Zwischenfall in Kernkraftwerk in Slowenien: EU hat europaweiten Atom-Alarm ausgelöst
zuletzt aktualisiert: 04.06.2008 - 22:37Brüssel (RPO). Nach einem Zwischenfall im Kühlsystem des slowenischen Atomkraftwerks Krsko hat die EU-Kommission am Mittwoch europaweiten Atom-Alarm ausgelöst. Dabei wurden alle 27 EU-Mitgliedsländer informiert. Die nukleare Anlage musste heruntergefahren werden. Wie österreichische Behörden melden, wurde keine erhöhte radioaktive Strahlung gemessen.
Die Nachricht von dem Zwischenfall aus Slowenien erreichte gestern Abend um 17.38 Uhr Brüssel. Zur Information aller 27 EU-Staaten wurde das Notfallsystem zum Informationsaustausch bei radioaktiven Vorfällen (ECURIE) eingeschaltet.
Wie die EU-Kommission in einer Stellungnahme erklärt, ist der Reaktor inzwischen vollständig abgeschaltet worden. Teile der Anlage kühlten noch aus, heißt es weiter. Die Lage sei aber unter Kontrolle. Es sei kein radioaktives Material in die Umwelt gelangt.
Das Kraftwerk wurde nach Angaben der Betreiber heruntergefahren, um die Ursache des Fehlers zu finden und zu beheben. Aus dem primären Kühlsystem des Kernkraftwerkes war Kühlflüssigkeit ausgetreten. Das relativ kleine Leck ist offenbar abgedichtet worden.
Wie ein Sprecher des Bundesumweltministeriums in Berlin am Abend sagte, haben die Brüsseler EU-Kommission und die Wiener Atomenergiebehörde die Bundesregierung über die Havarie unterrichtet. Der Sprecher nannte den von der Brüsseler EU-Kommission ausgerufenen europaweiten Atomalarm "ungewöhnlich". Nähere Informationen zu dem Fall lägen seinem Ministerium bislang aber nicht vor.
Auch Greenpeace stufte eine europaweite Warnung als "sehr ungewöhnlich" ein.
Im November wieder in Betrieb genommen
Das Atomkraftwerk in Krsko wurde im vergangenen November wieder in Betrieb genommen, nachdem es einen Monat für Instandsetzungsarbeiten vom Netz genommen worden war. Während der Arbeit wurde der Reaktor mit weiterer Dämmung versehen und 53 der 121 Brennstoffelemente wurden ausgetauscht. Zur Erhöhung der Sicherheit wurden zudem die technischen Systeme überarbeitet.
Das Atomkraftwerk, das Slowenien und dem Nachbarland Kroatien gemeinsam gehört, wurde von dem japanisch-amerikanischen Unternehmen Westinghouse gebaut und ging 1983 ans Netz. Es produziert derzeit 20 Prozent des slowenischen und 15 Prozent des kroatischen Strombedarfs.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum