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Not und Elend in Birma: Furcht vor Menschenhändlern

zuletzt aktualisiert: 16.05.2008 - 08:53

Rangun (RP/RPO). Knapp zwei Wochen nach dem verheerenden Wirbelsturm "Nargis" droht den Millionen Obdachlosen im birmanischen Irrawaddy-Delta weiteres Unheil. Viele Kinder haben ihre Eltern verloren, wissen nicht wohin. Unicef warnt vor Menschenhändlern.

Wie ist die Lage im Irrawaddy-Delta?

Bis zu zwei Millionen Menschen haben kaum noch Nahrungsmittel oder Zugang zu frischem Wasser. Die meisten Quellen, Flüsse und Kanäle sind mit Leichen und Tierkadavern übersät. Das Wasser ist kontaminiert, damit droht der Ausbruch von Krankheiten und Seuchen.

Kommen ausländische Helfer ins Land?

Kaum. Juntachef General Thein Sein behauptet, sein Regime habe die Lage unter Kontrolle. Einige Hilfsorganisationen erwägen deshalb, Birmesen in Schnellkursen auszubilden. Andere, die bereits seit Jahren im Land helfen, greifen auf bereits bestehende einheimische Teams zurück. Die spärlich ins Land gelassenen Hilfslieferungen decken bislang jedoch nur ein Zehntel des Bedarfs, sagen Experten.

Wie groß ist die Not?

Die Hilfslieferungen für die Opfer des Wirbelsturms in Birma reichen nach Einschätzung der Vereinten Nationen bei weitem nicht aus. In seiner jüngsten Lagebeurteilung geht das UN-Welternährungsprogramm (WFP) davon aus, dass täglich 390 Tonnen Lebensmittel für die rund 750.000 Opfer eingeführt werden müssen. Derzeit seien aber nicht einmal 300 Tonnen seit dem Wüten des Zyklons am 2. und 3. Mai verteilt worden.

Haben Menschenhändler, die Kinder entführen wollen, jetzt leichteres Spiel?

Viele Kinder sind durch die Katastrophe von ihren Eltern getrennt worden oder haben sie sogar verloren. In der vergangenen Woche haben Menschenhändler bereits versucht, Kinder aus Notunterkünften in der Hauptstadt Rangun zu verschleppen. Die Unicef-Beauftragte für Birma, Anne-Claire Dufay, sagte laut „spiegel-online“, ein Vermittler sei in eines der Lager gekommen und habe versucht, Kinder anzusprechen. „Das konnte verhindert werden. Die Polizei ist eingeschritten und es hat Festnahmen gegeben.“ Die US-Menschenrechtsorganisation Human Trafficking Org bezeichnet Birma als eine „Quelle und ein Durchgangsland für Menschenhandel“.

Wie groß ist die Spendenbereitschaft?

Bei der Aktion „Deutschland hilft“, einem Zusammenschluss von zehn Organisationen, gingen nach eigenen Angaben bis zur Mitte der Woche bislang nur 250.000 Euro ein. Das Spendenaufkommen sei nicht vergleichbar mit ähnlichen Katastrophenfällen, bestätigt der Geschäftsführer des Deutschen Zentralinstituts für Soziale Fragen, Burkhard Wilke. Als eine Ursache nennt er die Weigerung der Junta, internationale Helfer ins Land zu lassen.

Auch der fast völlige Ausschluss internationaler Medien dämpft die Spendenbereitschaft - es fehlen ähnlich bewegende Aufnahmen wie aus dem chinesischen Katastrophengebiet. Wilke wirbt um Vertrauen in die Arbeit der Helfer: Wenn seriöse Organisationen zu Spenden für Birma aufriefen, dann dürfe man davon ausgehen, dass sie das eingehende Geld auch dort verwenden könnten.


 
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