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Australien
Ermittler gegen Beichtgeheimnis bei Kindesmissbrauch

Sydney. In Australien soll es künftig kein Beichtgeheimnis mehr geben, wenn es um Kindesmissbrauch geht. Dafür spricht sich die höchste Ermittlungskommission des Landes aus. Hintergrund sind Berichte, wonach Täter einem Priester einen Missbrauch beichteten – und sich dann dann wieder an Kindern vergingen. 

Geistliche, die durch die Beichte von solchen Verbrechen erfahren und diese Informationen nicht weitergeben, sollten künftig strafrechtlich verfolgt werden, empfahl die Royal Commission am Montag. Die höchste australische Ermittlungskommission untersucht seit 2013, wie Kirchen und andere Institutionen in den vergangenen Jahrzehnten mit dem Missbrauch von Kindern in Australien umgingen.

Allgemein hieß es, jeder, der Informationen über Kindesmissbrauch in einer Institution habe und diese nicht weitergebe, sollte strafrechtlich belangt werden. Das sollte auch für Geistliche gelten, die solche Informationen durch die Beichte erhielten.

Internationale Debatte

"Das Recht, seine religiösen Überzeugungen zu leben, muss der Verpflichtung der Zivilgesellschaft angepasst werden, Sicherheit für alle und insbesondere Sicherheit für Kinder vor sexuellem Missbrauch zu geben", erklärte die Kommission. Institutionen, die sich um Kinder kümmerten, müssten dafür sorgen, dass Kinder bei ihnen vor Sexualverbrechen sicher seien. "Die Weitergabe relevanter Informationen über Kindesmissbrauch an die Polizei ist von entscheidender Bedeutung, um Kindern Sicherheit zu geben", hieß es weiter.

Die Kommission räumte ein, dass die Aufhebung des Schutzes der Vertraulichkeit insbesondere der katholischen Kirche Probleme bereiten könne. Sie wies aber daraufhin, dass sie von Fällen erfahren habe, in denen Täter dem Priester in der Beichte Missbrauch berichteten und sich dann wieder an Kindern vergingen – um dann erneut in der Beichte um Vergebung ihrer Sünden zu bitten.

Die Frage, ob religiöse Einrichtungen Straftätern unter bestimmten Bedingungen Schutz vor Strafverfolgung gewähren dürfen, wird international diskutiert. In Irland wurde als Konsequenz bei der Aufarbeitung von Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche 2012 ein Gesetz verabschiedet, das Priester verpflichtet, ihnen durch die Beichte bekanntgewordenen Kindesmissbrauch zu melden. Unklar ist, wie dieses Gesetz seitdem gewirkt hat: Die Royal Commission hielt in ihrem Bericht fest, dass es bislang in keinem Strafprozess angewendet worden sei.

(ap)
 
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