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88 Tote in Russland: Fluglotse erhebt Vorwürfe gegen Piloten

zuletzt aktualisiert: 14.09.2008 - 21:31

Moskau (RPO). Beim Absturz eines russischen Passagierflugzeugs sind am Sonntag bei Perm im Ural alle 88 Insassen ums Leben gekommen, darunter auch ein deutscher Passagier. Die Unfallursache ist noch unklar, allerdings erhebt ein Fluglotse schwere Vorwürfe gegen den Piloten.

Nach Angaben der russischen Fluggesellschaft Aeroflot verlor die Boeing 737 beim Landeanflug auf den Flughafen bei schwierigen Wetterbedingungen den Kontakt zu den Fluglotsen und stürzte wenige hundert Meter von Wohnhäusern entfernt auf ein Gleis der Transsibirischen Eisenbahn. Ein Ermittler nannte als wahrscheinlichste Unglücksursache das Versagen eines Triebwerks. Der Fluglotse selbst sagte im russischen Fernsehen, dass der Pilot alle Anweisungen missachtet habe.  

An Bord des 15 Jahre alten Flugzeugs waren laut Aeroflot 82 Passagiere und sechs Besatzungsmitglieder. Unter den Fluggästen seien 21 Ausländer gewesen, unter anderem aus Deutschland, Frankreich, Italien, der Schweiz und der USA.  Die Boeing war in Moskau zur rund 1.200 Kilometer weiter östlich gelegenen Stadt Perm gestartet.

Die Eisenbahnschienen wurden beim Aufprall des Flugzeugs zerstört, ein Abschnitt der Transsibirischen Eisenbahn wurde deswegen geschlossen, wie eine Bahnsprecherin mitteilte. Augenzeugen zufolge stürzte die Boeing in steilem Winkel auf die Schienen und zerschellte. Nach amtlichen Angaben wurde der Flugrekorder gefunden.

Ministerium: Keine Hinweise auf Terroranschlag

Das Moskauer Katastrophenschutzministerium teilte mit, am Boden sei niemand verletzt worden. Es gebe auch keine Hinweise auf einen Terroranschlag. Die Luftverkehrssicherheit in Russland und den früheren Sowjetrepubliken gehört nach Angaben der Internationalen Luftverkehrsvereinigung IATA zu den schlechtesten der Welt. Experten machen dafür eine schwache staatliche Aufsicht, schlechte Pilotenausbildung und Sparmaßnahmen bei vielen Fluggesellschaften verantwortlich.

Aeroflot verwies darauf, dass eine Inspektion der Unglücksmaschine Anfang des Jahres keine Probleme ergeben habe. "Aeroflot hat bezüglich Sicherheit einen guten Ruf", sagte der stellvertretende Direktor der Fluggesellschaft, Lew Koschljakow. Der Absturz sei "ein schwerer Schlag für unser Ansehen".

Russlands Fluglinien kämpfen seit Jahren mit ihrer alternden Flotte. Nach einem Bericht der russischen Flugsicherheit vom Januar sind die Maschinen für internationale Flüge im Durchschnitt 18 Jahre, für Regionalflüge sogar 30 Jahre alt. Laut Statistik hat sich die Zahl der tödlichen Unfälle 2007 im Vergleich zu 2005 versechsfacht: So kamen im vergangenen Jahr bei 33 Unglücken mit russischen Maschinen insgesamt 318 Menschen ums Leben. Als weitere Ursache gelten zudem massive Mängel bei der Pilotenausbildung.

Krisenzentren für Angehörige der Opfer

Die Fluglinie richtete auf dem Flughafen von Moskau und Perm Krisenzentren für Angehörige und Freunde der Opfer ein. Sie stellte Angehörigen kostenlose Flüge nach Perm zur Verfügung und kündigte Entschädigungszahlungen von bis zu 55.000 Euro pro Opfer an. Präsident Dmitri Medwedew sprach den Angehörigen sein Beileid aus.

Sie hatten schnell traurige Gewissheit. Bei dem Absturz der Aeroflot-Maschine sind nach Angaben der Fluglinie alle 88 Insassen umgekommen – darunter offenbar auch ein Deutscher.

Nach Angaben von Augenzeugen geriet die Boeing 737 am Sonntagmorgen beim Landeanflug auf die Millionenstadt Perm in Brand, verfehlte nur knapp ein dichtbesiedeltes Wohngebiet und stürzte in eine Kolonie mit Ferienhäusern. 

"Sie fiel wie ein Komet vom Himmel", erzählte eine Frau dem Fernsehsender Westi-24. Ein Anwohner berichtete , die Maschine habe nur knapp seine Siedlung verpasst: "Sie flog über unser Haus und stürzte dann rund 200 Meter weiter zu Boden. Sie explodierte noch in der Luft, die Passagier-Kabine stürzte in eine Datschen-Kolonie."

Transsib-Strecke gesperrt

Durch die Wucht der Explosion wurden Trümmerteile in einen Umkreis von vier Quadratkilometern geschleudert und beschädigten Gleise der Transsibirischen Eisenbahn. Nach Angaben der Polizei musste die Transsib-Strecke zwischen Perm und Jekaterinburg gesperrt und der Zugverkehr umgeleitet werden.

Mitarbeiter des deutschen Konsulats seien auf dem Weg nach Perm, teilte ein AA-Vertreter mit. Zu den Passagieren gehörte auch der ehemalige Kommandeur der russischen Truppen in Tschetschenien, General Gennadi Troschew, berichtete Interfax unter Berufung auf das Verkehrsministerium. Ein Vertreter des Katastrophenschutzministeriums teilte später Ria Nowosti mit, möglicherweise hätten drei Passagiere den Flug verpasst.

Quelle: afp

 
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