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Nach Absturz: Ermittlungsverfahren gegen Concorde-Chefentwickler

zuletzt aktualisiert: 27.09.2005 - 12:54

Cergy (rpo). Die französische Justiz ermittelt fünf Jahre nach der Concorde-Katastrophe nun offiziell wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung gegen den einstigen Chefentwickler des Überschalljets.

Wie die Justiz der Pariser Vorstadt Cergy am Dienstag mitteilte, wurde am Vortag ein förmliches Verfahren gegen den Franzosen Henri Perrier eröffnet. Hintergrund ist eine verhängnisvolle Konstruktionsschwäche der Concorde, die seit 1979 bekannt gewesen war, aber nie behoben wurde. Bei dem Absturz am 25. Juli 2000 waren 113, überwiegend aus Deutschland stammende Menschen getötet worden. Bisher wird bereits gegen die US-Fluggesellschaft Continental Airlines und einen ihrer Wartungstechniker ermittelt.

Perrier, von 1978 bis 1994 Chef des Concorde-Programms beim französischen Hersteller Aérospatiale, wurde elf Stunden lang von Ermittlungsrichter Christophe Régnard vernommen. Er verließ das Gericht von Pontoise erst in der Nacht zum Dienstag in Begleitung von drei Anwälten und ohne jeden Kommentar. Drei weitere Mitarbeiter des inzwischen im EADS-Konzern aufgegangenen Unternehmens Aérospatiale sollen am Mittwoch und am Freitag sowie am 18. Oktober von Régnard vernommen werden. Sie hatten Berichte über Zwischenfälle verfasst, an denen die Concorde beteiligt gewesen war. Für Oktober sind auch drei Beamte der französischen Aufsichtsbehörde für Zivilluftfahrt vor den Ermittlungsrichter geladen.

Die Concorde war im Juli 2000 kurz nach dem Start in Gonesse der Nähe des Pariser Großflughafens Roissy-Charles de Gaulle abgestürzt. Die seit 1979 bekannte Konstruktionsschwäche an den Concorde-Flügeln wird mitverantwortlich für das schwere Unglück gemacht. Ausgelöst wurde die Katastrophe nach Einschätzung der Ermittler aber durch ein unzulässig hartes Austauschteil, das ein Continental-Flugzeug kurz vor dem Abheben der Concorde auf der Startbahn in Roissy verloren hatte. Die Lamelle aus Titan hatte einen Reifen des Überschallflugzeuges zerschnitten. In der Folge wurde ein Treibstofftank der Concorde beschädigt, der sich entzündete.

Ende August hatte die französische Justiz bereits einen internationalen Haftbefehl gegen den Continental-Airlines-Mechaniker John Taylor erlassen, nachdem der US-Bürger einer Vorladung nicht gefolgt war. Die französischen Ermittler glauben dem vergangenes Jahr veröffentlichten Abschlussbericht zufolge, dass Taylor bei Wartungsarbeiten die in der Luftfahrt üblichen Standards nicht eingehalten hat. Der selbe Vorwurf wird nach einem der Nachrichtenagentur AFP vorliegenden Expertengutachten gegen Concorde-Hersteller Aérospatiale erhoben.

Quelle: afp

 
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