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Wie die Menschen sich retten: Feuer in Kalifornien - "Einfach nur schaurig"

VON MICHAEL SCHULTE - zuletzt aktualisiert: 24.10.2007 - 14:46

Los Angeles (RPO). Das Feuer in Südkalifornien wütet mit unverminderter Stärke. Starke Winde fachen es immer wieder an. Das Krisenmangement steht bereits in der Kritik. Vor allem die Menschen in den Bergen seien nicht rechtzeitig vor den Flammen gewarnt worden, schreibt die Zeitung "Los Angeles Times". Blogger berichten im Internet von dramatischen Rettungsaktionen.

Das Ausmaß der Waldbrände im US-Bundesstaat Kalifornien übersteigt alle Befürchtungen. Behörden sprechen von der schlimmsten Brandkatatastrophe und den umfangreichsten Evakuierungen aller Zeiten in Kalifornien. Mehr als eine halbe Millionen Menschen sind seit Dienstag auf der Flucht vor den Flammen, rund 1300 Häuser und knapp 170.000 Hektar Land sind bereits verbrannt. Mindestens ein Mensch kam bislang ums Leben, 45 wurden verletzt.

Die Feuerwehr räumte ein, dass sie die seit Sonntag wütenden Waldbrände in Südkalifornien nicht unter Kontrolle bringen kann, solange der heftige Ostwind andauert. Das Feuer habe eine so große Ausbreitung erreicht, dass es bis zum Pazifik vorstoßen werde, sagte der Feuerwehrchef von San Diego, Kirk Humphries. "Wir können einiges retten, aber wir können es nicht stoppen."

Von einer dramatischen Rettungsaktion auf einer Tierfarm berichtete Times-Blogreporter Dave McKibben. Die Farmbesitzer in Carlsbad, einem Städtchen nördlich von San Diego, trieben mehr als 100 Tiere auf die Straße, auf der Suche nach einem sicheren Ort für ihre Affen, Känguruhs und Lamas. „Ich dachte, meine Augen spielen verrückt“, erzählt McKibben. Noch nie habe er einen Zoo auf der Flucht gesehen.

Über einen Mann, der die wertvollen Wasservorräte im chronisch trockenen Kalifornien rettete, schrieb Louis Sahagun. Ric Mull, Manager eines örtlichen Versorgungsunternehmens, ging in die leeren Häuser einer Siedlung bei San Bernardino und drehte überall die Wasserhähne zu. „Aus Panik vor dem Feuer ließen die Bewohner das Wasser einfach laufen“, so der 51-Jährige. Fast zwei Millionen Liter Wasser seien in den vergangenen Tagen auf diese Weise verloren gegangen. Das Wasser könnte an anderer Stelle beim Löschen fehlen.

Eine Frau weigerte sich, ihr Haus in Carmel Valley (bei San Diego) zu verlassen. Sie wollte offenbar erst noch die Fensterläden abstauben, berichtet H.G. Reza. „Ich konnte sie davon überzeugen, dass es eine gute Sache wäre, das Haus später zu putzen“, sagte die Tochter der Hausbesitzerin, Ying Huang.

Mit Schrecken erinnert sich der Bewohner eines Altenheims in San Diego, wie sich die Feuerwalze näherte. „Es war einfach nur schaurig“, blickt Don Jenkinson zurück. „Ich sollte meine Medikamente, meinen Ausweis und ein paar Anziehsachen mitnehmen“, so der 75-Jährige. Rettungskräfte evakuierten Jenkinson und die anderen Heimbewohner in Bussen, schreibt Ari Bloomekatz.

"Wie in Bagdad, es schießt nur keiner"

Die US-Navy-Piloten James Cluxton and Don Garcia halfen mit einem Hubschrauber bei den Löscharbeiten südlich von San Diego. „Aus der Luft sieht es aus wie in Bagdad, es schießt nur keiner“, sagten die beiden dem Blogreporter Bloomekatz.

Im Küstenort Del Mar (nördlich von San Diego) ergriff eine Urlauberin die Flucht, als sich schwarzer Russ über den Swimmingpool legte. Doren McClure tauschte zu dem Zeitpunkt mit anderen Gästen in der Lobby des Vier-Sterne-Hotels „L’Auberge“ Informationen über das Feuer aus, berichtet Sonia Nazario.

Eine Entspannung der Lage ist bislang nicht in Sicht, die Meteorologen sagen weiter steigende Temperaturen und anhaltenden Wind vorher. In den Bezirken Orange und San Diego wurden am Dienstag mehr als 37 Grad gemessen, der Santa-Ana-Wind erreichte in Böen Geschwindigkeiten von mehr als hundert Kilometern in der Stunde.

US-Präsident Bush reist in die Krisenregion

Das US-Verteidigungsministerium schickte Truppen und Feuerwehrausrüstung nach Kalifornien, um die Feuerwehr zu unterstützen. Außerdem wurden Hilfsgüter zur Versorgung der Evakuierten geschickt, wie das Pentagon am Dienstag mitteilte.

US-Präsident George W. Bush will die Region am Donnerstag besuchen. Er rief den Bundesnotstand in den sieben betroffenen Bezirken aus, was eine beschleunigte Katastrophenhilfe ermöglicht. "Die ganze Nation ist besorgt um die Familien, die ihre Häuser verloren haben oder evakuiert wurden", sagte Bush. Kaliforniens Gouverneur Arnold besuchte Opfer und Einsatzkräfte in der Krisenregion im Süden des Bundesstaates.


 
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