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Fitness-Pflicht für Gesetzeshüter
Malaysias Polizisten sind zu dick

Fitness-Pflicht für Gesetzeshüter: Malaysias Polizisten sind zu dick
"Polizisten müssen präsentabel sein, wir müssen laufen können und Festnahmen machen", betont Verwaltungsdirektor Zulkifli. FOTO: afp, MV/RAB
Kuala Lumpur. Rund 11.000 ihrer 122.000 Polizisten sind nach Angaben der königlich-malaysischen Polizeitruppe zu dick - was Millionenverluste durch krankheitsbedingte Fehlzeiten verursacht. Jetzt sollen sie abspecken. 

Mohamad Ra'ayim Jemahir kommt schwer ins Schwitzen. Der malaysische Polizist bringt 102 Kilogramm auf die Waage und tritt neuerdings auf einem Heimtrainer in die Pedale - im Rahmen eines von oben verordneten Fitnessprogramms, um effektiver zu arbeiten und das Image der Sicherheitskräfte zu verbessern.

Gestartet wurde das Schlankheitsprogramm im Januar von der Führung in der Hauptstadt Kuala Lumpur. Polizeichef Khalid Abu Bakar warnte seine Ordnungshüter, von nun an werde vor Beförderungen die Fitness getestet. Drei Dutzend Polizisten nehmen seither an dem freiwilligen Programm mit täglichem Training und maximal 2000 Kalorien pro Tag teil. In sechs Monaten sollen sie per Heimtrainer, Laufband und Kraftsport zehn Prozent Gewicht verlieren.

Viele Beamte leiden an Diabetes und hohem Blutdruck

Ra'ayim möchte 16 Kilogramm abnehmen. Sein größtes Problem sei das fette, scharfe malaysische Essen, das er im Büro aus Gewohnheit in sich hinein schaufelte, erzählt der 40-Jährige: "Vorher aß ich, ohne nachzudenken, ich aß, sobald ich Essen sah. Jetzt esse ich nur, wenn es nötig ist." Freilich gibt es den Doughnut-schlingenden, Kaffee-schlürfenden Polizisten mit allzu enger Uniform nicht nur in Malaysia. Doch hat die Fettleibigkeit in dem südostasiatischen Land beängstigend zugenommen.

Verwaltungsdirektor Zulkifli Abdullah zufolge leiden immer mehr Polizeibeamte an Diabetes und hohem Blutdruck. Durchschnittlich 560 Polizisten meldeten sich täglich krank, was in den vergangenen vier Jahren Kosten von umgerechnet 8,4 Millionen Euro verursacht habe. Hinzu kämen allein 2015 rund 200 Todesfälle wegen gewichtsbedingter Ursachen wie Herzinfarkten und Diabetes.

Fitness-Programm soll auf das ganze Land ausgeweitet werden

Solche Probleme haben in Malaysia nicht nur die Gesetzeshüter: Untersuchungen zufolge sind fast die Hälfte der rund 30 Millionen Einwohner übergewichtig. Jahrzehnte wirtschaftlichen Erfolgs sorgten für Lebensmittel im Überfluss und einen bewegungsärmeren Lebensstil. Hinzu kommt die Vorliebe für kohlenhydratreiche Reis- und Nudelgerichte, frittiertes Huhn, zuckerhaltige Getränke und Currygerichte in Kokosmilch.

Das bisher auf Kuala Lumpur beschränkte Programm soll möglichst auf das ganze Land ausgeweitet werden. Schließlich machen wohlbeleibte Polizisten das ohnehin schon schlechte Image der korrupten Polizei nicht besser. Der Regierung wird seit langem vorgeworfen, politische Gegner mit Hilfe der Sicherheitskräfte zu unterdrücken, immer wieder sterben Häftlinge unter verdächtigen Umständen in Polizeigewahrsam.

"Ein übergewichtiger Polizist ist nicht so produktiv wie ein schlanker, fitter Polizist."

Zudem müssten gerade die Ordnungshüter mit gutem Beispiel vorangehen: "Polizisten müssen präsentabel sein, wir müssen laufen können und Festnahmen machen", betont Verwaltungsdirektor Zulkifli. "Ein übergewichtiger Polizist ist nicht so produktiv wie ein schlanker, fitter Polizist."

Schlank will auch der 28-jährige Suresh Mariah werden, der zurzeit 111 Kilogramm auf die Waage bringt. Seit einem Kreuzbandriss vor ein paar Jahren sei sein Gewicht explodiert, räumt er ein, nicht zuletzt wegen seines Leibgerichts Nasi Lemak - Reis in Kokosmilch mit gebratenem Ei, frittierten Sardellen und gerösteten Erdnüssen. Bis zu seiner Hochzeit im März will er 20 Kilogramm abnehmen. "Ich schäme mich wegen meines Gewichts", bekennt er.

Seine 37-jährige Kollegin Zauyah Abdul Rahman setzt auf eine Haferflocken-Diät. Von ihren 86 Kilogramm möchte sie zehn loswerden, um in ihrer Uniform gut auszusehen, wie sie betont. "Außerdem will ich befördert werden."

(gol/AFP)
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