Zwischenfall im Petersdom: Frau stürzt sich bei Weihnachtsmesse auf Papst
zuletzt aktualisiert: 25.12.2009 - 10:26Vatikanstadt (RPO). Schrecksekunden am Heiligen Abend: Die traditionelle Christmette in Rom hat mit einem Zwischenfall begonnen. Eine offensichtlich geistig gestörte Frau brachte Papst Benedikt XVI. kurz zu Fall, als sie sich bei seinem Eintritt in den Petersdom auf ihn stürzen wollte.
Das Oberhaupt der katholischen Kirche blieb unverletzt, wie Vatikansprecher Ciro Benedettini am Donnerstagabend mitteilte. Leibwächter konnten die Frau überwältigen. Mit der Messe wurde kurz nach dem Zwischenfall wie geplant begonnen. In seiner Predigt rief Benedikt die Gläubigen auf, aus dem Zustand des Egoismus' aufzuwachen.
Der Angriff ereignete sich, als sich die Prozession mit dem 82-jährigen Papst auf den Hauptaltar zubewegte. Die Frau überwand eine Absperrung im Petersdom und schlug Benedikt sowie Kardinal Roger Etchegaray nieder. Etchegaray wurde zur Untersuchung ins Krankenhaus gebracht. Polizeikräfte des Vatikans nahmen die Angreiferin fest. Sie sei offenbar psychisch labil, sagte Sprecher Benedettini.
Der Papst verlor bei dem Angriff seine Mitra und seinen Bischofsstab. Kurz darauf begleiteten ihn Personenschützer zum Altar. Der 82-Jährige wirkte erschüttert und musste sich bei Gehilfen abstützen. Benedikt erwähnte den Zwischenfall zu Beginn seiner Messe aber nicht. Er eröffnete sie mit den traditionellen Worten "Pax vobis" ("Friede sei mit Euch").
In seiner Predigt erklärte Benedikt, Streit und Unversöhnlichkeit in der Welt rührten daher, "dass wir eingeschlossen sind in die eigenen Interessen und Meinungen, in unsere eigene winzige Sonderwelt". Egoismus halte die Menschen in ihren Interessen und Wünschen gefangen, "die gegen die Wahrheit stehen und uns voneinander trennen". Auf der Liste der Prioritäten stehe Gott häufig "so ziemlich an letzter Stelle", dabei habe aber jeder die Fähigkeit, ihm zu begegnen, sagte Benedikt.
Zwischenfall im vergangenen Jahr
Es ist bereits das zweite Jahr in Folge, dass es bei der Christmette einen Zwischenfall gab. Im vergangenen Jahr übersprang eine Frau die Absperrung und wurde von Sicherheitsleuten gestoppt, bevor sie in die Nähe des Papstes gelangen konnte. Zunächst war unklar, ob es sich um dieselbe Frau handelte. Beide Angreiferinnen trugen einen roten Kapuzenpullover.
Mit Rücksicht auf das Alter des 82-Jährigen fand die Mitternachtsmesse bereits um 22 Uhr statt. Höhepunkt der Weihnachtsfeierlichkeiten in Rom ist am Freitag der Weihnachtsgottesdienst des Papstes mit dem anschließenden Segen "Urbi et Orbi" (der Stadt und dem Erdkreis).
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum