| 21.19 Uhr

Flugshows und das Risiko
Ein Looping endet in der Katastrophe

Hobby-Flieger verunglückt bei Flugshow in der Schweiz
Hobby-Flieger verunglückt bei Flugshow in der Schweiz FOTO: dpa, bjh sh
Shoreham-by-Sea. Der Schock über den dramatischen Absturz bei Brighton mit mehreren Toten ist groß. Nur einen Tag später verunglückt ein deutscher Pilot in der Schweiz. Das wirft Fragen auf.

Am Sonntag stecken schon die ersten Blumen im Zaun. Ganz nah an der Stelle, wo am Vortag ein Militärjet mit einem Looping Tausende Zuschauer beeindruckte - und Sekunden später in einem riesigen Feuerball aufging, ausgerechnet auf einer Straße mit reichlich Verkehr. Die schwarze Rauchwolke nahe der südenglischen Küste war aus vielen Kilometern Entfernung noch zu sehen.

Unter den vermutlich elf Toten sollen zwei Fußballer aus dem nahe gelegenen Städtchen Worthing sein und ein 24 Jahre alter Personal Trainer. Sie waren nicht einmal Zuschauer der Shoreham Airshow bei Brighton, sondern einfach nur im falschen Moment auf der Straße neben dem Flugplatz unterwegs. Auch eine Hochzeitslimousine soll es getroffen haben, die auf dem Weg zu einem Brautpaar war.

Der Absturz der historischen Maschine vom Typ Hawker Hunter hat die Briten schockiert. Das erste Mal, seit 1952 in Farnborough fast 30 Zuschauer gestorben waren, kamen in Großbritannien wieder Unbeteiligte ums Leben. Viel öfter trifft es allerdings die Flieger.

Erst Anfang August starb ein 39 Jahre alter ehemaliger Pilot der Luftwaffe in der Nähe von Manchester, als er mit einer Folland Gnat abstürzte. Der Pilot des Hawker Hunter soll ebenfalls bei der Luftwaffe gewesen sein. Er kämpfte in einem Krankenhaus ums Überleben.

Meterhoch flogen am Samstag brennende Trümmerteile durch die Luft.
Weil Zuschauer die Flugvorführung in Aufnahmen festhalten wollten, verbreiteten sich schon kurz nach dem Absturz die dramatischen Bilder und Videos im Netz. Er danke Gott, dass es keine größere Menschenmenge getroffen habe, sagte der lokale Parlamentsabgeordnete Tim Loughton kurz nach dem Unglück. Nur ein paar hundert Meter weiter, und es hätten viele Dutzend Tote sein können.

Airshows sind beliebt bei den Briten und ein Ausflugsziel für die ganze Familie. Von Frühjahr bis in den Spätherbst hinein findet ständig irgendwo eine statt. Das Unglück von Shoreham wirft unweigerlich die Frage auf, ob die Schauflüge der historischen Maschinen, die zu Gedenk- und Feiertagen auch gern über den Buckingham-Palast in London hinwegrauschen, eigentlich sicher sind.

Es ist eine Frage, die jedes Mal gestellt wird, wenn bei einer Flugschau etwas schiefgeht. Am Sonntag, nur einen Tag nach dem Unglück von Shoreham, starb in der Schweiz ein Pilot der deutschen Formation Grasshoppers, als er mit einer anderen Maschine in der Luft zusammenkrachte. Deutschland hat das Ramstein-Trauma, wo 1988 insgesamt 70 Menschen starben, als drei Jets einer italienischen Kunstflugstaffel zusammenprallten und in die Zuschauer stürzten.

Vereinzelt forderten Kommentatoren in Zeitungsforen und sozialen Netzwerken am Sonntag, die Shows komplett zu verbieten. "Die Sicherheit aller Flugschau-Besucher wird mit viel Mühe sichergestellt", hielt der lokale Parlamentsabgeordnete Loughton dagegen. Der Unfall sei tragisch, aber kein Grund für Verbote.

"Die Piloten gehen Risiken ein, aber kalkulierbare Risiken", sagte Flugsicherheitsexperte David Learmount der BBC. Ein fragiles, altes Flugzeug werde auch vorsichtig geflogen. Er könne gar nicht genug betonen, wie streng die Showflüge reguliert seien. Es dürfte etwa kein Manöver tiefer als 500 Fuß - rund 150 Meter - über dem Publikum ausgeführt werden. Trotzdem hält Learmount es für möglich, dass die Experten für zivile Flugzeugunglücke jetzt noch strengere Regeln vorschlagen.

(dpa)
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