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Medienbericht
Flüchtlinge sollen Geld für Termin in deutschen Botschaften zahlen

Mönchengladbach: Flüchtlinge leben im ehemaligen Aldi
Mönchengladbach: Flüchtlinge leben im ehemaligen Aldi FOTO: Ilgner Detlef
Köln. Viele Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien und dem Irak bezahlen laut einem TV-Bericht zum Teil hohe Summen für einen Termin bei einer Deutschen Botschaft. Das Auswärtige Amt teilte mit, dass sich die Vorwürfe bisher nicht erhärtet hätten.

Konkret gehe es um Termine an den Deutschen Auslandsvertretungen im libanesischen Beirut und im türkischen Ankara, um ein Visum für Familiennachzug zu erhalten, berichtete am Donnerstag das ARD-Magazin "Monitor". Nach Informationen des Magazins sollen auch Botschaftsmitarbeiter an den Deals beteiligt sein.

Nach Aussagen der Flüchtlinge würden für einen einzelnen Termin in einigen Fällen mehr als 1000 Euro an dubiose Händler bezahlt, berichtete "Monitor". Ohne einen solchen Termin hätten Familienangehörige von anerkannten syrischen Flüchtlingen keine Möglichkeit, legal in die Bundesrepublik einzureisen.

Flüchtlinge – erschütternde Bilder aus aller Welt FOTO: afp, MM

Einer der Flüchtlinge gab dem Bericht zufolge an, er habe mehrfach versucht, auf offiziellem Weg einen Termin mit der Botschaft zu vereinbaren. "Das war unmöglich", zitierte das Magazin den Mann. Erfolg habe er erst über einen Terminhändler gehabt. Das Geld sollte er demnach "zur Hälfte in Berlin bezahlen und meine Frau die andere Hälfte in Beirut". Laut dem Bericht ging die Zahlung nach Aussage seiner Frau an einen Mann, "der in der Botschaft gearbeitet" habe.

Anwälte von Flüchtlingen bestätigten laut "Monitor" den Handel mit Botschaftsterminen. So sagte etwa die auf Asylrecht spezialisierte Anwältin Kareba Hagemann, allein sie habe "zirka zehn Mandanten, die mir berichtet haben, dass sie Geld gezahlt hätten, um an einen früheren Termin zu kommen, wo das reguläre Verfahren ihnen zu lange gedauert hat."

Aus diesen Ländern kommen die meisten Einwanderer

Das Auswärtige Amt erklärte "Monitor" zufolge auf Anfrage, jedem Verdacht auf Unregelmäßigkeiten werde nachgegangen. "Bisher konnten in keinem Fall die Vorwürfe erhärtet werden."

Der Geschäftsführer von Pro Asyl, Günter Burkhardt, fordert angesichts der "Monitor"-Recherchen, die "Geschäftemacherei mit Terminen auf Kosten von verzweifelten Flüchtlingen zu unterbinden und die langen Wartezeiten endlich zu beenden". Visumsanträge für Familienzusammenführung sollten künftig "vollständig in Deutschland bearbeitet werden".

Auf regulärem Weg erhalten Flüchtlinge, die in der Türkei einen Termin an einer deutschen Auslandsvertretung beantragen, Zusagen erst ab Frühjahr 2016, wie die deutsche Botschaft in Ankara und das Generalkonsulat in Istanbul auf ihrer Website mitteilen. Ausnahmen sind demnach nur in wenigen Härtefällen möglich. Die eigentliche Bearbeitungszeit für einen Visaantrag beginnt erst nach dem Termin.

(AFP)
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