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Flüchtlingskrise
Helfer stoppen vorerst Rettungsaktionen im Mittelmeer

Flüchtlingskrise: Auf dem Meer mit "Jugend Rettet" auf der Iuventa
Rom. Die libysche Küstenwache hat wiederholt Schiffe von Hilfsorganisationen beschossen. Nach Ärzte ohne Grenzen setzen deshalb auch Save the Children und Sea Eye ihre Rettungseinsätze im Mittelmeer vorerst aus. Sie warnen vor den Folgen.

Ihre Besatzungen könnten nicht länger sicher arbeiten, weil sie von der libyschen Küstenwache bedroht würden, teilten die Organisationen Save the Children und Sea Eye am Sonntag mit. Dadurch würden Menschenleben gefährdet, sagte Rob MacGillivray von Save the Children. Bereits am Samstag hatte Ärzte ohne Grenzen nach derartigen Vorwürfen seine Einsätze gestoppt.

Die Hilfsorganisation warf der libyschen Regierung eine Bedrohung ihrer Seenotretter im Mittelmeer vor. "Nicht wir handeln illegal, sondern die libysche Regierung, wenn sie unseren Mitarbeitern droht, legale Rettungsaktionen in internationalen Gewässern mit Gewalt zu verbieten", sagte der Deutschlandchef der Organisation, Volker Westerbarkey, der "Welt".

"Es werden mehr Menschen im Mittelmeer sterben"

Die libysche Marine hatte am Donnerstag erklärt, ausländische Schiffe dürften die Küste des Landes ohne eine besondere Erlaubnis der libyschen Behörden nicht mehr ansteuern. Daraufhin erklärte Ärzte ohne Grenzen, ihr Schiff "Prudence" werde vorläufig nicht mehr auslaufen. Es ist eines der größten Schiffe von Hilfsorganisationen im Mittelmeer überhaupt. Die Besatzung hatte alleine im Mai 1500 Flüchtlinge aufgenommen.

Westerbarkey sagte der "Welt": "Es werden mehr Menschen im Mittelmeer sterben, weil es weniger Schiffe vor Ort gibt, und es werden mehr Menschen in Libyen inhaftiert bleiben." Das nordafrikanische Land sei "ein Ort der Gesetzlosigkeit, willkürlichen Inhaftierung und extremen Gewalt".

Schüsse auf Schiffe der Hilfsorganisationen

Boote der libyschen Küstenwache hatten am Rande der libyschen Küstengewässer wiederholt auf Schiffe der Hilfsorganisationen geschossen. Die Küstenwache hatte die Schüsse damit erklärt, Kontrolle über die Rettungsaktionen behalten zu wollen. "Grundsätzlich sind wir nicht gegen die Anwesenheit der Hilfsorganisationen, aber wir erwarten von ihnen eine stärkere Zusammenarbeit mit dem Staat Libyen", sagte ein Sprecher der Küstenwache.

Hier kommen Sie zu unserer Reportage von einem Flüchtlingsrettungsboot im Mittelmeer:

Hilfsorganisationen spielen eine zunehmend wichtige Rolle bei der Rettung von Flüchtlingen auf dem Mittelmeer. In diesem Jahr hatten sie mehr als ein Drittel aller Migranten aufgegriffen, 2014 waren es noch weniger als ein Prozent. Über Libyen kommen derzeit die meisten Menschen, die versuchen, über das Mittelmeer in die EU zu gelangen. Bei dem Versuch sterben Tausende.

(wer/REU/afp)
 
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