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RP-Reporter Frank Herrmann in USA festgenommen
"Völlig absurde Vorwürfe"

Ferguson: RP-Reporter Frank Herrmann in USA von Polizei festgenommen
Frank Herrmann berichtet seit Januar 2007 aus den USA. FOTO: RP
Seit Jahren berichtet unser Korrespondent Frank Herrmann aus den USA. Völlig überraschend hat ihn nun die US-Polizei festgenommen. Frank Herrmann hatte in Ferguson wegen der Rassenunruhen recherchiert. Drei Stunden saß er in Haft. Nach seiner Freilassung zeigt er sich fassungslos. Von Philipp Stempel

"Etwas Aufregenderes habe ich selten erlebt", sagte unser langjähriger USA-Korrespondent Frank Herrmann einmal in einem Leser-Interview über den US-Wahlkampf 2008. Seit dem Montagnachmittag dürfte sich seine Rangfolge wegen eines Ereignisses am Montag verschoben haben: Bei Recherchen in Ferguson, Missouri, wurde er völlig überraschend von der Polizei festgenommen, mit Handschellen gefesselt und drei Stunden lang ohne erkennbaren Grund festgehalten.

Zusammen mit Ansgar Graw, dem Korrespondenten der Welt, hatte Herrmann die Straße West Florissant Avenue besucht, die Straße, auf der es in den vergangenen Tagen zu Unruhen gekommen war. Auslöser der Spannungen: ein weißer Polizist hatte den dunkelhäutigen Michael Brown erschossen. Nachts flogen dort insbesondere am Wochenende Steine und Molotow-Cocktails, es kam zu Straßenschlachten mit der Polizei.

Wie Herrmann in seiner Reportage schildert, wollten die Journalisten dort am frühen Nachmittag fotografieren. Die Stimmung vor Ort: angespannt. Auch bei den Polizisten. Sein Kollege Graw beschreibt ein Wortgefecht. "Alle Journalisten müssen sich schämen. Sie alle stellen die Ereignisse hier völlig falsch dar", sei ihn ein Beamter angegangen. Die Lage auf der Straße sei aber ruhig gewesen. Nichts habe auf Gewalt oder eine Zusammenrottung hingewiesen.

Frank Herrmann ist ein seriöser, erfahrener Journalist. Seit dem Januar 2007 arbeitet er in den USA, zuvor war er sieben Jahre in London, davor lange im Nahen Osten tätig. Seine Berichte und Reportagen sind stets mit Bedacht formuliert, wie nur wenige andere kann er mit zielsicheren Worten stilsicher eine Atmosphäre beschreiben. Seine Recherchen sind Musterbeispiele für gewissenhafte Recherche und Ausgewogenheit.  Dass ausgerechnet einer wie er im Umgang mit der US-Polizei provoziert oder auch nur unnötig etwas riskiert, erscheint undenkbar.

US-Polizei nimmt Journalisten in Ferguson fest FOTO: afp, jr/ma

Dennoch kam es in der angespannten Lage zur Konfrontation mit der Polizei. Laut Graw wollten die Beamten die beiden Journalisten verscheuchen. Fotos seien gestattet worden, aber nur unter der Auflage, ständig in Bewegung zu bleiben. Am östlichen Ende der Straße habe man alle Journalisten sammeln wollen. "Wenn Sie einmal stehen bleiben, werden Sie verhaftet!"

Während Herrmann und Graw fotografierten, kam es zur Verhaftung. Drei Stunden lang wurden sie festgehalten und mit einem Transporter ins Gefängnis befördert. Alle Besitzgegenstände habe man abgeben, die Hosentaschen entleeren müssen. Dreimal seien sie durchsucht worden. Nach drei Stunden wurden sie wieder entlassen.

Um 2.47 Uhr erreichte unsere Redaktion die erste E-Mail von Frank Herrmann. "Habe heute drei Stunden in einem Polizeigefängnis in St. Louis verbracht, wegen völlig bizarrer Vorwürfe", leitet unser Kollege sein Schreiben ein, in dem er den Vorfall nüchtern schildert.

Kein Einzelfall

Zusammen mit seinem Kollegen zeigt er sich überzeugt: Dies war ein Angriff auf die Pressefreiheit. "Die Polizei wollte verhindern, dass wir unseren Auftrag, über die Vorgänge in Ferguson zu recherchieren, erfüllen können", sagt Graw. Herrmann wirft der Polizei vor, sie habe die Reporter einschüchtern und von ihrer Arbeit abhalten wollen.Den Vorwurf, sie hätten einer Aufforderung der Polizei nicht Folge geleistet, bezeichnet er als völlig absurd.

Das Vorgehen der Polizei gegen Journalisten ist bereits in den vergangenen Tagen kritisiert worden. Zwei Reporter waren etwa in einem Fast-Food-Restaurant festgenommen worden, darunter ein Journalist der "Washington Post". Ein Kamera-Team soll von der Arbeit abgehalten worden sein. Am Montag wurde neben Herrmann und Graw auch der Getty-Fotograf Scott Olson festgenommen. Die Aktion der Polizei ist in einer Bilderstrecke dokumentiert.

Lukas Hermsmeier wieder auf freiem Fuß

Am Dienstag wurde auch der "Bild"-Reporter Lukas Hermsmeier bei einem Einsatz während der Proteste in der US-Kleinstadt Ferguson von der Polizei festgenommen. Hermsmeier (26) befinde sich an einem unbekannten Ort und solle in das Gefängnis von St. Louis gebracht werden, teilte "Bild" zunächst am Dienstag mit. Inzwischen sei Hermsmeier aber wieder auf freiem Fuß. Das bestätigte am Dienstagnachmittag das Medienhaus Axel Springer in Berlin.

Seit den tödlichen Schüssen auf einen schwarzen Teenager kam es in Ferguson immer wieder zu Protesten und Unruhen.

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