr als 50 zum Teil heftige Nachbeben. Das Landesinnere Japans wurde am Samstag von einem Erdstoß der Stärke 6,7 erschüttert.

Zerstörung in der Millionenstadt Sendai

Besonders heftig traf der Tsunami die Küste der Millionenstadt Sendai. Die Polizei fand dort Medienberichten zufolge bis zu 300 Leichen. Die Flutwelle schwemmte Autos über die Startbahn des Flughafens. In der Stadt brachen zahlreiche Brände aus.

Ein Hotel stürzte ein, Gäste wurden verschüttet. Vor der Küste von Sendai wurde das Epizentrum des Bebens vermutet. Jets der Luftwaffe wurden in das Erdbebengebiet entsandt, um den Schaden aus der Luft abzuschätzen.

Auf Fernsehbildern aus dem Küstenort Kamaichi war zu sehen, wie Boote, Autos und Lastwagen wie Spielzeug durch das Wasser gewirbelt wurden. Vor der Küste wurde ein Schiff mit 100 Menschen an Bord weggeschwemmt, in Miyagi ein Zug vermisst.

Öffentliches Leben in Tokio kam zum Erliegen

In der Hauptstadt Tokio, mit über 30 Millionen Einwohnern die größte Metropolregion der Welt, standen ebenfalls Gebäude in Flammen. Die Häuser gerieten heftig ins Wanken. Mehr als vier Millionen Haushalte waren nach Medienberichten ohne Strom.

Die U-Bahn stellte ihren Betrieb ein, Menschenmassen verstopften auf dem Heimweg die Straßen. Die Hochgeschwindigkeitszüge in den Norden des Landes wurden gestoppt, Flüge umgeleitet. An den beiden Tokioter Flughäfen Narita und Haneda saßen mehr als 20 000 Reisende fest. In der Nähe von Tokio geriet eine ganze Raffinerie in Brand, das Feuer drohte auf Dutzende Lagertanks überzugreifen.

Tsunami durchquert den Pazifik

Der Tsunami hat inzwischen fast den gesamten Pazifik durchquert. Er erreichte am frühen Nachmittag die Inselgruppe Hawaii und gegen 16.30 Uhr mitteleuropäischer Zeit den US-Staat Oregon, ohne allerdings allzu großen Schaden anzurichten. Auch von der südamerikanischen Küste wurden kaum Schäden gemeldet.

Anteilnahme aus aller Welt

Regierungschefs vieler Länder haben den Japanern ihr Mitgefühl ausgesprochen und Hilfe angeboten. „Wir sind mit den Gedanken bei den Opfern“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel. Ein Rettungsteam des Technischen Hilfswerks zur Bergung von Opfern ist nach Rücksprache mit dem Innenministerium und dem Auswärtigen Amt nach Japan entsandt worden.

Es handelt sich dabei um 40 Personen der Schnelleinsatzeinheit-Bergung-Ausland (SEBA), die auf die Ortung und Rettung von verschütteten Personen spezialisiert sind.

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Ruprecht Polenz (CDU), zeigte sich tief getroffen. Deutschland empfinde gegenüber Japan eine „besondere Nähe“, sagte Polenz und verwies unter anderem auf die große japanische Kolonie in Düsseldorf.

Etwa 100 Deutsche im Nordosten Japans

Nach Schätzungen des Auswärtigen Amts leben etwa 100 Deutsche im Nordosten Japans, wo der Tsunami besonders gewütet hat. Deutsche Opfer wurden zunächst nicht bekannt. Für Deutsche, die unmittelbar von den Ereignissen in Japan betroffen sind, ist die Botschaft in Tokio unter der Telefonnummer 0081357917700 erreichbar.

Der Krisenstab hat außerdem eine Hotline für Angehörige eingerichtet: 030-50003000. Europapolitiker verlangen rasche Hilfe für Japan. „Japan hat die volle Solidarität Europas. Die Europäische Union muss so rasch wie möglich alle logistischen und finanziellen Mittel zur Verfügung stellen“, sagte der Chef der Sozialistischen Fraktion im EU-Parlament, Martin Schulz.

Erdbeben lässt Dax ins Minus rutschen

Das Beben löste auch an den Börsen Schockwellen aus. Die Auswirkungen der Katastrophe waren von New York bis Frankfurt zu spüren – mit deutlichen Kursabschlägen.

Quelle: RP/RPO

 
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