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Jahresrückblick 2011: Heute trösten Puppen die Tsunami-Opfer

VON DANA SCHÜLBE - zuletzt aktualisiert: 27.12.2011 - 08:46

Düsseldorf (RPO). Als am 11. März dieses Jahres der Meeresboden vor der japanischen Küste bebte, führte dies zu einer Katastrophe immensen Ausmaßes. Der darauffolgende Tsunami und die Atomkatastrophe von Fukushima zerstörten das Leben vieler Japaner. Noch heute leiden sie unter den Folgen. Auf ihre ganz eigene Art wollen Puppenmacher bei der Trauerarbeit helfen.

Es war am frühen Nachmittag japanischer Zeit, als die Erde vor Honshu bebte. Zwei Minuten nur, doch die Folgen waren katastrophal. Denn auf das Beben folgte ein Tsunami, der alles mit sich riss, was ihm im Weg stand. Erst am darauffolgenden Tag wurde nach und nach das Ausmaß der Zerstörung sichtbar.

Schiffe waren bis ins Land hineingeschoben worden, Häuser lagen in Schutt und Asche, überall loderten Brände. Rund 16.000 Menschen verloren an jenem Märztag ihr Leben, noch heute werden mehr als 3500 vermisst. Auch Mika Sato verlor jemanden, ihre sechsjährige Tochter Airi. Der Autor Toshiyuki Sawaki hat sie besucht und ihre Geschichte unter anderem in der „Seattle Times“ veröffentlicht.

Der Schulbus wurde von der Welle fortgerissen

Satos Tochter, so schreibt der Autor, befand sich in einem Schulbus, als der Tsunami das Land überrollte. Der Bus wurde überrollt, keines der Kinder überlebte. Heute helfen der 36-Jährigen nicht nur Erinnerungen bei der Trauerbewältigung, sondern auch zwei ganz besondere Puppen. Deren Gesichter gleichen dem Abbild ihrer Tochter. „Es war, als käme meine Tochter zurück zu mir“, verriet sie Sawaki.

Diese Trauerpuppen waren die Idee der Hilfsorganisation Tamezo Club und örtlicher Puppenmacher. Auch der Sender 3Sat berichtete darüber. Demnach nennen die Künstler ihre Kreationen „Omokage“ - Ähnlichkeitspuppen. „Einige Menschen macht es vielleicht noch trauriger, wenn sie Dinge anschauen, die sie an jemanden erinnern“, zitiert der Sender den Puppenmacher Yosihiro Okuyama. Andere bräuchten genau so etwas, „die sie unmittelbar mit dem Verstorbenen in Verbindung bringen können“.

Wie Sawaki schreibt, will die Organisation 1000 Puppen anbieten, kostenlos. Okuyama sagte dem Autoren: „Ich hoffe, dass die Menschen die Puppen in ihr Herz schließen und dass sie den Trauernden emotionalen Beistand geben.“

Fukushima – die zweite Kaastrophe

Bestand und Hilfe brauchen aber nicht nur diejenigen, die angesichts des Tsunami einen geliebten Menschen oder all ihr Hab und Gut verloren, sondern auch jene Japaner, die einst im heutigen Sperrgebiet rund um die Atomanlage Fukushima lebten. Denn nur einen Tag nach dem Tsunami kam die zweite Katastrophe.

Aufgrund des Erdbebens war der Strom in der Anlage ausgefallen, die Reaktoren wurden nicht mehr gekühlt. Dann kamen die Explosionen, die gleich mehrere Reaktoren zerstörten und Radioaktivität freisetzten. Heute weiß man, dass zur Kernschmelze kam und die Katastrophe gleichzusetzen ist mit der von Tschernobyl.

Wochen dauerte es, bis die Kernstäbe überhaupt gekühlt werden konnten, einem Rückschlag folgte der nächste. Erst kürzlich wurde vonseiten der Regierung erklärt, dass man die Lage nun unter Kontrolle habe. Doch für viele Einwohner ist eine Rückkehr in ihre Häuser nicht mehr möglich. Zahlreiche Geisterstädte rund um den Atomkomplex sind entstanden.

Ein Umdenken in Deutschland

In Deutschland führte die Katasrophe zu einem Umdenken aller politischen Parteien, der Atomausstieg wurde beschlossen. Die Grünen gewannen immer mehr Wähler für sich, auch das Interesse an Ökostrom stieg. Heute hat das Interesse nachgelassen, wie kürzlich das Vergleichsportal Verivox mitteilte.

Doch in Japan sind die Aufräumarbeiten noch lange nicht beendet. Und die Trauerarbeit ebenso wenig. Die Mutter Sato jedenfalls hat ihren Weg, mit dem Schmerz umzugehen, gefunden. Wenn sie ihre Ähnlichkeitspuppe anschaut, dann sieht sie ihre Tochter. „Die großen runden Augen schauen genau wie die von Airi aus“, sagte sie dem Autoren Sawaki. „Ich muss mich doch um sie kümmern, nicht wahr?“

 

Quelle: csi/das/csi

 
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