Entwarnung in London: Feuerwehr kämpft Flammen nieder
zuletzt aktualisiert: 14.12.2005 - 08:43Hemel Hempstead/Berlin (rpo). Die Londoner Feuerwehr hat zwei Tage nach der Explosion im britischen Treibstofflager Buncefield die Brände in allen 20 Tanks gelöscht. Nach Angaben des Feuerwehrchefs Roy Wilsher stünden legiglich noch kleine Betoncontainer und einzelne Ölpfützen in Brand.
Nach Polizeiangaben gab es keinerlei Anzeichen auf Brandstiftung. Die durch den Großbrand ausgelöste Rauchwolke zog entlang der französischen Atlantikküste in Richtung Spanien. Als Konsequenz aus dem Unglück sollen Fachleute in Deutschland prüfen, ob die Brandsicherheit von Tanklagern verstärkt werden muss.
Für die fast 60 Stunden dauernden Löscharbeiten wurden insgesamt mehr als 600 Feuerwehrleute eingesetzt. Viele von ihnen sollten noch einige Tage am Brandort im Ballungsgebiet nahe der Ortschaft Hemel Hempstead bleiben, um die Abkühlung rund um den Brandherd zu überwachen und ein Wiederaufflammen des Feuers zu verhindern. Bei dem Großeinsatz wurden bis Dienstag mehr als 250.000 Liter Löschschaumkonzentrat sowie 15 Millionen Liter Wasser eingesetzt.
Der französische Ölkonzern Total, der das Treibstofflager zusammen mit dem US-Konkurrenten Texaco betreibt, schätzte die Kosten für die Reinigung des Brandorts auf 7,5 bis 10 Millionen Euro. Für den Wiederaufbau der Tanks wurden 37 Millionen Euro veranschlagt. Die Kosten für die in Flammen aufgegangenen Treibstoffreserven belaufen sich Schätzungen zufolge auf 52 Millionen Euro. Die Schadensschätzung der im Industriegebiet von Hemel Hempstead angesiedelten Unternehmen stand noch aus. Die Firma Scottish and Newcastle gab bereits bekannt, in ihrem durch die Explosion zerstörten Lager seien Wein und Spirituosen im Wert von 15 Millionen Euro zerstört worden.
Die schwarze Rauchwolke machte den Anwohnern, insbesondere Asthamkranken und älteren Menschen zu schaffen, zumals sie bei fortschreitender Bekämpfung der Flammen niedriger am Himmel stand. Die örtlichen Gesundheits- und Umweltbehörden gaben dennoch teilweise Entwarnung. Bisherige Stichproben hätten ergeben, dass die Rauschschwaden lediglich Ruß und Kohlenstoffpartikel, aber keine Chemikalien enthielten, hieß es. Michael Clarke, ein Wissenschaftler bei der Behörde für öffentliche Gesundheit (HPA), sagte der Nachrichtenagentur AFP, über kurze Zeitabschnitte sei die Umweltverschmutzung erheblich gewesen. Alle Werte befanden sich seinen Angaben zufolge jedoch unter dem zulässigen Limit.
Rauchwolke brigt keine Gesundheits-Gefahr
Die französischen Behörden empfahlen Menschen mit Atemwegsbeschwerden, angesichts der Rauchschwaden unnötige Aufenthalte im Freien zu vermeiden. Überhöhte Luftbelastung sei aber nirgends in Frankreich gemessen worden. Die spanischen Behörden erklärten, die Qualmwolken würden ihr Gebiet nur "äußerst verdünnt" erreichen.
Nach Angaben des Bundesumweltministeriums soll die deutsche Kommission für Anlagensicherheit untersuchen, ob es "Handlungsbedarf für deutsche Tanklager" gibt. Dabei fragte Ressortchef Sigmar Gabriel (SPD) unter anderem nach möglicherweise notwendigen Gesetzesänderungen. Für die Überwachung solcher hochexplosiver Lager sind allerdings den Angaben zufolge allein die Bundesländer zuständig.
In dem 40 Kilometer nordwestlich von London gelegenenen Treibstofflager, dem fünftgrößten in Großbritannien, war am Sonntagmorgen nach mehreren Explosionen ein Großbrand ausgebrochen. Dabei wurden 43 Menschen verletzt, einer von ihnen schwer. Als Unglücksursache vermuten die Ermittler weiter einen Unfall.
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