Navigationssystem ausgefallen: Fossett ist mit Milchshakes und Windeln auf Rekordkurs
zuletzt aktualisiert: 02.03.2005 - 06:27Washington (rpo). Viele Milchshakes mit Vanille- und Erdbeergeschmack hat er für die weite Reise eingepackt, aber auch Urinflaschen und Windeln. Der US-Börsenmilliardär und Abenteurer Steve Fossett ist am Dienstag angetreten, um als erster Mensch allein im Flugzeug ohne Zwischenstopp und Nachtanken um die Erde reisen. Inzwischen hat er die Hälfte der Strecke geschafft.
In seinem Leichtflugzeug "Global Flyer" überquerte Fossett mit rund 555 Stundenkilometern den Süden Chinas, wie sein Mitarbeiter-Team in Salina im US-Bundesstaat Kansas mitteilte. "Abgesehen davon, dass er im Schlaf spricht, ist er ziemlich überzeugend", scherzte Projektmanager Paul Moore. Am Dienstag war vorübergehend das Global Positioning System (GPS) ausgefallen, während sich Fossett über Kanada befand. "Das ist meine einzige Navigationshilfe" und deshalb sei es ein "sehr ernstes" Problem gewesen, sagte Fossett in einem Radiointerview. Vermutlich habe es an der Antenne seines Flugzeugs gelegen.
"Es ist eine lange Reise - vor allem die Nächte", sagte der 60-Jährige. Er sei ein wenig müde, "aber ich habe so etwas schon früher durchgestanden, und ich werde okay sein". Er habe "gute Chancen", den Rekordversuch erfolgreich zu beenden, machte sich Fossett selbst Mut. "Ich gewinne schnell an Gelände, was mich sehr ermutigt", berichtete der Börsenmilliardär aus der Luft. "Es ist interessant, die Dinge im Vorbeifliegen zu beobachten, und ich freue mich auf einen weiteren guten Tag morgen." Nach Angaben Moores blieb der Druck in der engen Kabine des "Global Flyers" auch dann erträglich, als Fossett auf eine Höhe von über 15.000 Metern aufstieg. Die Temperatur im Cockpit liege bei 18 Grad Celsius. "Seine Füße sind etwas kalt", sagte Moore.
Der "Global Flyer" wird zwar von einem Autopiloten gesteuert, trotzdem darf Fossett die komplexen Steuerungsmechanismen der Maschine nicht länger als zehn oder 20 Minuten am Stück unbeaufsichtigt lassen. Entsprechend kurz sind die ihm erlaubten Schlafpausen. Damit der Soloflug als Rekord gilt, muss Fossett alle Meridiane des Planeten überfliegen, mindestens 36.787 Kilometer zurücklegen und wieder an seinem Ausgangsort Salina landen. Wenn alles klappt, will der vielfache Weltrekordler Salina nach 60 bis 80 Stunden Flugreise am Donnerstagmorgen erreichen. Nicht nur, dass der Motor einen Lärm wie in der Disko macht - der Pilot muss auch mit den Flugkontrolleuren der zahlreichen von ihm überflogenen Länder den Funkkontakt pflegen und zudem das abnehmene Gewicht des Treibstoffs ständig neu verteilen.
Der 60-Jährige ist freilich durch die vielen Strapazen seiner Abenteurer-Karriere gestählt. Der Mann ist durch den Ärmelkanal geschwommen, hat mit dem Hundeschlitten Alaska durchkreuzt, Achttausender bestiegen und bereits mit dem Segelschiff sowie Heißluftballon den Globus umrundet. Insgesamt 102 Weltrekorde hat Fossett dabei aufgestellt, von denen 62 bis heute gelten. Dass der Mann noch lebt, erscheint wie ein Wunder, so zahlreich sind seine Rückschläge und Abstürze, darunter ein 9000-Meter-Fall mit einem beschädigten Ballon in das Meer vor Australien.
Für Fossett sind Rekorde eine Sucht. Es verschaffe ihm "ein Gefühl der Befriedigung, dass ich etwas schneller und weiter getan habe als jeder andere zuvor", sagte er. Der Exzentriker, der an der Terminbörse von Chicago zum reichen Mann wurde, zog sich vor drei Jahren aus der Finanzwelt zurück und widmet sich seither voll und ganz dem Abenteurertum. Nach der Reise mit dem "Global Flyer" will Fossett selbstverständlich weitermachen: "Es gibt keinen Grund, aufzuhören." Mit fortschreitendem Alter werde er nur seine Methoden ändern müssen: "Ich kann mir vorstellen, mit 90 ein ferngesteuertes Flugzeug um die Erde zu schicken."
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