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Ägypten Christen Anschlag Krawalle panorama 2011-0103
  Foto: AFP, AFP
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Anschlag auf koptische Christen: Extremistengruppe hinter Attentat vermutet

zuletzt aktualisiert: 23.01.2011 - 15:30

Kairo (RPO). Das ägyptische Innenministerium hat eine im Gazastreifen ansässige Extremistengruppe für den tödlichen Anschlag auf Christen in Alexandria verantwortlich gemacht. Es gebe "überzeugendes Beweismaterial", wonach die der Al Qaida nahestehende Gruppierung Armee des Islams für die Planung und Ausführung des Angriffs verantwortlich sei, erklärte Innenminister Habib el Adli am Sonntag bei einer Rede vor Präsident Husni Mubarak, Kabinettsministern und ranghohen Polizisten in Kairo.

Bei dem Selbstmordanschlag vor einer Kirche waren in der Silvesternacht mindestens 21 Menschen getötet und rund 100 weitere verletzt worden. Die Armee des Islams wies die ägyptischen Vorwürfe auf einer Website für Dschihadisten zurück. Die Gruppe rekrutierte nach Andeutungen El Adlis Ägypter für den Anschlag. Wie aus Sicherheitskreisen verlautete, sind mindestens fünf ägyptische Staatsbürger im Zusammenhang mit dem Anschlag in der Silvesternacht festgenommen worden. Die Verdächtigen hätten gegenüber den Ermittlern ausgesagt, von der Armee des Islams kontaktiert und schließlich rekrutiert worden zu sein.

Nach dem tödlichen Anschlag in Alexandria war der Verdacht auf eine der Al Qaida nahestehende Organisation gefallen. Der irakische Zweig des Terrornetzwerks hatte Christen im Irak und in Ägypten mit Anschlägen gedroht, nachdem zwei Frauen daran gehindert worden waren, vom koptischen Christentum zum Islam überzutreten. Die Hinweise darauf, dass es sich bei der für den Anschlag verantwortlichen Gruppierung um eine im Ausland ansässige handelt, stützen das Argument ägyptischer Behörden, wonach die Angriffe auf Christen im Land nicht auf sektiererisch motivierte Gewalt zurückzuführen seien.

Gruppe verfolgt Ideologie des Dschihads

Die Armee des Islams verfügt nach Schätzungen über mehrere Dutzend Funktionäre, die sich wie die Al Qaida der Ideologie eines globalen Dschihads, eines "heiligen Kriegs", verpflichtet haben. Die extremistische Organisation sonderte sich 2005 von den sogenannten Komitees für den Volkswiderstand ab, die der radikalislamischen Hamas nahestehen sollen. Gegenwärtig soll die Armee des Islams keine Verbindungen zur Hamas haben. Die Hamas führte 2008 eine Razzia gegen die Armee des Islams durch und tötete 13 Mitglieder der Gruppe.

Die im Gazastreifen ansässige Armee des Islams wird hinter der Entführung eines israelischen Soldaten 2006 und eines Journalisten des britischen Senders BBC vermutet. Im vergangenen Jahr wurden bei israelischen Luftangriffen drei Mitglieder der Extremistengruppe getötet. Israel warf den Männern vor, Anschläge auf Israelis und US-Bürger auf der ägyptischen Halbinsel Sinai geplant zu haben.

In einer Ansprache äußerte sich Präsident Mubarak zuversichtlich, dass seine Regierung "über den Terror triumphieren" werde. Er werde sich um Einheit unter Ägyptern bemühen und sektiererische Handlungen nicht dulden. In Ägypten sind rund zehn Prozent der 80 Millionen Einwohner Christen. In seiner Rede reagierte Mubarak auf Forderungen des Westens, die Christen im Nahen Osten zu schützen. Papst Benedikt XVI. hatte Ländern im Nahen Osten vorgeworfen, nicht-muslimische Menschen zu unterdrücken. Daraufhin zog Kairo seinen Botschafter aus dem Vatikan ab. "Der Schutz von Ägyptern, allen Ägyptern, ist unsere Pflicht", sagte Mubarak am Sonntag.

Quelle: apd/awei

 
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