USA wollen Thiopental importieren: EU stoppt Export von Todesspritzen-Wirkstoff
zuletzt aktualisiert: 12.12.2011 - 09:12München (RPO). Einen zentralen Wirkstoff für die Hinrichtungsspritze werden sich die USA einem Medienbericht zufolge nicht mehr in der Europäischen Union beschaffen können. Eine Ausfuhr des Betäubungsmittels Thiopental-Natrium aus der EU solle von Freitag an nur noch mit einer Sondergenehmigung möglich sein.
Zu diesem Zeitpunkt solle eine neue, einheitliche Ausfuhrgenehmigungspflicht für alle kurz- und mittelfristig wirkenden Barbitursäuren im offiziellen EU-Amtsblatt veröffentlicht werden, berichtete die die "Süddeutschen Zeitung". Das schnell wirksame Narkosemittel Thiopental-Natrium sei eine davon.
Mit dem Mittel werden in Ohio und Washington zum Tode verurteilte Straftäter hingerichtet. In 33 anderen US-Bundesstaaten ist Thiopental zentraler Bestandteil des Gift-Cocktails. Allerdings ist das Mittel in den USA seit einigen Monaten Mangelware. Der einzige US-Hersteller Hospira weigert sich, sein Produkt weiterhin für die Todesspritzen zur Verfügung zu stellen. Wegen des Mangels verschieben die Behörden immer wieder Hinrichtungen und versuchen, das Mittel im Ausland zu bekommen, beispielsweise in Europa.
Dass die EU künftig Lieferungen an Staaten außerhalb der Union nur noch mit ausdrücklicher Genehmigung zulässt, geht laut "SZ" auf die Initiative von Menschenrechtsgruppen und anderen Organisationen zurück. Als prominentester Unterstützer in der Bundesregierung gilt Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP). Schon als Gesundheitsminister hatte er die deutschen Hersteller von Thiopental aufgefordert, das Mittel nicht an die USA zu verkaufen. Nach seinem Wechsel ins Wirtschaftsressort setzte er sich bei der EU-Kommission für eine Exportkontrolle von Thiopental ein.
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