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Männer stoppten Bewaffneten im Zug
Hollande will "Thalys-Helden" mit Ehrenlegion auszeichnen

Francois Hollande will "Thalys-Helden" mit Ehrenlegion auszeichnen
Das sind die drei Helden von Thalys 9364: Spencer Stone (von links), Anthony Sadler und Alek Skarlatos. FOTO: afp, ALB
Paris . Frankreichs Präsident François Hollande empfängt nach der Attacke in einem Thalys-Zug am Montagvormittag die Männer, die den Bewaffneten überwältigten und will sie mit der Ehrenlegion auszeichnen.

Dies berichtete die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf das Umfeld des Staatschefs. Mehrere Fahrgäste hatten am Freitagabend einen mit einem Kalaschnikow-Sturmgewehr und einer Pistole bewaffneten 25-jährigen Marokkaner in dem Hochgeschwindigkeitszug Amsterdam-Paris niedergerungen und werden seitdem als Helden gefeiert.

Hollande wolle ihnen im Pariser Élysée-Palast die "Dankbarkeit Frankreichs" ausdrücken, teilte das Präsidialamt vorab mit. Sie hätten damit eine "extrem schlimme Tat" verhindert. Darunter sind zwei US-Soldaten, ein amerikanischer Student sowie ein britischer Geschäftsmann. Ein Franzose stand dem Mann mit der Kalaschnikow als erster gegenüber und versuchte, ihn zu stoppen - in diesem Moment gab der Marokkaner nach Angaben des französischen Innenministers mehrere Schüsse ab.

Ein Fahrgast wurde von einer Kugel getroffen. Außerdem wurde Spencer Stone, einer der beiden US-Soldaten, bei der Auseinandersetzung mit dem Angreifer mit einem Messer schwer verletzt. Er hatte das Krankenhaus aber am Samstag wieder verlassen können. Auch Belgiens Premierminister Charles Michel will an dem Treffen im Élysée-Palast dabei sein, berichtete die Nachrichtenagentur Belga.

Der festgenommene Marokkaner wird von französischen Anti-Terror-Ermittlern verhört und soll ein radikaler Islamist sein. Allerdings wies er selbst zunächst jegliche Terrorabsichten von sich und sagte, er habe Fahrgäste ausrauben wollen. Der Mann sei erstaunt über den Terrorismus-Vorwurf gewesen, erzählte die Anwältin Sophie David, die ihn nach eigenen Angaben nach seiner Festnahme betreute, dem Sender BFMTV.

Der 25-Jährige behaupte auch, dass er weder geschossen noch einen Schuss gehört habe: "Er sagt, dass die Kalaschnikow nicht funktioniert hat." Die Waffen will der nach eigenen Angaben obdachlose Mann in einem Park in Brüssel gefunden haben. Die Anwältin beschrieb ihn als dünn und verstört.

Vater nimmt Sohn in Schutz

Der Vater des Angreifers nimmt seinen Sohn in Schutz: "Er war ein guter Junge, sehr fleißig", sagte Mohamed El Khazzani über seinen 25-jährigen Sohn Ayoub laut einem Bericht der britischen Zeitung "The Telegraph" vom Sonntag. Der Vater räumte ein, dass er keine Ahnung habe, was seinen Sohn zu der Tat veranlasst habe, da er seit mehr als einem Jahr nicht mehr mit ihm gesprochen habe.

Ein politisches Motiv hielt Mohamed El Khazzani allerdings für unwahrscheinlich. Sein Sohn habe "nie über Politik gesprochen, nur über Fußball und Fischen", sagte der Marrokaner laut "Telegraph" unter Tränen. Die Familie El Khazzani lebt demnach seit 2007 in Spanien, der im andalusischen Algeciras ansässige Vater Mohamed arbeite in der Recyclingindustrie.

Der Vater beklagte laut "Telegraph", dass ein französisches Telekommunikationsunternehmen seinen Sohn mit einem Halbjahresvertrag nach Frankreich gelockt und ihn nach einem Monat einfach rausgeschmissen habe. "Was sollte er tun? Was sollte er essen?", sagte der Vater der britischen Zeitung.

Nach Angaben spanischer Ermittler soll der Mann sich in Spanien radikalisiert haben, er wurde von den dortigen Behörden 2012 als "potenziell gefährlich" eingestuft, wie örtliche Medien berichteten. Die Pariser Staatsanwaltschaft, die den Fall leitet, äußerte sich bislang nicht zu den Ergebnissen ihrer Ermittlungen.

Der Fall löste auch eine Diskussion um die Sicherheitsvorkehrungen in Zügen aus. Belgiens Premierminister Michel brachte Pass- und Gepäckkontrollen für die internationalen Thalys-Züge ins Spiel. Er forderte zudem bereits am Samstag ein Krisentreffen der Innen- und Verkehrsminster aus Frankreich, Deutschland, Belgien und den Niederlanden - in diesen Ländern verkehren die Thalys-Züge.

(dpa)
 
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