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Feuerkatastrophe in Ludwigshafen: Erdogan warnt vor zweitem Solingen

zuletzt aktualisiert: 05.02.2008 - 19:17

Istanbul (RPO). Die Feuerkatastrophe in Ludwigshafen: Neun Menschen türkscher Staatsbürgerschaft starben in den Flammen. Zeugenaussagen nach könnte es Brandstiftung gewesen sein. In der Türkei löst der Fall Besorgnis aus. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan sagte: "Wir wollen kein zweites Solingen erleben."

Die Partei von Recep Erdogan soll verboten werden.  Foto: AP, AP
Die Partei von Recep Erdogan soll verboten werden. Foto: AP, AP

Ein zwei Jahre alter Vorfall hat Spekulationen über politische Motive ausgelöst. Bereits im Sommer 2006 sollen zwei Brandsätze in das von türkischen Familien bewohnten Gebäude geworfen worden sein.

Allein die Möglichkeit ruft in der türkei die Erinnerung an den fremdenfeindlichen Brandanschlag von Solingen wach. In der nordrhein-westfälischen Stadt war 1993 ein von Türken bewohntes Haus von rechtsextremistischen Jugendlichen angezündet worden. Fünf Mädchen und Frauen starben.

Im Fall Ludwigshafen wird bisher in alle Richtungen ermittelt, wie die Staatsanwaltschaft Frankenthal am Dienstag auf einer Pressekonferenz betonte. Bei dem verheerenden Brand waren am Sonntag 60 Menschen teils schwer verletzt worden. Acht der Verletzten werden noch in Krankenhäusern behandelt, davon drei mit schwersten Verbrennungen auf der Intensivstation.

Der türkische Botschafter Aehmet Ali Irtemcelik und die Ludwigshafener Oberbürgermeisterin Eva Lohse legten vor der Ruine Kränze für die Opfer nieder. Acht waren an Rauchgasvergiftung gestorben; eine Frau kam ums Leben, nachdem sie in Panik aus dem brennenden Gebäude gesprungen war.

Anhaltspunkte für Brandstiftung geben die schnelle Ausbreitung des Feuers und die Aussagen zweier Mädchen bei der Polizei. Die Feuerwehr erklärte, das Feuer sei vermutlich im weitgehend aus Holz gefertigten Treppenhaus des Gebäudes ausgebrochen. Die türkischen Mädchen im Alter von acht und neun Jahren berichteten, sie hätten gesehen, wie ein Mann ein Feuerzeug, ein Blatt und einen Stock in der Hand gehabt habe. "Der hat mit einem Feuerzeug ein Stöckchen angezündet und das dann neben dem Kinderwagen in den Flur geworfen", sagte ein Mädchen einem RTL-Reporter. Die Polizei erklärte lediglich, die Aussagen würden geprüft. An der Aufklärung der Brandursache arbeitet eine 50-köpfige Sonderkommission.

Zwei weitere Männer bei Bränden gestorben

Ministerpräsident Erdogan erwägt, den Unglücksort beim Deutschlandbesuch am Donnerstag aufzusuchen. Die türkische Regierung entsandte eigene Ermittler nach Ludwigshafen. "Wir wollen, dass der Vorfall so schnell wie möglich aufgeklärt wird", sagte Erdogan. Staatsminister Mustafa Sait Yazicioglu will am Mittwochvormittag in Begleitung seiner deutschen Kollegin Maria Böhmer den Brandort besuchen. Ihn begleiten vier Ermittler.

Innenminister Wolfgang Schäuble, der sich bis Mittwoch in Ankara aufhält, warnte jedoch dort vor Fernsehkameras, voreilige Schlüsse auf einen politischen Hintergrund zu ziehen. Auch das Zentrum für Türkeistudien in Essen kritisierte, öffentliche Spekulationen über einen möglichen Anschlag scheinen beim jetzigen Stand der Ermittlungen fehl am Platz.

Unterdessen kamen zwei weitere Männer bei Bränden ums Leben. Ein 50-Jähriger starb am Dienstagmorgen in einem Mehrfamilienhaus in Recklinghausen, im baden-württembergischen Backnang ein 36-Jähriger im Treppenhaus. Am Montag waren 26 Menschen beim Brand eines vierstöckigen Mehrfamilienhauses im nordrhein-westfälischen Herne verletzt worden, darunter elf Kinder. Außerdem brach ein Feuer nach einem knallartigen Geräusch in einem Duisburger Mehrfamilienhaus aus; zehn Menschen wurden zum Teil schwer verletzt.

Quelle: afp

 
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