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Paris nach den Anschlägen
Hollande sieht Frankreich im Krieg

Francois Hollande sieht Frankreich im Krieg
Frankreichs Präsident Hollande und sein Premier Valls haben den Ausnahmezustand über das Land verhängt. FOTO: dpa, isl pro
Paris. Nach den Anschlägen von Paris fahren die westlichen Staaten die Sicherheitsvorkehrungen hoch. Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg herrscht in Frankreich der nationale Notstand. Präsident Hollande wirbt für ein Vorgehen Bündnis gegen den Islamischen Staat. 

Frankreich sieht sich nach den verheerenden Pariser Anschlägen mit mindestens 127 Toten im Krieg gegen den Islamismus. Präsident Francois Hollande beorderte große Kontingente der Armee zu Sicherungsaufgaben ein. An den Landesgrenzen wurden Kontrollen eingeführt. "Konfrontiert mit Krieg muss die Nation angemessene Maßnahmen ergreifen", kündigte Hollande am Samstag an.

Er machte die Extremistengruppe Islamischer Staat (IS) für die Anschläge verantwortlich, die sich fast zeitgleich zu den Anschlägen bekannte.

In einer Ansprache an die Nation sagte Hollande: "Es ist ein Akt der absoluten Barbarei. Das Land leidet, und ich habe ein Dekret erlassen, um drei Tage Staatstrauer auszurufen. Alle Maßnahmen, um unsere Mitbürger und unser Territorium zu schützen, werden ergriffen. Das Militär wird in den nächsten Tage überall in Paris patrouillieren."

Medienberichten zufolge telefonierte Hollande am Samstag mit westlichen Regierungschefs, darunter in erster Reihe US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel. In den Gesprächen soll es unter anderem darum gegangen sein, sich im Kampf gegen den IS abzustimmen. 

Attentate jenseits der Grenzen geplant

Auch die Niederlande befänden sich im Krieg gegen die Terrororganisation Islamischer Staat (IS), erklärte Ministerpräsident Mark Rutte. "Der IS ist unser Feind", sagt er. "Wir sind aber nicht im Krieg mit dem islamischen Glauben." Rutte rief dazu auf, trotz der grausamen Bluttaten Ruhe und Einigkeit zu bewahren. "Wir haben es hier mit Extremisten zu tun, die vor allem ein Ziel haben: unsere westliche Gesellschaft zu destabilisieren, indem sie Hass säen." Rutte ermahnte die Bevölkerung zugleich zur Wachsamkeit. 

Weltweit wurden die Anschläge mit Trauer und Entsetzen aufgenommen. Regierungen rund um den Globus erhöhten die Sicherheitsvorkehrungen. Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich erschüttert und sicherte Frankreich jedwede Unterstützung zu. "Wir weinen mit Ihnen. Wir werden gemeinsam mit Ihnen den Kampf gegen die führen, die Ihnen so Unfassbares angetan haben", sagte sie in Berlin.

Hollande, der sich noch in der Nacht an den verschiedenen Tatorten informiert hatte, sagte, die sechs Attentate seien jenseits der französischen Grenzen geplant und mit Helfern in Frankreich ausgeführt worden. Unklar war zunächst, ob alle Attentäter bei den Anschlägen getötet wurden oder ob einige fliehen konnten.

Frankreich gehört zu den Gründungsmitgliedern der US-geführten Koalition gegen den IS und hat sich von Anfang an an Luftangriffen gegen die radikalislamischen Milizen in Syrien beteiligt. Kurz vor den Anschlägen hatte ein IS-Vertreter in einem Video gedroht: "Solange ihr uns bombardiert, werdet ihr nicht in Frieden leben. Ihr werdet sogar Angst haben, auf den Markt zu gehen."

Sechs Anschläge, offensichtlich abgestimmt

In einem offenkundig abgestimmten Vorgehen griffen nahezu zeitgleich mindestens acht Männer eine Konzerthalle, das Nationale Fußballstadion "Stade de France" und verschiedene Restaurants sowie Bars an und töten willkürlich Gäste und Passanten. In der Konzerthalle Bataclan erschossen vier Bewaffnete systematisch mindestens 87 Menschen. "Die Menschen fielen wie Domino-Steine um", sagte ein Augenzeuge. Er habe drei schwarz gekleidete Männer gesehen, die mit Sturmgewehren bewaffnet gewesen sein.

Nach Angaben der Polizei eröffneten die Attentäter das Feuer auch auf den belebten Straßen der Metropole. "Wir haben viele Opfer in einem fürchterlichen, haarsträubenden Zustand an verschiedenen Orten", erklärte Polizei-Präfekt Michel Cadot.

Rund 200 Menschen wurden verletzt, viele von ihnen schwer.
Für Frankreich ist es das zweite schwere Attentat mit islamistischen Hintergrund in diesem Jahr. Im Januar starben bei Angriffen auf die Redaktion der Satire-Zeitung "Charlie Hebdo" und einen jüdischen Supermarkt 18 Menschen.

(pst/dpa/REU)
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