| 21.16 Uhr

Die Ereignisse in Japan als Protokoll
Erstmals spricht Mutter eines AKW-Arbeiters

Deutsche Riesen-Pumpen auf dem Weg nach Fukushima
Deutsche Riesen-Pumpen auf dem Weg nach Fukushima FOTO: dapd
Tokio (RPO). Nach zahlreichen Pannen und Messfehlern sowie einer desolaten Informationspolitik durch Betreiber Tepco will die Regierung in Tokio offenbar handeln. Die Mutter eines AKW-Arbeiters bricht ihr Schweigen. Sie sagt, die Männer hätten ihren Tod bereits akzeptiert. Die Strahlung um Fukushima steigt indes weiter an. Die Ereignisse des Tages in und um Fukushima im Protokoll.

++++19.20 Uhr:  Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) stattet Japan am Samstag einen Solidaritätsbesuch ab. Gegen 19 Uhr (Ortszeit, 12 Uhr MESZ) wollte Westerwelle in Tokio seinen japanischen Kollegen Takeaki Matsumoto treffen. Bei dem Gespräch wird Westerwelle nach Angaben des Auswärtigen Amtes die Hilfe Deutschlands bei der Bewältigung des Unglücks anbieten, das in der Atomkatastrophe von Fukushima gipfelte. Ein Besuch in den am schlimmsten betroffenen Erdbebengebieten oder in der Umgebung des Akw ist nicht geplant. Am Morgen kommt Westerwelle in der deutschen Botschaft in Tokio unter anderem mit Wirtschaftsvertretern zusammen.

+++ 18:33 Uhr  Die japanische Atomaufsichtsbehörde rügt den Betreiber des beschädigten Atomkraftwerks Fukushima wegen mangelhaften Schutzes seiner Arbeiter vor radioaktiver Strahlung. Nach dem Erdbeben und dem Tsunami habe die Firma Tepco ganze Gruppen von Arbeitern mit nur einem einzigen Strahlenmessgerät ausgestattet, so ein Behördensprecher. Ein Stahlfloß soll nun eingesetzt werden, um radioaktives Wasser aufzufangen. Tepco sei inzwischen aufgefordert worden, alles zu tun, um die Arbeiter vor Strahlung zu schützen.

+++ 17:46 Uhr Unter Tränen berichtet erstmals die Mutter eines Arbeiters im havarierten Kernkraftwerk Fukushima I von einem Gespräch mit ihrem Sohn. Er habe seinen Tod schon akzeptiert, berichtet die Mutter des 32-Jährigen   im Gespräch mit dem US-Sender "Fon News". "Er sagte mir, sie hätten ihren Tod akzeptiert - entweder kurzfristig durch die Strahlenkrankheit oder langfristig durch Krebs", berichtete sie dem Sender. Ihren Namen wollte die Frau nicht nennen. Die Männer, die derzeit versuchen das völlig außer Kontrolle geratene AKW zu bädnigen, seien sich bewusst, dass sie einer tödlichen Strahlendosis ausgesetzt seien.

+++ 17:33 Uhr In einer Fernsehansprache versucht der der japanische Ministerpräsident Naoto Kan den Bürgern Mut zu machen. Japan werde alles tun, was notwendig sei, um den Kampf im Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi zu gewinnen. Für die Zeit nach der Krise kündigt er verschärfte Vorschriften an. "Wir werden Systeme einrichten, die auf jede Situation eingestellt sind, auf Grundlage der Annahme, das alles passieren kann." Insbesondere hinsichtlich der Kühlsysteme, die nach dem schweren Erdbeben ausgefallen waren, verspricht Kan Verbesserungen.

+++ 16.30 Uhr Trotz der weiter schwelenden Atomkatastrophe haben Japans Regierungschef Naoto Kan und die Mehrzahl seiner Kabinettsmitglieder die Arbeitskluft abgelegt, die sie als Zeichen der Solidarität seit den Naturkatastrophen vom 11. März trugen. Sie tauschten die blauen Jacken und Hosen der Katastrophenschutzeinheiten am Freitag wieder gegen klassische Anzüge aus, um deutlich zu machen, dass die Zeit des Wiederaufbaus gekommen ist, wie Regierungssprecher Yukio Edano sagte. Die Regierung hatte die ungewöhnliche Bekleidung des Kabinetts nach der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe damit begründet, dass die Verantwortlichen so jederzeit in die Unglücksregion im Nordosten des Landes reisen könnten, ohne sich umziehen zu müssen. 

+++ 15:20 Uhr Wegen eines möglichen Rechenfehlers will der japanische Kernkraftwerksbetreiber Tepco bereits veröffentlichte Werte radioaktiver Strahlung aus dem beschädigten Akw Fukushima 1 überprüfen. Die Atomsicherheitsbehörde habe das Unternehmen aufgefordert, die Daten erneut zu prüfen, da in den Berechnungsprogrammen für jedes Isotop Fehler entdeckt worden seien, sagte ein Behördensprecher.

+++ 15:02 Uhr  Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) sieht keine Gefahr, dass verstrahlte Lebensmittel aus Japan nach Deutschland gelangen. "Die Verbraucher müssen sich keine Sorgen machen", so Aigner am Rande der Agrarministerkonferenz in Jena. Die Lebensmittel würden in Japan geprüft, bevor sie verschifft werden. Darüber hinaus gebe es zusätzliche Kontrollen bei der Einfuhr nach Deutschland. Der Anteil der Lebensmittel aus Japan betrage am Gesamtimport gerade einmal 0,1 Prozent. Nachdrücklich spricht sich Aigner dafür aus, die Grenzwerte für Cäsium europaweit einheitlich zu regeln.

+++ 13.59 Uhr Aus den Reaktor-Ruinen tritt in großen Mengen Radioaktivität aus. Meer- und Grundwasser sind stark verstrahlt, weshalb Russland ein teilweises Einfuhrverbot für Fisch und Meerestiere aus Japan erwägt.

+++ 13.33 Uhr Taiwan hat zehn Billionen Yen an Japan gespendet, das sind etwa 119 Millionen US-Dollar. Damit übertrifft Taiwan die 9,9 Billionen Yen an Spenden, die das Amerikanische Rote Kreuz von US-Bürgern eingesammelt hat.

+++ 13.18 Uhr Nach Informationen von Kyodo wurden bei den am Freitagmorgen eingeleiteten intensiven dreitägigen Suchaktionen vor der Küste Japans 18 Leichen geborgen. Die Zahl der Toten liegt nach offiziellen Angaben damit bei 11.620 Menschen, 16.464 Menschen werden noch vermisst.

+++ 13.12 Uhr Die japanische Post plant laut Jiji Press den Druck und Verkauf von speziellen Briefmarken und Postkarten, um Spenden für den Wiederaufbau zu sammeln.

+++ 12.50 Uhr Philippinische Künstler gaben ein Benefiz-Konzert für die Opfer der Naturkatastrophe. "Jam for Japan" hieß das Ereignis, das am Freitag beim Jazz-Festival in Manila stattfand. Die Einnahmen für Konzertkarten und CDs sollen nach Japan fließen. 

+++ 12.10 Uhr Der japanische Staat muss Tepco womöglich mit Steuergeld stützen. Dem Konzern drohe sonst während seines Kampfes gegen die größte Nuklear-Katastrophe des Landes das Geld auszugehen. Regierungssprecher Yukio Edano bestätigte entsprechende Überlegungen. Ohne staatliche Hilfe werde Tepco vermutlich außer Stande sein, die Stromversorgung aufrechtzuhalten und gleichzeitig hohe Prozesskosten und Entschädigungen zu zahlen, die aufgrund des Atom-Unglücks auf den Konzern zukommen, berichtete die Zeitung "Mainichi Shimbun".

+++ 12.07 Uhr Der Not-Transport der deutschen Spezialpumpen ist von deutschen, niederländischen und belgischen Behörden in Rekordzeit genehmigt worden. Der Schwertransport war kurzfristig von einem deutschen Spezialmaschinenhersteller beantragt worden.

+++ 11.57 Uhr Laut der Agentur Jiji Press ziehen der japanische Kronprinz Nahurito und Kronprinzessin Masako einen Besuch in einem der Flüchtlingslager in Erwägung. Das Paar sei von den Ereignissen tief betroffen und traurig. Am Mittwoch hatte das japanische Kaiserpaar Akihito und Michiko eine Notunterkunft besucht, um den Opfern Mut zu machen.

+++ 11.30 Uhr Laut dem japanischen Nachrichtendienst Kyodo greift China dem katastrophengebeutelten Japan unter die Arme: Insgesamt 20.000 Tonnen Kraftstoff (Benzin und Diesel) will die Volksrepublik liefern. Chinesische Tanker werden noch an diesem Wochenende in en Häfen von Hiroshima und Ehime erwartet.

+++ 11.22 Uhr Wie groß die Strahlenbelastung am AKW Fukushima ist, ist weiter unklar. Die japanische Atomsicherheitsbehörde ordnete eine Überprüfung der im Boden, in der Luft und im Wasser in der Umgebung des Kraftwerks gemessenen Strahlungswerte an, nachdem Tepco erneut Fehler bei seinen Messungen einräumen musste.

+++ 11.04 Uhr Bei dem Mann, der in das Gelände Fukushima 2 eindrang, handelt es sich um einen 25-jährigen Arbeitslosen. Er muss sich nun wegen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung verantworten.

+++ 10.57 Uhr Tausende Zoobesucher konnten einen ersten Blick auf die neuen Pandabären im Ueno-Zoo in der japanischen Hauptstadt Tokio erhascht. Die beiden Bären sind eine Leihgabe von China und waren im Februar übergeben worden. Wegen des verheerenden Erdbebens und des anschließenden Tsunamis am 11. März hatte der Zoo schließen müssen und öffnete am Freitag erstmals seit der Katastrophe wieder seine Pforten.

+++ 10.42 Uhr Die Anwohner des havarierten AKWs Fukushima werden nach Einschätzung der Regierung für lange Zeit nicht in ihre Häuser zurückkehren können. Die Evakuierung des Katastrophengebiets sei langfristig angelegt, sagte Regierungssprecher Yukio Edano. Drei Wochen nach dem Atomunfall durch Erdbeben und Tsunami ist ein Ende der Krise nicht in Sicht.

+++ 10.15 Uhr Japans Regierung will einem Zeitungsbericht zufolge die Kontrolle über den Betreiber des Katastrophen-AKW Fukushima übernehmen und bereitet hierzu eine Geldspritze vor. Es sei jedoch unwahrscheinlich, dass die Regierung dabei einen Anteil von mehr als 50 Prozent an Tokyo Electric Power erwerbe, hieß es in einem Bericht der Zeitung "Mainichi".

+++ 9.10 Uhr Die Nuklear-Aufsicht der japanischen Regierung hat Tepco abgemahnt: Der AKW-Betreiber hält nicht genug Messgeräte bereit, um die Strahlungsbelastung der Arbeiter in Fukushima zu überwachen. Tausende Dosimeter seien durch den Tsunami zerstört worden, teilte Tepco mit. Nun müssten sich oft mehrere Arbeiter ein Gerät teilen.

+++ 8.37 Uhr Das Wirtschafts- und Industrieministerium erklärte, japanische Firmen sollten sich freiwillig verpflichten, den Energieverbrauch im Sommer um ein Viertel des Vorjahreslevels zu senken. Die befürchteten Stromausfälle sollen so vermieden werden.

+++ 8.00 Uhr Im Erdbeben-Monat März ist der Autoabsatz in Japan um mehr als 35 Prozent eingebrochen. Branchenführer Toyota musste einen Rückgang von fast 46 Prozent hinnehmen. Nissan brachte 37,7 Prozent weniger Fahrzeuge an die Kunden, Honda Motor verbuchte einen Rückgang von 28,3 Prozent.

+++ 7.20 Uhr Laut einem Nuklearsicherheits-Sprecher sind die AKW Fukushima Daini und Daiichi zwar bewacht. Nach dem Vorkommnis solle aber überprüft werden, ob die Sicherheitsvorkehrungen erhöht werden müssten.

+++ 7.13 Uhr Ein Mann hat versucht, mit seinem Auto auf das Gelände von Fukushima-Daiichi einzudringen. Mitarbeiter des Kraftwerksbetreibers Tepco hätten ihn jedoch daran hindern können. Wenig später durchbrach der 25-Jährige dann aber mit seinem Fahrzeug ein Tor zu dem nahe gelegenen Atomkraftwerk Fukushima-Daini und fuhr etwa zehn Minuten auf dem Gelände umher.

 +++ 7.00 Uhr Insgesamt 120 Flugzeuge und Hubschrauber sowie 65 Schiffe nehmen vor der Küste Japans die Suche nach Opfern der Tsunami-Katastrophe auf. Nach Informationen der Zeitung "Yomiuri Shimbun" sind 17.000 japanische und 7000 US-Soldaten im Einsatz.

+++ 6.56 Uhr Ursprüngliche Pläne, die Leichen im Umkreis von 30 Kilometern um das havarierte Atomkraftwerk Fukushima zu bergen, seien wegen der hohen radioaktiven Strahlung auf Eis gelegt worden, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf die Polizei. Eine Dekontaminierung der Toten vor Ort erschwere zudem deren spätere Identifizierung. In japanischen Presseberichten vom Freitag war die Rede davon, dass dort noch bis zu tausend Tote vermutet würden.

+++ 6.23 Uhr Die Ratingagentur Moody's hat die Kreditwürdigkeit von Tepco zum zweiten Mal in Folge heruntergestuft. Moody's senkte die Bonitätsnote um drei Stufen von A1 auf Baa1 und schloss eine weitere Abwertung nicht aus. Als Grund für die erneute Herabstufung nannte die Ratingagentur mögliche Schadensersatzforderungen an Tepco in Folge der Atomkrise.

+++ 6.02 Uhr Laut Informationen des Nachrichtensenders "n-tv" hat Tepco erneut falsche Messwerte veröffentlicht. Die Rekord-Strahlenwerte im Grundwasser unter dem havarierten Atomkraftwerk seien teilweise fehlerhaft. Verstrahlt sei das Wasser aber höchstwahrscheinlich dennoch.

+++ 5.16 Uhr In den USA werden zwei Großpumpen für den Einsatz am havarierten Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi in Japan vorbereiten. Die Geräte werden üblicherweise auf Großbaustellen zum Spritzen von Zement eingesetzt und gelten als die weltweit größten ihrer Art. In Fukushima sollen sie Wasser auf den Reaktor sprühen und so die Brennstäbe kühlen.

+++ 2.21 Uhr Die japanische Regierung will einem Zeitungsbericht zufolge die Kontrolle über den Betreiber des Katastrophen-AKW Fukushima übernehmen und bereitet hierzu eine Geldspritze vor. Es sei jedoch unwahrscheinlich, dass die Regierung dabei einen Anteil von mehr als 50 Prozent an Tokyo Electric Power erwerbe, hieß es in einem Bericht der Zeitung "Mainichi" am Freitag.

(AFP/apd/RTR/kyodo/ots)
 
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