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Griechische Insel
Urlauber beschweren sich über Flüchtlinge auf Kos

Flüchtlinge auf der griechischen Urlaubsinsel Kos
Flüchtlinge auf der griechischen Urlaubsinsel Kos FOTO: ap
Athen. Auf griechischen Urlaubsinseln krachen Welten schmerzhaft aufeinander. Auf Kos hat die Küstenwache in den vergangenen Tagen Hunderte Flüchtlinge aus dem Wasser geholt. Auf den Straßen werden Touristen aus dem reichen Europa mit ihrem Elend konfrontiert. Manche Urlauber ärgert das.

Sie stranden zu Tausenden. Die griechischen Behörden ziehen fast täglich Flüchtlinge aus dem Meer. Die meisten sind aus Syrien und Afghanistan geflohen. Ihr Leben ist ein Provisorium.

Die Behörden der kleinen Inseln sind überfordert. Die geflohenen Menschen richten sich dort irgendwie ein, einige werden in einem leerstehenden Hotel untergebracht. Das Gebäude ist bereits hoffnungslos überfüllt, ist zu hören. Darum lagern viele lieber draußen, auf ausgebreiteten Pappen auf der Straße. Dort schlafen Kinder, Kleidung hängt an der Fassade, Decken liegen auf dem Bürgersteig.

Ungewissheit überall

Das gegen den Bankrott kämpfende Griechenland hat die EU bereits um mehr Hilfe gebeten und die Dringlichkeit der Lage klar gemacht. Brüssel hat einen Notfallplan erlassen, der eine solidarische Verteilung der Flüchtlinge in Europa vorsieht. Manche Länder wie etwa Ungarn, Tschechien oder Großbritannien sperren sich.

Während Europas Politik nach einer Lösung sucht, organisieren sich die Flüchtlinge in ihrem Provisorium. Bilder von der Urlaubsinsel Kos zeigen, wie sie in langen Schlangen vor einer Polizeistelle stehen, um sich registrieren zu lassen. Wie es dann weitergeht, vermag im Moment niemand zuverlässig zu sagen.

Direkt gegenüber vom Restaurant ist das Elend

Der Kontrast zu den Touristen, die gleichzeitig auf der Insel Urlaub machen, könnte größer nicht sein. Im Straßenbild ist unmittelbar zu sehen, wie Europas Reichtum auf die Not der Flüchtlinge trifft. Manchen Urlauber stört das, sie sind doch gekommen, um auszuspannen. Stattdessen sehen sie von ihrem Platz im Restaurant direkt gegenüber den Hunger auf den Straßen.

Für manche ein "Alptraum", wie unlängst die "Daily Mail" die Lage britischer Urlauber schilderte. Diese fühlten sich belästigt. Und machen ihrem Ärger auch Luft. Wie etwa die Krankenschwester Anne Servante, die schon seit zehn Jahren nach Kos fährt, um dort auszuspannen. Jetzt aber habe sich die Atmosphäre verändert, moniert sie.

"Wir mögen es nicht"

Die Zustände nennt sie "ekelhaft". Auf Kos sei jetzt alles so dreckig und heruntergekommen. Das sei unangenehm. "Ich werde mich nicht in ein Restaurant sitzen, wo die Leute dich beobachten", zitiert sie das Blatt.

Sie ist nicht die einzige, die klagt. Ein anderes Paar, das zusammen mit seinen Enkelkindern Kos besucht, gab zu Protokoll: "Wir sind zum ersten Mal hier, aber wir mögen es nicht." Sollte es auch im kommenden Jahr so zugehen wie in einem Flüchtlingscamp, werde man nicht wiederkommen.

Das von einer Finanzkrise gebeutelte Griechenland ist neben Italien eines der Haupteinfallstore für Menschen, die auf der Flucht vor Krieg, Verfolgung und Hunger in Europa ein besseres Leben suchen und deshalb in oft kaum seetüchtigen Booten die Fahrt über das Mittelmeer wagen.

Allein in Griechenland kamen in diesem Jahr bislang etwa 30.000 Flüchtlinge an. Athen hatte seine EU-Partner mehrfach um Unterstützung gebeten.

(pst ap)
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