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Polizeigewalt in den USA
Fall Freddie Gray: Erster Prozess kurz vor dem Abschluss

Freddie Gray: Erster Prozess in Baltimore kurz vor dem Abschluss
Vor dem Gericht in Baltimore forderten Demonstranten Gerechtigkeit für Freddie Gray. FOTO: afp, cs
Baltimore. Knapp acht Monate nach dem Tod des Afroamerikaners Freddie Gray im Polizeigewahrsam in der US-Ostküstenstadt Baltimore steht der Prozess gegen den ersten von sechs angeklagten Polizisten kurz vor dem Abschluss. 

Die Geschworenen begannen nach einer zweiwöchigen Verhandlung mit den Beratungen. Dem Angeklagten William Porter wird fahrlässige Tötung vorgeworfen.

Der 25-jährige Schwarze Freddie Gray hatte bei seiner Festnahme am 12. April so schwere Rückenmarksverletzungen erlitten, dass er ins Koma fiel und eine Woche später starb. Die Beamten sollen den an Händen und Füßen gefesselten Afroamerikaner im Polizeitransporter bäuchlings mit dem Kopf nach vorne auf den Boden des Fahrzeugs gelegt und nicht angeschnallt haben. Ende Mai wurden sechs Polizeibeamte angeklagt, unter anderem wegen fahrlässiger Tötung und Totschlags.

Festnahmen trotz friedlicher Proteste in Baltimore FOTO: afp, ab

Staatsanwältin Janice Bledsoe sagte in ihrem Schlussplädoyer, dass Porter und seine Kollegen den Polizeitransporter in einen "Sarg auf Rädern" verwandelt hätten. Sie rief die Geschworenen zu einem Schuldspruch für Porter auf, der "seine Macht ausgenutzt" habe. Verteidiger Joseph Murtha sprach dagegen von einer "schrecklichen Tragödie", für die sein Mandant keine Verantwortung trage.

Die Polizisten - drei Weiße und drei Schwarze - erklärten sich alle für unschuldig und müssen sich in getrennten Verfahren verantworten. Bei einer Anhörung im September waren ihre Anwälte mit einem Antrag gescheitert, die Vorwürfe fallenzulassen. Die Stadt Baltimore einigte sich unterdessen mit Grays Familie auf die Zahlung einer Entschädigung von 6,4 Millionen Dollar (rund sechs Millionen Euro).

Baltimore: Eine Stadt in Unruhe FOTO: Frank Herrmann

Grays Tod wurde von vielen als neuer Fall von tödlicher Polizeigewalt gegen unbewaffnete Schwarze in den USA kritisiert und löste in Baltimore heftige Proteste aus. Bei den Unruhen im Frühjahr gingen Autos und Gebäude in Flammen auf, Geschäfte wurden geplündert. Hunderte Menschen wurden festgenommen. Zwischenzeitlich galt in Baltimore eine nächtliche Ausgangssperre und die Nationalgarde wurde in die Stadt geschickt.

(lsa/AFP)
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