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Flug MH17
Kämpfe halten Experten von Unglücksstelle fern

Fotos: MH17 - ein Ort wie nach der Apokalypse
Fotos: MH17 - ein Ort wie nach der Apokalypse FOTO: afp, df/MR
Grabowe. Aufgrund einer neuen Militäroffensive der Regierungstruppen in der Ostukraine kommt die internationale Untersuchung am Absturzort der Malaysia-Airlines-Maschine nicht voran. Die Niederlanden entschieden sich dennoch gegen eine Entsendung bewaffneter Soldaten. 

Ein erster Besuch unbewaffneter Polizisten in dem Trümmerfeld sei aus Sicherheitsbedenken abgesagt worden, erklärten die Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa am Sonntag.

Es sei zu gefährlich für eine unbewaffnete Delegation von Donezk aus zu dem Absturzort rund 60 Kilometer östlich der von Separatisten gehaltenen Provinzhauptstadt zu reisen, sagte der stellvertretende Teamleiter Alexander Hug. Sollte sich die Lage ändern, werde es am Montag einen neuen Versuch geben, mit den niederländischen und australischen Experten und Polizisten zum Unglücksort zu gelangen.

Eine solche Entspannung zeichnete sich allerdings nicht ab. Nach Angaben aus dem Verteidigungsministerium in Kiew wollen die Regierungstruppen die Separatisten aus der Gegend um den Absturzort vertreiben. Erst am Samstag hatte auch eine Offensive gegen Donezk begonnen, die Regierungstruppen waren dabei bis nach Horliwka, nördlich der Eine-Million-Einwohner-Stadt, vorgerückt. Zusätzlich warfen die USA Russland vor, Raketen mehrere Kilometer weit auf ukrainisches Staatsgebiet abgefeuert zu haben. Das Außenministerium in Washington berief sich dabei auf Satellitenaufnahmen.

Rund um Horliwka, aber auch nahe dem Ort Debalzewe, 25 Kilometer vom Absturzort, sei es am Sonntag zu Gefechten gekommen, sagte der Sprecher des nationalen Sicherheitsrates, Andrej Lysenko. Allein in Horliwka seien 20 Rebellen getötet worden. Auch ein Rebellenvertreter in Donezk bestätigte die Kämpfe in dem Ort, erklärte aber, die Separatisten würden ihre Stellungen halten.

Die russische Nachrichtenagentur Ria Nowosti berichtete, dass ukrainische Truppen mit Panzern in Schachtarschk eingerückt seien, einer strategisch wichtigen Stadt an der Autobahn zwischen Donezk und der russischen Grenze und nur 15 Kilometer westlich vom Absturzort von Flug MH17. Örtliche Medien berichten auch von Kämpfen in den nahe gelegenen Orten Snischne und Tores.

Das Vorrücken der Regierungstruppen könnte auch eine Einigung gefährden, die der malaysische Ministerpräsident Najib Razak nach eigenen Angaben mit Separatistenführer Alexander Borodaj getroffen hatte. Borodaj habe der internationalen Polizeimission eigentlich freien Zugang zum Absturzort nahe der Ortschaft Grabowo zugesagt, erklärte Najib am Sonntag. 68 malaysische Polizisten sollten am Mittwoch in die Ukraine reisen und dort ihre niederländischen und australischen Kollegen unterstützen.

Die Aufgabe der Polizisten soll es sein, den Absturzort abzusichern, um eine Untersuchung der Wrackteile zu gewährleisten und weitere Leichenteile zu bergen. Australien wollte ursprünglich auch bewaffnete Polizisten einsetzen, dafür wäre allerdings eine Ratifizierung durch das Parlament in Kiew nötig. Premierminister Tony Abbott kündigte daraufhin am Sonntag an, nur unbewaffnete Beamte zu entsenden.

Der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte sagte, seine Regierung sei gegen die Entsendung bewaffneter Truppen, um die Absturzstelle zu sichern. Ihnen wäre es nicht möglich, "militärische Überlegenheit" im Osten der Ukraine zu erlangen, erklärte er. Eine militärische Option "wäre solch eine Provokation für die Separatisten, dass sie die Situation destabilisieren könnte", sagte Rutte.

Alle bisher geborgenen Leichen wurden bereits in die Niederlande ausgeflogen. Am Samstag wurde mit einer Person aus den Niederlanden erstmals eines der Opfer identifiziert. Insgesamt waren 298 Menschen an Bord der Maschine, als diese nach Angaben der USA und der Ukraine aus den Separatistengebieten mit einer Rakete abgeschossen wurde.

(ap)
 
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