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Evangelikale Christen
Diese deutschen Flüchtlinge leben seit acht Jahren in den USA

Familie Romeike: Diese deutschen Flüchtlinge leben seit acht Jahren in den USA
2008 beantragte die deutsche Familie Romeike in den USA Asyl. FOTO: J.C. Photography
Hunderttausende Flüchtlinge fliehen nach Deutschland – doch eine deutsche Familie bekam 2010 in den USA Asyl. Die Eltern wollten ihre Kinder weiter zuhause unterrichten. Uwe Romeike sagt heute: "Wir waren in Deutschland nicht willkommen." Von Sebastian Dalkowski

Für viele Flüchtlinge ist Deutschland das Land, in dem sie sich ein neues Leben aufbauen oder zumindest Schutz vor Verfolgung finden wollen. Doch es gibt auch Deutsche, die sich in ihrer Heimat verfolgt fühlen und deshalb im Ausland Asyl beantragen. Österreich verzeichnete 2014 einen Asylantrag eines Deutschen, 2013 sogar drei. Gewährt wurde keiner. In der Schweiz waren es 2014 immerhin neun Asylgesuche. Auch von diesen wurde keines anerkannt.

Mehr Erfolg hatte eine deutsche Familie aus Baden-Württemberg. Sie floh bereits 2008 in die USA (im selben Jahr wurde fünf Deutschen Asyl in den USA gewährt), um Asyl zu beantragen – und lebt dort bis heute.

Die Polizei brachte die Kinder zur Schule

Der Pianist und Klavierlehrer Uwe Romeike und seine Frau Hannelore haben sieben Kinder im Alter zwischen 3 und 19 Jahren. Sie wohnen in Morristown, einem Ort in Tennessee – und sie sind evangelikale Christen, sehr konservative Gläubige also, die ihr Leben stark nach der Bibel ausrichten. Unter ihnen sind auch Strömungen, die die Bibel wortwörtlich nehmen, christliche Fundamentalisten.

Der Glaube ist auch der Grund, weshalb sie Deutschland vor sieben Jahren verlassen und bis heute nicht wieder betreten haben. Weil die Eltern überzeugt sind, dass das deutsche Bildungssystem Werte vermittelt, die gegen ihre Auslegung des christlichen Glaubens verstoßen, nahmen sie ihre Kinder eines Tages von der Schule. Doch Heimunterricht ist in Deutschland nicht erlaubt, und so kam es bald zu Problemen mit den Behörden, so wie evangelikale Christen in Deutschland immer wieder mit dem Gesetz aneinandergeraten, weil sie ihre Kinder zuhause unterrichten wollen. Schließlich brachte die Polizei die Kinder zur Schule, die Romeikes mussten Geldstrafen zahlen. Nach Aussage von Uwe Romeike bestand schließlich sogar die Gefahr, dass das Jugendamt die Kinder ohne richterlichen Beschluss aus der Familie nimmt. Das gab für die Familie den Ausschlag, Deutschland zu verlassen und in den USA Asyl zu beantragen als Mitglieder einer vermeintlich verfolgten Gruppe: derjenigen nämlich, die ihre Kinder zuhause unterrichten wollen. In den USA ist das "homeschooling" erlaubt und weitverbreitet, besonders unter Evangelikalen.

Theoretisch kann die Familie weiterhin abgeschoben werden

2010 gewährte ihnen tatsächlich ein US-Gericht Asyl. Der Richter entschied, dass die Familie Verfolgung in ihrer Heimat zu befürchten habe. Die Entscheidung wurde zwar später gekippt – doch die Familie hatte Glück. Das Justizministerium ordnete an, dass die Familie nicht abgeschoben wird, in den USA also geduldet wird. "Es ist theoretisch möglich, dass dieser Status aufgehoben wird, aber es gibt keinen Grund davon auszugehen, dass das passiert", sagt ihr Anwalt Mike Donnelly, der für die "Home School Legal Defense Association" arbeitet, eine christliche Lobbygruppe.

Dass aktuell gerade Deutschland ein Land ist, in dem Menschen Schutz vor Verfolgung suchen, bestreitet Uwe Romeike zwar nicht, aber er sagt: "Wir waren in Deutschland nicht willkommen." Und er fügt hinzu: "Wir wollten doch nur unsere Kinder in Frieden zuhause unterrichten." Dass 1919 erstmals die Schulpflicht für ganz Deutschland festgeschrieben und seitdem nicht mehr abgeschafft wurde, lässt er nicht gelten: "Unsere Kinder zuhause zu unterrichten, ist unser Recht als Eltern."

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