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Flüchtlinge auf Kos
Hitze, Dreck, Warten

Flüchtlingselend auf Kos
Flüchtlingselend auf Kos FOTO: ap
Kos. Mindestens 5000 Flüchtlinge campieren auf der griechischen Insel Kos und warten dort auf die Papiere für ihre Weiterreise in andere EU-Länder. Die völlig überforderten Inselbehörden haben die Menschen in einem alten Fußballstadion ohne Schatten und sanitäre Einrichtungen untergebracht. Nach Angaben von Hilfsorganisationen und Flüchtlingen geht die Polizei zunehmend brutal vor.

Der Strom von Flüchtlingen auf Kos reißt nicht ab. Am Mittwochmorgen setzten erneut Dutzende Flüchtlinge in mindestens zwei Schlauchbooten von der Türkei aus nach Psalidi nahe der Inselhauptstadt Kos über, wie die Behörden mitteilten.

Auf Kos campieren bereits Tausende Flüchtlinge unter besorgniserregenden Bedingungen. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen zeigte sich auch besorgt über die zunehmend grobe Vorgehensweise der Polizei.

Die Inselbehörden sind völlig überfordert von dem Flüchtlingsstrom, den es in dieser Größenordnung noch nie zuvor gegeben hat. Mindestens 5000 Flüchtlinge sitzen in Kos fest, weil es mit der Registrierung nicht voran geht. Diese ist aber erforderlich, damit die Migranten die nötigen Papiere für die Weiterreise in Richtung anderer EU-Länder bekommen.

Campieren im Fußballstadion ohne Schatten

Am Montag haben die Behörden der Insel damit begonnen, die auf öffentlichen Plätzen campierenden Flüchtlinge in einem alten Fußballstadion unterzubringen. Dieses dient mittlerweile als Hauptanlaufzentrum, wo sich die Migranten auch registrieren lassen können. Dort gibt es allerdings keinen Schatten und keine sanitären Einrichtungen. Am Dienstag hatte die Polizei unter Einsatz von Feuerlöschern und Stöcken Migranten auseinandergetrieben, die während der Wartezeit auf die Registrierung in Streit geraten waren.

Ärzte ohne Grenzen versorgt die Flüchtlinge medizinisch. Die Polizei gehe zunehmend grob mit den verletzlichen Flüchtlingen um, kritisierte Einsatzleiter Brice de le Vigne am späten Dienstag. Auch Flüchtlinge berichteten, Beamte würden Kinder und Erwachsene schlagen. Das Stadium dürfe niemand verlassen, berichtete der syrische Flüchtling Laith Saleh der Nachrichtenagentur AP telefonisch. "Die Lage hier ist sehr schlecht", sagte er.

Schlechte Bedingungen halten Flüchtlinge nicht ab

Nach Meinung von De le Vigne bieten die Inselbehörden keine besseren Bedingungen, weil sie glauben, dass damit andere Flüchtlinge von einer Reise zur Insel abgeschreckt werden. "Doch die Wahrheit ist, dass Menschen, die vor Krieg flüchten, trotzdem kommen werden (...)", sagte er. Die meisten der Flüchtlinge, die illegal nach Kos gelangen, stammen aus dem Bürgerkriegsland Syrien.

Ein Boot der italienischen Küstenwache brachte am Mittwoch auch 50 Menschen nach Kos, die auf See gerettet worden waren.

Griechenland steckt in seiner schwersten Wirtschafts- und Finanzkrise seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Das Euro-Land hat sich zu Europas größtem Anlaufhafen für Bootsflüchtlinge entwickelt, nachdem die Alternativroute über Libyen nach Italien wegen der Kämpfe in dem nordafrikanischen Land immer gefährlicher geworden war.

Allein in den ersten sieben Monaten dieses Jahres haben nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks etwa 124.000 Flüchtlinge und Migranten Griechenland per Schiff erreicht. Das sei ein Anstieg von 750 Prozent im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2014, hieß es.

(ap)
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