| 17.01 Uhr

Absturz mit 224 Toten
Ägyptische IS-Gruppe will Flugzeug abgeschossen haben

Flugzeug-Absturz im Sinai: Ägyptische IS-Gruppe will Maschine abgeschossen haben
Diese Karte zeigt den ungefähren Absturzort südlich des Al-Arish Flughafens in unwegsamem Gelände. Die Maschine war auf dem Weg vom ägyptischen Badeort Scharm el Scheich nach St. Petersburg. FOTO: Google Maps
Kaiso. Der ägyptische Ableger der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) behauptet, er habe die russische Passagiermaschine auf dem Sinai abgeschossen. Das teilten die Islamisten am Samstag auf ihrem Twitter-Konto mit. Ob dieses Bekenntnis der Wahrheit entspricht, ist unklar. 

Die "Soldaten des Kalifats haben es geschafft, ein russisches Flugzeug in der Provinz Sinai abzuschießen", erklärte die IS-Gruppe. Die mehr als 220 "Kreuzzügler" an Bord der Maschine seien getötet worden. Der Abschuss sei eine Racheaktion für die russische Intervention in Syrien. Russland hat Ende September mit Luftangriffen in Syrien begonnen. Die USA werfen Moskau aber vor, dabei nicht in erster Linie den IS zu bekämpfen, sondern vor allem gemäßigte Gegner des syrischen Machthabers Baschar al-Assad.

Russland skeptisch

Mit Skepsis hat Moskau auf die Bekennerbotschaft reagiert, derzufolge IS-Kämpfer die russische Passagiermaschine über der Sinai-Halbinsel zum Absturz gebracht haben. "Diese Information kann nicht als exakt angesehen werden", erklärte der russische Verkehrsminister Maxim Sokolow am Samstag laut russischen Nachrichtenagenturen. Moskau sei in engem Kontakt mit den "ägyptischen Kollegen und den Luftfahrtbehörden dieses Landes". Diese verfügten derzeit über "keinerlei Information", die "solche Andeutungen" bestätigten, fügte Sokolow hinzu.

Nach Angaben von Militärexperten verfügen die IS-Kämpfer auf dem Sinai nicht über Boden-Luft-Raketen, die ein Flugzeug auf einer Höhe von 30.000 Fuß (rund 9100 Meter) treffen könnten, wie dies bei der russischen Maschine bei ihrem letzten Funkkontakt der Fall war. Die Experten schlossen aber eine Bombe an Bord oder einen Abschuss durch eine Rakete nicht aus, sollte das Flugzeug wegen technischer Probleme in den Sinkflug gegangen sein.

Bei dem Absturz des Airbus A-321 mit der Flugnummer 9268 auf dem Weg von Scharm el Scheich nach St. Petersburg waren nach Behördenangaben alle 224 Menschen an Bord ums Leben gekommen. Die ägyptischen Behörden hatten zuvor erklärt, sie gingen von einem technischen Defekt als Absturzursache aus.

Auch die Deutsche Presse-Agentur hatte am Samstag unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtet, ein Terrorangriff werde ausgeschlossen. "Der Unfall war das Ergebnis eines technischen Problems", sagte ein Behördenmitarbeiter, der anonym bleiben wollte. Ein Flugschreiber sei bereits gefunden worden.

Mittlerweile hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dem russischen Präsidenten Wladimir Putin ihr Beileid ausgesprochen. "Deutschland trauert mit Russland um die Opfer", sagte Merkel laut einer Regierungssprecherin in Berlin am Samstag in einem Telefonat mit Putin.

Auch Bundespräsident Joachim Gauck kondolierte Putin. "Unsere Gedanken sind in diesen schweren Stunden bei den Flugzeuginsassen und deren Familien und Freunden", erklärte Gauck in Berlin.

 

(jco/AFP)
 
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