Grenzübergreifende Ermittlungen: Fall Litvinenko: Interpol schaltet sich ein
zuletzt aktualisiert: 12.12.2006 - 14:23Moskau (RPO). Im Fall des vergifteten russischen Ex-Spions Alexander Litvinenko ermittelt nun auch Interpol. Die internationale Polizeiorganisation hat sich eingeschaltet, weil der Fall mittlerweile in mehreren Ländern untersucht wird. Sie will sicherstellen, dass alle Informationen ausgetauscht werden.
Das teilte der Chef von Interpol in Russland, Timur Lachonin, am Dienstag in Moskau mit. Der internationalen Polizeiorganisation gehören 186 Länder an.
Der Verdacht auf eine Polonium-Vergiftung bei einer vierköpfigen Hamburger Familie hat sich bislang nicht bestätigt. Am Dienstagmorgen gab das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) vorerst Entwarnung. Die Exfrau des Litvinenko-Kontaktmanns Dimitrij Kovtun, ihre zwei kleinen Kinder und ihr Lebensgefährte seien nicht durch Polonium 210 gesundheitlich gefährdet worden, sagte Einsatzleiter Gerald Kirchner. Die Sonderkommission "Der Dritte Mann" setzte unterdessen ihre Untersuchungen in den mit Polonium kontaminierten Häusern in Hamburg und Pinneberg fort.
Bei der erneuten Untersuchung der Familie seien keine Spuren für eine Verstrahlung gefunden worden, sagte Strahlenexperte Kirchner dem Inforadio des RBB. "Nach dem bisherigen Stand unserer Ermittlungen können wir jede Gefahr für die betroffenen vier Personen definitiv ausschließen", betonte er. Es sei eine reine Vorsichtsmaßnahme gewesen, die Betroffenen am Montagnachmittag in ein Krankenhaus zu bringen. Das Ergebnis der Urinproben liege zwar noch nicht vor, aber ein Gesundheitsrisiko sei ausgeschlossen, da die in der Wohnung der Familie gefundene Strahlung sehr gering gewesen sei.
Laut eines Krankenhaussprechers muss 24 Stunden lang Urin der Betroffenen gesammelt werden, das dann für Spezialuntersuchungen an das BfS geschickt werde. "Diese Untersuchungen werden allerdings drei Tage dauern", sagte Kliniksprecher Jens Bonnet. Normal seien sogar acht Tage. Ihm sei nicht bekannt, dass die vier Patienten irgendwelche Symptome zeigten, die auf eine mögliche Vergiftung hindeuten könnten.
Sonderkommission konzentriert sich auf Pinneberger Haus
Die Untersuchungen der Sonderkommission "Der Dritte Mann" sollten sich am Dienstag vor allem auf Kovtuns ehemalige Schwiegermutter und ihr Haus im Kreis Pinneberg konzentrieren. Dort würden die Ermittlungen eventuell noch bis Mittwoch andauern, sagte Polizeisprecher Ralph Meyer. Er gehe auch davon aus, dass sich die Frau selber noch einmal einem Scan unterziehen müsse. "Äußerlich hatte sie nichts, aber wenn sie Polonium im Körper haben sollte, könnte es theoretisch möglich sein, dass sie beim ersten Test nichts abgegeben hat", erklärte Meyer. Beispielsweise, weil sie zuvor geduscht hatte.
Abschließen würden die Ermittler am Dienstag laut Meyer voraussichtlich ihre Untersuchungen in dem Wohnhaus in Hamburg Ottensen, in dem die ersten Polonium-Spuren gefunden worden waren. Dienstag oder Mittwoch könnten dann wohl auch die rund 30 Bewohner wieder nach Hause zurückkehren. Nach wie vor bestehe für sie keinerlei gesundheitliches Risiko. "Das sonstige Haus war frei gemessen worden", sagte Meyer.
Lediglich die Wohnung von Kovtuns Exfrau Marina W. habe Polonium-Spuren aufgewiesen und müsse dekontaminiert werden, sagte der Polizeisprecher. Über den genauen Umfang dieser Aktion müsse noch beraten werden. "Einige Dinge werden gewaschen, andere als Sondermüll entsorgt", erläuterte Meyer.
Vor seinem Treffen mit dem russischen Exspion Alexander Litvinenko am 1. November in London hatte sich Kovtun einige Tage in Hamburg aufgehalten. In welcher Form Kovtun die radioaktive Strahlung nach Hamburg gebracht hat, ist noch unklar. In die Ermittlungen zur Ermordung von Litvinenko hat sich jetzt auch die internationale Polizeibehörde Interpol eingeschaltet, wie die russische Nachrichtenagentur Interfax am Dienstag berichtete.
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